Spuren in Vogelerbgut: Hepatitis-B-Virus ist deutlich älter als vermutet

Die Familie des Hepatitis-B-Virus ist viel älter als gedacht: Schon vor über 19 Millionen Jahren haben sich Vögel mit den Erregern infiziert. Im Erbgut heute lebender Tiere finden sich noch Spuren der Viren. Sie sind heutigen Varianten äußerst ähnlich.

Zebrafinken: Verräterische Virenreste im Erbgut Zur Großansicht
dpa

Zebrafinken: Verräterische Virenreste im Erbgut

San Francisco - Paläovirologen haben Fragmente aus der Virusfamilie des Hepatitis-B-Erregers im Erbgut heute lebender Sperlingsvögel entdeckt. Bei fünf Arten, unter anderem beim Zebrafink, konnten Cédric Feschotte und Clément Gilbert von der University of Texas in Arlington Fragmente von Hepadna-Viren finden, zu deren Familie Hepatitis-Viren gehören.

Die Forscher konnten nachweisen, dass das Erbgut der Viren in das Genom der Vögel integriert wurde. So wurden die Erbinformationen von Generation zu Generation weitervererbt. Bei allen Arten befanden sich die Virusfragmente an exakt dem gleichen Ort im Genom, so die Forscher. Das lasse nur den Schluss zu, dass die Vögel das Virus von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben.

Und dieser Vorfahr lebte vor rund 19 Millionen Jahren. Und damals hat er sich offenbar mit einer oder mehreren frühen Varianten des Erregers infiziert. So lange muss die Virenfamilie also mindestens schon existieren. Eine Vogelart, deren Vorfahren sich vor rund 35 Millionen Jahren abgespalten hat, weist die verräterischen Gensequenzen hingegen nicht auf.

Weil Viren keine Fossilien hinterlassen, haben Forscher ganz allgemein Probleme, ihre Herkunft zu erklären und ihre Geschichte zu schreiben. Die Fragmente im Erbgut noch lebender Spezies sind ein entscheidendes Hilfsmittel. Auch beim Menschen und anderen Wirbeltieren haben Forscher überraschend vielfältige Virenreste nachgewiesen, die sich zum Teil seit Millionen von Jahren in der DNA festgesetzt haben.

Seit Millionen von Jahren in der DNA festgesetzt

Die Untersuchung werfe ein vollständig neues Licht auf die Evolution und das Alter der Hepatitis-Viren, schreiben Feschotte und Gilbert in der Fachzeitschrift "PLoS Biology". Bisher hatten Fachleute vermutet, die Hepadna-Viren seien lediglich einige tausend Jahre alt. Diese Annahme lässt sich nun nicht mehr halten.

Und noch ein Paradigma müssen die Wissenschaftler wohl korrigieren: Es geht um die Annahme, dass sich die Erreger innerhalb einer relativ kurzen Zeit stark verändern. Das scheint widerlegt zu sein, weil die gefundenen alten Fragmente sehr stark den entsprechenden Abschnitten in den heute noch verbreiteten Hepadna-Viren ähneln. Die Mutationsrate sei wohl um den Faktor 1000 niedriger als bisher vermutet, berichten die Forscher.

Das Hepatitis-B-Virus kann bei Menschen Leberentzündungen hervorrufen. Es gehört zur Familie der Hepadna-Viren, die neben Säugetieren auch Vögel befallen. Deswegen hatten sich die Forscher das Erbmaterial der Sperlingsvögel angesehen.

Einige der untersuchten Vogelarten könnten auch heute noch Träger einer modernen Form eines Hepadna-Virus sein, das vielleicht sogar auf den Menschen überspringen könnte. Weitere Untersuchungen könnten daher helfen, Virus-Epidemien vorherzusagen oder ein solches Überspringen der Artenschranke zu verhindern, hoffen die Wissenschaftler.

chs/dapd

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