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Staub in der Atmosphäre: Forscher fordern Messnetz für Vulkan-Partikel

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Der nächste Ausbruch kommt bestimmt, und Europa ist schlecht vorbereitet. Atmosphärenforscher fordern nun, ein Messnetz für feinste Staubteilchen in der Luft wieder neu zu aktivieren. Es war einst eingemottet worden - aus Geldmangel.

dpa

Als der Vulkan Eyjafjallajökull in der vergangenen Woche auf Island ausbrach, brachte er nicht nur die Luftfahrt über Europa zum erliegen. Er zeigte auch eine Schwäche der deutschen Atmosphärenbeobachtung. Denn die Wolke mit Vulkanstaub zu vermessen, das war zunächst alles andere als einfach. "Wir waren da offensichtlich in einem Dornröschenschlaf", klagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. "Wir sind schlecht aufgestellt."

Auch wenn sich Forscher schnell gegen Vorwürfe zur Wehr setzten, sie hätten zu spät gemessen, scheint doch eines klar: Die technischen Voraussetzungen für die Jagd auf die Aschewolke waren nicht optimal. So verfügt der Deutsche Wetterdienst (DWD) zwar nach eigenen Angaben über 35 bis 40 Messgeräte zur Erkennung der Wolkenuntergrenze, sogenannte Ceilometer. Doch die konnten den fliegenden Ascheteppich nicht präzise kartieren. "Unsere Lasermessgeräte sind dafür derzeit nicht geeignet", erklärte DWD-Sprecher Gerhard Lux im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Viel Interpretationsarbeit sei nötig, um die isländische Wolke in den Messdaten überhaupt zu erkennen.

Der Wetterdienst konnte die Aschefracht nur indirekt über Ballonaufstiege von der Station auf dem Hohenpeißenberg bei München nachweisen. Deutsche Atmosphärenforscher fordern deswegen nun den Aufbau eines dauerhaften Warnnetzes - und beklagen, dass ein früherer Versuch zum Aufbau aus Geldmangel gescheitert ist.

Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg berichtet, dass es auf europäischer Ebene bereits ein Messenetz für feinste Partikel in der Luft gab, die sogenannten Aerosole. Aus Geldmangel sei dieses Earlinet ("European Aerosol Research Lidar Network") aber zum Teil wieder außer Betrieb gegangen. Eine zentrale Sammlung der Daten gebe es nicht mehr. Und das sei problematisch, auch wenn einige Laser-Messgeräte - wie in Hamburg - weiter betrieben würden: "Die Koordination ist der entscheidende Punkt", sagt Graßl im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Solche Netze müssen in den Routinebetrieb gehen. Und wenn man Kontinuität haben will, dann müssen sie an den Wetterdienst übergeben werden."

Langfristige Vision: Messgeräte für Linienflieger

Tatsächlich ist es so, dass die aktuellen Einzelbeobachtungen der Vulkanwolke nicht ohne weiteres zusammen zu puzzeln sind. Messmethoden, Betrachtungszeiträume und Datenformate unterscheiden sich im Detail. Das dürfte auch die Prognosen des für Deutschland zuständigen Volcanic Ash Advisory Centre beim britischen Wetterdienst in London erschweren.

Lohnt sich wegen sporadischer Vulkanausbrüche nun aber tatsächlich der dauerhafte Aufbau eines eigenen Messnetzes? Ja, sagen Atmosphärenforscher. Sie möchten mit solchen Anlagen auch den Staubtransport aus der Sahara messen, der Europas Meere düngt und dort Algenblüten entstehen lässt. Oder Aerosolwolken aus riesigen Waldbränden, zum Beispiel in Kanada. Oder die alltägliche Luftverschmutzung. Und eben den nächsten großen Vulkanausbruch.

So wirbt auch der Atmosphärenforscher Volker Wulfmeyer von der Universität Hohenheim für eine Aerosol-Messung im Dauerbetrieb - und zwar beim Deutschen Wetterdienst. Bisher sind dafür nur einige Vorzeige-Stationen des DWD gut ausgestattet, zum Beispiel die in Lindenberg südöstlich von Berlin. Bei den staatlichen Wetterbeobachtern sei "am falschen Ende gespart worden", kritisiert der Wissenschaftler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das sollte man überdenken aufgrund dieses Ereignisses."

Der Atmosphärenforscher Joachim Curtius von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt hat noch einen anderen Vorschlag: "Längerfristig könnte es sich lohnen, auch Linienflugzeuge mit Partikel-Messgeräten auszurüsten." Diese könnten dann den Piloten warnen und auf eine andere Flughöhe schicken. Nach Angaben des Wissenschaftlers kosten die Messgeräte derzeit pro Stück einige zehntausend Euro - weil sie bisher nur in kleinen Stückzahlen zu Forschungszwecken hergestellt werden.

Und doch sollten sich die Fluglinien einen Kauf überlegen, sagt Curtius: "Angesichts des hohen wirtschaftlichen Schadens, der durch die Unterbrechung des Flugverkehrs entsteht, könnte sich die Investition für Linienflugzeuge durchaus lohnen - vor allem, wenn der Vulkan noch ein Jahr oder länger aktiv ist."

Mit Material von dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
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1. ++
saul7 20.04.2010
Zitat von sysopDer nächste Ausbruch kommt bestimmt, und Europa ist schlecht vorbereitet. Atmosphärenforscher fordern nun, ein Messnetz für feinste Staubteilchen in der Luft wieder neu zu aktivieren. Es war einst eingemottet worden - aus Geldmangel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,690020,00.html
Die Revitalisierung dieses Messnetzes ist längst erfoderlich und sollte umgehend eingerichtet werden, um die verheerenden Folgen eines Vulkanausbruches beizeiten erkennen zu können. Das sollte nicht am Geld scheitern.
2. Geld also...
eikfier 20.04.2010
Zitat von sysopDer nächste Ausbruch kommt bestimmt, und Europa ist schlecht vorbereitet. Atmosphärenforscher fordern nun, ein Messnetz für feinste Staubteilchen in der Luft wieder neu zu aktivieren. Es war einst eingemottet worden - aus Geldmangel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,690020,00.html
Finanzierung? Kein Problem! Je ein Drittel: a)vom Staat mit staatl.Flugsicherung, b)vom Fluggast, c) von Fluggesellschaften mit Piloten aufbringen lassen....!
3. Gab es bei den Ausbrüchen vom Ätna auch europaweites Flugverbot?
sichreid, 20.04.2010
Nur mal eine dumme Frage. Der Ätna ist ja auch hin und wieder aktiv. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Etna_eruption_seen_from_the_International_Space_Station.jpg&filetimestamp=20061218151410 Wieso ist da nicht ganz Europa in Panik?
4. einen Titel
Leto_II., 20.04.2010
Zitat von saul7Die Revitalisierung dieses Messnetzes ist längst erfoderlich und sollte umgehend eingerichtet werden, um die verheerenden Folgen eines Vulkanausbruches beizeiten erkennen zu können. Das sollte nicht am Geld scheitern.
Um "verheerende Folgen" eines Vulkanausbruchs zu erkennen, bedarf es wohl kaum eines neuen (oder alten) Messnetzes. Wenn es aber nur um die Mobilität geht, so kann man sicherlich die Kosten des Netzes auf die Kilometer der Mobile umlegen.
5. Weil dort wohl eher Lava fliesst?
gsm900, 20.04.2010
Zitat von sichreidNur mal eine dumme Frage. Der Ätna ist ja auch hin und wieder aktiv. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Etna_eruption_seen_from_the_International_Space_Station.jpg&filetimestamp=20061218151410 Wieso ist da nicht ganz Europa in Panik?
Und der nicht so heftige Eruptionen hat? Der Vesuv wäre wohl schlimmer, der bricht gelegentlich explosiv aus.
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