"Stämmiger Drache": Dinosaurier kämpfte wie ein Kickboxer

In Rumänien haben Forscher das Skelett eines fleischfressenden Dinosauriers entdeckt - sie nennen ihn "stämmiger Drache". Das Tier erlegte seine Beute anscheinend wie ein Kickboxer - und es stellt manche Theorie über das Erdmittelalter in Frage.

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DPA / Mick Ellison

"Stämmiger Drache": Der Fuß des Dinosaurier-Fossils lässt seine Kraft erahnen

Washington - Im rumänischen Siebenbürgen haben Paläontologen die Überreste eines ungewöhnlichen fleischfressenden Dinosauriers entdeckt: Balaur bondoc - auf Deutsch "stämmiger Drache" - lebte vor etwa 70 Millionen Jahren. Er war eng verwandt mit den unter anderem aus dem Film "Jurassic Park" bekannten Velociraptoren. Allerdings hatte er einen deutlich stämmigeren Körperbau - was Experten staunen lässt. Manche Theorie über das Erdmittelalter müssen sie nun überdenken.

Das Tier verfügte nach Angaben des rumänisch-amerikanischen Forscherteams über kürzere und kräftigere Beine als seine berühmten Verwandten und besaß zwei riesige Krallen an den Füßen - Velociraptoren hatten nur eine.

Balaur bondoc setzte wohl eher auf Kraft als auf Schnelligkeit, glauben die Wissenschaftler: Wie ein Kickboxer nutzte er möglicherweise seine kräftigen Beine, um Beutetiere zu erlegen - vielleicht schlitzte er sie auch mit einem Tritt seiner krallenbewehrten Füße auf. Anschließend scheint er sie ebenfalls mit den Füßen festgehalten und ausgeweidet zu haben.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der Dinosaurier seine Eigenheiten vor allem aufgrund der damaligen Geografie ausprägte: Europa war in der späten Kreidezeit großteils von Ozeanen bedeckt, aus denen einzelne Inseln ragten. Auf ihnen lebende Tiere entwickelten häufig ungewöhnliche Merkmale, schreiben Zoltán Csiki von der Universität in Bukarest und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Besondere Merkmale von Inseltieren

Die meisten Inseltiere sind kleiner als ihre auf größeren Landmassen lebenden Verwandten und nicht selten auch primitiver. Das galt auch für Balaur bondocs Zeitgenossen, wie Paläontologen dank einer Vielzahl von Funden wissen. Es handelte sich dabei vor allem um pflanzenfressende Dinosaurier, die auf allen Vieren liefen und die bei weitem nicht die beeindruckende Größe ihrer Verwandten auf dem Festland erreichten.

Ob sich der Inseleffekt allerdings auch bei den damaligen Raubtieren zeigt, war nicht bekannt - zu rar und zu klein waren die bislang aufgetauchten Überreste, bei denen es sich lediglich um einzelne Zähne oder Knochenfragmente handelte. Der neue Fund ändert die Situation jedoch: In der Nähe der Stadt Sebes in der Region Siebenbürgen stießen die Forscher auf ein vergleichsweise gut erhaltenes Skelett des stämmigen Drachen mit einem Bein, einer Hüfte, Teilen des Rückgrats, den Vorderbeinen, einer Hand, einer Rippe und Teilen der Schwanzknochen.

Obwohl der Schädel fehlt, konnten die Wissenschaftler das Aussehen des Tieres relativ gut rekonstruieren. Demnach war Balaur bondoc 1,80 bis 2,10 Meter lang und hatte kurze, stämmige Beine und Füße, bei denen die Knochen zum Teil fest miteinander verbunden waren. Das Becken war ebenfalls ungewöhnlich und besaß große Aussparungen, an denen Muskeln befestigt waren. Die Vordergliedmaßen hingegen waren stark verkümmert, so dass Greifen mit ihnen vermutlich praktisch unmöglich war.

Das Leben auf der Insel führte im Fall von Balaur bondoc also nicht zu einer Verkleinerung, sondern zu einer starken Veränderung des Körperbaus, schreiben die Forscher. Da einige Merkmale aber weiterhin denen anderer Velociraptoren glichen, könne es keine vollständige Isolation gegeben haben. Vielmehr habe offenbar weiterhin ein Austausch zwischen den in Europa heimischen Raubsauriern und denen in Asien und Nordamerika stattgefunden.

Demnach gab es damals - zumindest vorübergehend - bereits eine Landverbindung zwischen Europa und Asien. "Wir haben lange auf solche Informationen gewartet und sind jetzt mit überraschenden Details belohnt worden", schwärmt Mark Norell vom Museum of Natural History in New York, ein Autor der Studie.

boj/ddp/dpa

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