Starke Winterverluste Natürliche Feinde dezimieren Bienenpopulation

Viele Imker haben in diesem Winter große Verluste an Bienen beklagt. Neben bekannten Schädlingen bedrohen auch neue Gefahren die Bienenvölker.

Honigbiene
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Für den Imker Kurt Mailänder steht fest, wer für die großen Verluste bei seinen Bienenvölkern verantwortlich ist. Der Vorsitzende des Imkervereins Stuttgart musste im vergangenen Winter fünf seiner zwölf Bienenvölker aufgeben. In erster Linie sei er selbst für das große Sterben verantwortlich: "Ich war zu nachlässig und hätte die Völker nochmals auf Varroamilben überprüfen müssen." Dabei hatte Mailänder seine Populationen bereits zweimal mit 60-prozentiger Ameisensäure behandelt - einige vergeblich.

Es war das erste Mal in seiner zehnjährigen Imkerlaufbahn, dass Mailänder Völker verloren hat. In diesem Winter starben in Deutschland relativ viele Bienen. Im Bundesschnitt liegt der Ausfall vorläufigen Zahlen zufolge bei 18 bis 20 Prozent, im langfristigen Mittel bei etwa 15 bis 17 Prozent. "Die Verluste sind gemessen am langjährigen Mittel überdurchschnittlich, aber nicht im dramatischen Bereich", sagt Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen (Rheinland-Pfalz).

In den meisten Fällen ist ein Varroamilben-Befall die Ursache für das verstärkte Bienensterben. Die Parasiten übertragen Viren, die unter anderem zu Flügeldeformationen führen. Längst sind in Europa aber auch neue Bienenschädlinge unterwegs. In wärmeren Regionen Westeuropas verbreitet sich seit einigen Jahren die Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Sie ist darauf spezialisiert, Honigbienen zu jagen, wie Doris de Craigher von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim erklärt.

Varroamilben auf einer Bienenlarve
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Varroamilben auf einer Bienenlarve

In Kalabrien und Sizilien wurde der Kleine Beutenkäfer gefunden, der seine Eier bevorzugt in die Spalten der Bienenstöcke legt. Ein Befall durch den Beutenkäfer kann auch zu Folgeschäden am Honig führen: Seine Larven fressen sich durch Waben und verschmutzen den Honig, der zu gären beginnt. Er ist dann unbrauchbar für Mensch und Biene.

"Gute Chance durchzukommen"

Trotz aller Gefahren betont de Craigher, dass sich die Bienen derzeit gut entwickeln: "Auch kleine Völker haben gute Chancen durchzukommen." Vor allem die warme Witterung und das reichhaltige Pollenangebot böten ideale Bedingungen. Sollte es in den nächsten Wochen weiterhin trocken und warm bleiben, stehe einer guten Frühhonigernte nichts im Weg, sagt die Diplom-Biologin.

Für genaue Prognosen ist es allerdings noch zu früh. Eine schwache Honigernte könnte wieder Auswirkungen auf den Preis haben - allerdings nur für "echten deutschen Honig". Laut Schmieder entscheiden sich immer mehr Deutsche für qualitativ hochwertigen Honig aus dem eigenen Lande: "Guter deutscher Honig hat kein Vermarktungsproblem."

Wie viel Honig Mailänder in diesem Jahr ernten wird, bleibt für den Hobbyimker nebensächlich. 2016 konnte er pro Volk rund 15,5 Kilogramm Blütenhonig gewinnen. "Solange ich uneingeschränkt Freude an den Bienen haben kann, ist alles gut", sagt er. Mit dieser Meinung scheint er nicht allein zu sein: In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der Imker stetig zu. Das Interesse wächst vor allem bei jungen Erwachsenen, wobei immer mehr Frauen die Bienenzucht für sich entdecken.

Von Khang Nguyen, dpa

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insgesamt 31 Beiträge
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solynieve 09.04.2017
1. Glyphosat
Nanü, die einzigen Gründe des Bienensterbens sind Parasiten. Ist dieser Artikel jetzt von der Werbeabteilung von Bayer geschrieben worden. Wäre doch nett gewesen, wenn dieser Wohlfühlartikel auch den Aspekt und die Möglichkeiten von Pflanzenschutzmitteln auf das Sterben von Bienen mit in Betracht gezogen hätte. Bayer hat sogar den Rechtsstreit verloren. Es ging um die Behauptung in der Werbung "nicht bienengefährlich". Sie wurde in einigen Studien wiederlegt (Studien die nicht von Monsanto und Bayer in Auftrag gegeben wurden).
pfalzkapelle 09.04.2017
2.
... bis dann eben ein Dachstuhlbrand kommt, weil "Imker" meinte, die leeren Bienenstöcke auf dem Speicher schwefeln zu können. Und eben "Imker" nachschauen musste, ob der Dachstuhl wirklich brennt.... Ohne Bienen, dafür mit Vater wäre das Leben bestimmt schöner gewesen, besonders, wenn "Vater" dann wegen seiner Liebe zu den Bienen überraschend gegangen ist.
Rafaelblond 09.04.2017
3. Mein Onkel ...
... ist auch Imker - von Ihm weiss ich, dass wie auch im Artikel beschrieben ein Feind der Bienen der Imker selbst durch Nachlässigkeiten und unsauberes Arbeiten (Hygiene) ist. Und nicht zu vergessen die Giftspritzerei auf unseren Feldern. Dieser Dreck gelangt dann über die Nahrungskette in den Menschen. Hier in der Pfalz stinkt es an manchen Tagen wie früher am Werkstor von Bayer Leverkusen. Wohl bekomms.
odapiel 09.04.2017
4. Der Schwund
bei aktiven Imkern dürfte auch dazu beitragen. Im Ausland, bereits einen Schritt über die Grenzen nach beispielsweise Polen, Frankreich oder Dänemark, ist das Halten von Bienen so einfach zu bewerkstelligen, wie das Halten von ein paar Legehennen im Garten. In Deutschland ist es überfrachtet mit Regelungen, Gesetzen, Amtsveterinären und aufgezwungenen Haltungsformen, die es anderswo - gänzlich ohne Schaden, wohlgemerkt - so nicht gibt. Und wer will schon alle Nase lang vor einem Amtsveterinär strammstehen, vor allem wenn er so eine Stinkwanze mit Beamtenmentalität abbekommt, wie sie in diesem Beruf gerne weich und völlig unkontrolliert landen. Ich hielte seit 12 Jahren extensiv Bienen, hinge nicht ebendieser Rattenschwanz dran. Und ich wäre, gemessen an der Imkeraltersstruktur eine junge Jungimkerin. Ich kenne eine Reihe junger Selbstversorger, die die Bienenhaltung nach einem Erstkontakt mit den Ämtern auch ganz schnell wieder ad acta gelegt haben, in der Schublade "in Deutschland völlig hirnrissig".
hartmannulrich 09.04.2017
5.
Die Varroamilbe als "natürlichen Feind" zu bezeichnen, ist eigentlich nicht richtig: sie wurde eingeschleppt und kommt bei uns von Natur aus nicht vor, weswegen die hiesigen Bienen auch keine Resistenzen entwickelt haben.
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