Kämpfe unter Murmeltieren: Spielend an die Spitze

Spielende junge Gelbbauchmurmeltiere: 27.000 soziale Interaktionen beobachtet Zur Großansicht
DPA/ The Royal Society/ Ben Husley

Spielende junge Gelbbauchmurmeltiere: 27.000 soziale Interaktionen beobachtet

Warum toben Tiere? Es wirkt unnütz, kostet Energie. Forscher haben Murmeltiere elf Jahre lang beobachtet und Langzeitfolgen kindlichen Balgens erkannt: Spielerische Kämpfe können über den späteren Rang entscheiden.

Hoch die Pfötchen und draufhauen: Junge Murmeltiere balgen sich häufig, aber nicht nur zum Spaß. Sie ermitteln in spielerischen Auseinandersetzungen ihre spätere Position in der Gruppe, berichten Forscher in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Jungtiere, die häufig als Sieger aus dem spielerischen Kräftemessen hervorgehen, haben danach auch später einen höheren Rang.

Biologen vermuten, dass das Spielen von Jungtieren irgendeinem Zweck dienen muss. Einer Theorie zufolge ist das soziale Spielen eine Art Übung für die spätere Rangfolge in einer Population. Gut belegt ist diese Hypothese aber bisher nicht.

Die Forscher um Daniel Blumstein von der University of California in Los Angeles untersuchten die Hypothese nun an Gelbbauchmurmeltieren (Marmota flaviventris) erneut. Die putzigen Tiere leben im Bundesstaat Colorado, in der Nähe des Rocky Mountain Biological Laboratory. Bereits seit 1962 stehen sie unter wissenschaftlicher Beobachtung. Blumstein und seine Mitarbeiter begannen im Jahre 2002, auch das Spielverhalten des Nachwuchses ins Visier zu nehmen. Insgesamt werteten sie nach eigenen Angaben mehr als 27.000 soziale Interaktionen zwischen den Murmeltieren aus.

Sie fanden heraus, dass die Tiere, die in den spielerischen Auseinandersetzungen im ersten und zweiten Lebensjahr dominierten, später auch einen höheren Rang in der Gruppe innehatten. Der Effekt schwächte sich allerdings mit den Jahren ab. Bei älteren Tieren stand dar frühe Erfolg bei Balgereien nicht mehr so stark mit ihrem Rang im Zusammenhang.

Eine direkte Auseinandersetzung zwischen den Jungtieren könnte Verletzungen oder sogar den Tod zur Folge haben, schreiben die Forscher. Die Evolution favorisiere deshalb Methoden, bei denen der Rang in der Gruppe ohne direkte Kämpfe festgelegt werde. Art und Funktion des Spielens unterscheide sich aber vermutlich bei unterschiedlichen Tierarten.

boj/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
FdKatz007 27.03.2013
Zitat: "Blumstein und seine Mitarbeiter begannen im Jahre 2002, auch das Spielverhalten des Nachwuchses ins Visier zu nehmen. Insgesamt werteten sie nach eigenen Angaben mehr als 27.000 soziale Interaktionen zwischen den Murmeltieren aus. Irgendetwas muß mir entgangen sein. Ich kann nicht erkennen, warum es etwas besonderes sein soll, daß der Nachwuchs von Rudeltieren sich später nicht an die Auseinandersetzungen erinnern soll, und so auch dadurch zunächst Ränge entstehen. Gibt es irgendein soziales Säugetier, wo das nicht der Fall wäre? Ebenso ist es auch wenig überraschend, daß diese Erinnerungen mit dem Alter an Bedeutung verlieren, da inzwischen viele andere Faktoren hinzugekommen sind. Also ich beneide die "Feldarbeiter" der Studie nicht(27 000 Auswertungen, au waia). Es gibt sicher spannendere Aufgaben?
2.
brainwayne 28.03.2013
Meine Güte, wird da ein Geld rausgeworfen... Zumal die "Forscher" ja noch immer "vermuten", was das ganze bedeuten soll... 11 Jahre!!! Und selbst wenn Sie genau wüssten, was das ganze soll, kann die gesammte Menschheit nix damit anfangen... Oder kommt jetzt wieder ein Kommentator auf die Idee anzumerken, dass wir ja dadurch etwas über unser eigenes Verhalten lernen? garantiert...
3. es wirkt tatsächlich unnütz...
brainwayne 28.03.2013
Warum forschen Forscher nach sowas? Es wirkt unnütz, kostet Energie. Murmeltiere haben Forscher elf Jahre lang veräppelt und Langzeitfolgen kindlichen Balgens vorgetäuscht: Spielerische Kämpfe würden über den späteren Rang entscheiden. aber eine Meldung bei SPON ist es allmal Wert, wa?
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