Von Jochen Bölsche
Schon jetzt drohen zudem "klimatisch bedingte Stresssituationen" (UBA) nach Art jener Hitzewelle, die im Sommer 2003 in Westeuropa rund 40000 Opfer forderte, davon 7000 in Deutschland. Im süddeutschen Freiburg werde sich bis 2100, wie das Bundesamt errechnen ließ, die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad fast verdoppeln und der Anteil der "Tropennächte" mit über 20 Grad beinahe verdreifachen.
Solche Hitzegrade erhöhen, wie die Klimafolgenforscher mahnen, die Gefahr von Infektionen etwa durch Cholera-Erreger im Wasser oder durch Salmonellen in Lebensmitteln. Ebenso wie Krankheitserreger gedeihen in der Wärme aber auch Krankheitsüberträger, im Fachjargon "Vektoren" genannt. Und zu denen zählen nicht nur Zecken, sondern beispielsweise auch Mäuse, Milben und Mücken.
Besorgt beobachten Epidemiologen, dass unter anderem die Asiatische Tigermücke auf ihrer Nordwanderung nach Deutschland vorgedrungen ist. Das Insekt, erstmals am Oberrhein entdeckt, hat vorletztes Jahr in Norditalien 214 Menschen an dem tropischen Chikungunya-Fieber erkranken lassen, zu dessen Symptomen schwere Gelenkschmerzen zählen. Prinzipiell bestehe, warnt das Umweltbundesamt, "auch die Gefahr eines Wiederauftretens von Malaria-Infektionen".
Umzingelt von Zecken
Deutschland bereits erreicht haben auch zwei nicht ungefährliche Verwandte des Gemeinen Holzbocks. Neu eingetroffen sind hier die mediterrane Hyalomma-Zecke, die durch rot-gelb geringelte Beine auffällt und das tückische Hämorrhagische Fieber übertragen kann, und die gefleckte Auwaldzecke, die nach jahrelanger Wanderung von Italien und Österreich nach Norden inzwischen Lübeck erreicht hat.
Der Blutsauger, der in vollgesogenem Zustand bis zu zwei Zentimeter lang und damit dreimal so groß wie der Holzbock ist, infiziert nicht nur Vierbeiner mit der unter Umständen tödlichen sogenannten Hundemalaria. Er kann als Überträger unter anderem von Fleckfieber auch dem Menschen gefährlich werden.
Von dem eher trägen Holzbock unterscheidet sich der Neuankömmling aus dem Süden durch ausgeprägte Aggressivität. Brandenburgische Förster hätten beobachtet, berichtet das Robert-Koch-Institut, dass sich Auwaldzecken, auch Laufzecken genannt, "in einem Umkreis von etwa einem Meter aktiv auf sie zubewegten, um zu stechen".
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH