Aus Südafrika und Vietnam berichtet Thilo Thielke
Begehrt war das Horn des Rhinozerosses schon immer, aber noch nie wurden so viele Nashörner gewildert wie im Moment. Fast jeden Tag verliert Südafrika eines der seltenen Tiere. Allein 2012 wurden bisher mehr als 270 abgeschlachtet.
Im März wurden im Kariega-Wildreservat nahe der Stadt Port Elizabeth mehrere Kadaver von Tierarzt William Fowlds entdeckt. Die riesigen Tiere waren niedergemetzelt worden, die Diebe hatten es auf ihre Hörner abgesehen. "Es war ein Massaker", sagt Fowlds, "es zeigt die ganze Brutalität der Nashornwilderei." Die Bilder sind im SPIEGEL TV Magazin (Sonntag, 21.45 Uhr, RTL) zu sehen.
Besonders Vietnamesen und Chinesen glauben, Nashornpulver könne etliche Leiden kurieren. Und seit die Märkte in Asien brummen, wächst auch die Nachfrage nach dem seltenen Horn. Rund 200.000 Dollar kostet ein zehn Kilo schweres afrikanisches Exemplar auf dem vietnamesischen Markt, wie Recherchen von SPIEGEL TV ergeben haben.
Gemeinsam mit dem Schweizer Artenschützer Karl Ammann hatte sich ein Fernsehteam auf eine weltweite Spurensuche begeben, die südafrikanischen Ranger in ihrem verzweifelten Kampf um den Erhalt der Nashörner begleitet und die Märkte in Hanoi in Vietnam und Vientiane in Laos besucht.
Nashornpulver aus dem Hinterzimmer
Tatsächlich wurde Ammann in Vietnam fündig. In der Nähe von Hanoi entdeckte er einen Großhändler, der ein ganzes Lager von seltenen afrikanischen Hörnern unterhielt. In einem Hinterzimmer zerrieb der Inhaber gerade afrikanisches Nashorn in einer extra dafür hergestellten Schüssel und bot Ammann eine Prise an. In einer Gasse mit etlichen Apotheken, die traditionelle chinesische Medizin führen, boten gleich mehrere Händler angebliche Nashornstücke an.
Aber waren sie echt? In zähen Verhandlungen erwarb Ammann schließlich etliche Proben, um sie später in einem Labor im südafrikanischen Pretoria untersuchen zu lassen. An der dortigen Universität wird seit zwei Jahren schon eine umfassende Datenbank mit Nashorn-DNA aufgebaut. Von 5000 Tieren ist das Erbgut bereits erfasst, insgesamt leben in Südafrika noch mehr als 20.000 Nashörner.
Doch auf die vietnamesischen Märkte wagten sich die Wissenschaftler bisher nicht. Schließlich ist der Transport von Nashornmaterial über Landesgrenzen hinweg verboten - so schreibt es das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites vor.
Nachfrage nach Nashorn in Asien könnte viel höher sein als angenommen
Die Erkenntnisse aus den Aufkäufen sind überraschend und verstörend. Von den ersten 20 Proben, die Ammann analysieren ließ, waren drei positiv: Es handelte sich um Teile von afrikanischen Breitmaulnashörnern. Der Rest allerdings war gefälscht. Unter den Proben befanden sich Hörner und Hornteile von Wasserbüffeln, Schafen und sogar SaigaAntilopen. "Es ist selbst unter einem Mikroskop enorm schwierig, Büffel- von Rhino-Horn zu unterscheiden", sagt Cindy Harper, Chefgenetikerin der Tierärztlichen Hochschule von Pretoria. "Die Käufer in Asien sind komplett ahnungslos, was sie da kaufen."
Sollten Ammanns Forschungen halbwegs repräsentativ sein, dann wäre das nicht unbedingt eine gute Nachricht. "Wenn so viel falsches Material auf dem Mark ist", so Harper, "würde das bedeuten, dass die Nachfrage nach Nashorn in Asien noch sehr viel höher ist als bisher angenommen."
Harper weiß, dass sie einen nahezu aussichtslosen Kampf führt. In Vietnam sind die Nashörner bereits ausgerottet. 2010 hatten Wilderer das letzte Tier mit einem Schnellfeuergewehr erledigt.
Der Beitrag sendet SPIEGEL TV am Sonntag von 21.55 bis 22.40 Uhr auf RTL.
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