Verlust der Geschlechtsorgane Die erstaunliche Kraft der Spinnen-Eunuchen

Viele Spinnenmännchen verlieren beim Sex ihre Geschlechtsorgane. Was sich schlimm anhört, erweist sich einer neuen Studie zufolge durchaus als Vorteil: Die amputierten Geschöpfe gewinnen an Leistungsfähigkeit - mit weitreichenden Folgen.

Spinne (Nephilengys malabare): Geschlechtsorgane wie kleine Boxhandschuhe (Pfeil)
Qi Qi Lee

Spinne (Nephilengys malabare): Geschlechtsorgane wie kleine Boxhandschuhe (Pfeil)


London - Sex kann tödlich sein. Viele Spinnenmänner jedenfalls verlieren nach dem Geschlechtsakt ihr Leben. Oder sie verlieren ihre Sexualorgane. Doch es gibt tröstliche Nachrichten für diese Eunuchen: Sie sind die besseren Kämpfer, wenn es darum geht, ihr Weibchen gegen nachfolgende Konkurrenten zu verteidigen. Das berichtet Daiquin Li von der Universität Singapur in den britischen "Biology Letters".

Nur etwa jedes vierte Männchen der Spinnenart Nephylengys malabarensis überlebt den Geschlechtsakt, dies aber normalerweise unter dem Verlust eines oder beider Geschlechtsorgane, schreibt der Forscher. Dennoch bleiben diese Eunuchen-Spinnen bei den Weibchen und verteidigen es gegen weitere Männchen.

Ohne die auffälligen Geschlechtsorgane, die wie kleine Boxhandschuhe an den beiden kurzen Beinen am Kopf der Spinnen sitzen, scheinen sie sogar besonders effektiv zu sein. Der Forscher ging dieser Beobachtung nach, indem er jeweils neun Männchen eines oder beide Geschlechtsorgane entfernte und maß, wie lange diese bei ständiger Störung in Bewegung blieben.

Andere Männchen fernhalten

Dabei fand er heraus, dass die "Voll-Eunuchen" im Durchschnitt fast doppelt so lange durchhielten wie unoperierte Tiere. Bei den "Halb-Eunuchen" lag der Wert in etwa in der Mitte.

Der Grund für das größere Durchhaltevermögen könnte ganz einfach der Gewichtsfaktor sein, meint Daiquin Li. Immerhin machen die Geschlechtsorgane bei den Spinnenmännchen etwa neun Prozent des Körpergewichts aus. Der kleine Unterschied fällt also durchaus ins Gewicht; der Verlust der Körperteile dürfte für die Tiere eine deutliche Energieeinsparung bei jeder Bewegung bedeuten.

Dies könnte auch die bessere Effizienz im Kampf erklären. Letztlich, so der Forscher, habe der Verlust der Geschlechtsorgane weitreichende Folgen für die biologische Entwicklung der Tiere: Auch wenn die Tiere nur einmal ein Weibchen begatten können, so fördern sie doch die Weitergabe ihrer eigenen Gene, indem sie anschließend andere Männchen besser von ihm fernhalten.

boj/dpa



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
nyn 13.06.2012
1. Nutzbringende Erkenntnis
Gott sei Dank macht das männliche Geschlechtsteil nicht neun Prozent des Körpergewichts aus.
Ylex 13.06.2012
2. Also wirklich...
Zitat von sysopQi Qi LeeViele Spinnen-Männchen verlieren beim Sex ihre Geschlechtsorgane. Was sich schlimm anhört, erweist sich einer neuen Studie zufolge durchaus als Vorteil: Die amputierten Geschöpfe gewinnen an Leistungsfähigkeit - mit weit reichenden Folgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,838449,00.html
Sagen Sie mal, gibt es nichts anderes über das Sie berichten könnten?
felisconcolor 13.06.2012
3. Es gibt noch
Zitat von sysopQi Qi LeeViele Spinnen-Männchen verlieren beim Sex ihre Geschlechtsorgane. Was sich schlimm anhört, erweist sich einer neuen Studie zufolge durchaus als Vorteil: Die amputierten Geschöpfe gewinnen an Leistungsfähigkeit - mit weit reichenden Folgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,838449,00.html
einen anderen Aspekt. Das vorhanden sein der Geschlechtsorgane beim Männchen könnte auch dazu führen das sich das Männchen einfach vorsichtiger bewegt. Denn der unbeabsichtigte Verlust derselben würde ja dazu führen das sich das Männchen gar nicht mehr fortpflanzen könnte. Im Umkehrschluss zeigt sich dann, wo nichts mehr ist darauf braucht man auch nicht aufpassen und dann mit voller Power auf den Gegner los gehen.
BlakesWort 13.06.2012
4.
Ich opfere mich für den unwissenschaftlichen Kommentar: "Kennt das nicht jeder Mann? Mit dicken Eiern kann man schlecht laufen."
rademix 13.06.2012
5. Trauerspiel
Zugegeben, Spinnen sind nicht gerade meine Lieblingstiere. Aber mir geht nicht in den Kopf, wozu das gut sein soll, den Spinnenmännchen - nur mal so zum Gucken was passiert - das Geschlechtsteil abzusäbeln. Der Mensch hat doch manchmal echt eine Macke! Sollte sich der gute Forscher mal in die Spinnen hineinversetzen, ich glaube, er hätte auch wenig Verständnis für diese Quälerei für die sog. Forschung. Wer gibt für so etwas Geld her?! Davon lebt ein Berufszweig, nicht zu fassen.
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