Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Stabile Strömung: Golfstrom trotzt globaler Erwärmung

Obwohl es deutliche Anzeichen für einen beginnenden Klimawandel gibt, hat sich der Golfstrom bislang nicht abgeschwächt - entgegen früheren Vorhersagen. Sein warmes Wasser ist entscheidend für das Klima in Europa, Veränderungen könnten dramatische Folgen haben.

Das Szenario diente schon als Stoff für den Film "The Day after Tommorrow": Wegen des Klimawandels schmilzt der Permafrostboden im hohen Norden, die Flüsse schwellen an, immer mehr Süßwasser ergießt sich in das Arktische Becken. Und weil der Salzgehalt des Polarmeers sinkt, verliert es seine Funktion als "Motor der globalen Ozeanzirkulation", der Golfstrom bricht zusammen und über Europa bricht ein arktischer Winter herein. Auch wenn das Szenario extremer Kälte als überholt gilt, fürchten Klimaexperten trotzdem die Folgen eines Zusammenbruchs der Meereszirkulation.

Golfstrom im Falschfarbenbild (hellere Töne stehen für höhere Temperaturen): "Wir werden nicht über kurz oder lang in eine Eiszeit rutschen"
NASA / MODIS / Norman Kuring

Golfstrom im Falschfarbenbild (hellere Töne stehen für höhere Temperaturen): "Wir werden nicht über kurz oder lang in eine Eiszeit rutschen"

2005 glaubten Forscher sogar schon Hinweise auf eine Abschwächung des Golfstroms gefunden zu haben. Dabei handelte es sich aber offenbar um falschen Alarm - das glauben zumindest Claus Böning und seine Kollegen vom Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften IFM-Geomar.

"Bisher gehen nahezu alle Klimamodelle davon aus, dass sich der Golfstrom in Zukunft abschwächen werde und erste Anzeichen dafür in Messdaten zu erkennen seien", sagte Böning heute. "Dies wird aber nicht durch unsere Langzeitbeobachtungen bestätigt". Anders als erwartet, hätten Strömungsmessungen am Ausgang der Labradorsee zwar große Schwankungen über Zeiträume von Wochen und Monaten ergeben, aber keine dramatischen langfristigen Trends, die auf eine Abnahme der Zirkulation hindeuteten.

"Wir werden in Europa nicht in eine Eiszeit rutschen"

Der nördliche Nordatlantik mit dem Golfstrom-System als große Meeresströmung sei für das Weltklima eine Schlüsselregion. Er bestimme nicht nur das nordeuropäische Klima, sondern habe globale Fernwirkungen. "Selbst wenn sich die Vorhersagen der Klimamodelle bestätigen sollten, werden wir hier in Europa nicht über kurz oder lang in eine Eiszeit rutschen", erklärte der Ozeanograf Jürgen Willebrand. "Bestenfalls wird die zu erwartende Klimaerwärmung in Nordeuropa etwas moderater ausfallen".

Bei den Messungen im Nordatlantik, die die Kieler Meeresforscher seit 1996 durchführen, zeigten sich "im Nordatlantik zwar starke natürliche Schwankungen, aber es gibt keine Anzeichen für Abschwächungen". Das Absinken von Wassermassen in große Tiefen treibe eine globale Ozeanzirkulation an, die über den verlängerten Arm des Golfstroms zu einem angenehm milden Klima in Nordeuropa beitrage, hieß es weiter. Dieser Prozess sei aber auch eine sehr empfindliche Stellschraube im Klimasystem und in der Vergangenheit schon für rasche und einschneidende globale Klimaänderungen verantwortlich gewesen.

Wie es weiter hieß, arbeiten Kieler, Bremer und Hamburger Meereswissenschaftler in einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprogramm an dem Aufbau eines Frühwarnsystems für Änderungen des Golfstrom-Systems. Die Wissenschaftler wollen ihre Studie auf einem internationalen Symposium in Kiel vom Montag bis zum Mittwoch kommender Woche vorstellen. Man erwarte dabei durchaus eine kontroverse Diskussion der Ergebnisse.

hda/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: