Steigende Temperaturen Kosten des Klimawandels viel höher als angenommen

Die Anpassungsmaßnahmen an die Erderwärmung werden bis zu dreimal mehr Geld kosten als bisher berechnet, warnen Forscher. In früheren Kalkulationen seien Bereiche wie Energie, Tourismus und Bergbau ausgespart worden. Die Experten rechnen mit jährlichen Kosten von bis zu 500 Milliarden Dollar.

Schornsteine in Melbourne (Archivbild): Kosten des Klimawandels übereilt berechnet
REUTERS

Schornsteine in Melbourne (Archivbild): Kosten des Klimawandels übereilt berechnet


Die exzessive Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl wird die Menschheit noch teuer zu stehen kommen - das wissen Klimaforscher schon länger. Zwischen 40 und 170 Milliarden Dollar pro Jahr werden die Anpassungsmaßnahmen an steigende Temperaturen im Jahr 2030 kosten. So lautet zumindest die offizielle Schätzung des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC). Die große Schwankungsbreite ergibt sich aus den vielen Unsicherheiten, die in die Schätzung der Anpassungsmaßnahmen an Dürren und Überschwemmungen eingeflossen sind. Finanzexperten der EU gehen von globalen Kosten über 100 Milliarden Euro aus.

Nun warnt ein Wissenschaftlerteam, dass die tatsächlichen Kosten des Klimawandels zwei- bis dreimal so groß werden könnten. Martin Parry vom Imperial College London und seine Kollegen haben ihre 116 Seiten umfassende Studie auf der Webseite des International Institute for Environment and Development veröffentlicht.

"Wenn Regierungen mit falschen Zahlen arbeiten, könnten dabei Verträge herauskommen, welche die tatsächlichen Kosten der Anpassung an die Erderwärmung nicht umfassen", sagt Camilla Toulmin, Direktorin des International Institute for Environment and Development. Die Autoren hoffen, dass ihre neuen Schätzungen bei den Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen Berücksichtigung finden, die im Dezember in Kopenhagen stattfinden.

Übereilte Berechnungen?

Nach Angaben der Forscher wurden die UNFCCC-Zahlen zu den Kosten des Klimawandels übereilt berechnet. Das sei in "nur wenigen Wochen" geschehen, sagte Hauptautor Parry. Manche Bereiche seien nur teilweise berücksichtigt worden. Die Autoren der neuen Studie haben nach eigenen Angaben sechs Monaten an ihren Kostenschätzungen gearbeitet.

"Die Kosten werden im Bereich einiger hundert Milliarden Dollar liegen", erklärte Parry. Genauere Angaben seien aber leider derzeit nicht möglich, dazu müssten erst weitere Studien durchgeführt werden. Bei der Uno-Kalkulation seien die Adaptionskosten ganzer Bereiche ausgespart worden, etwa in den Sektoren Energie, Tourismus, Ökosysteme, Verarbeitende Industrie, Logistik und Bergbau.

Der größte Teil der Anpassungskosten betreffe Entwicklungsländer, erklärte Parry: "Niemand hat das bislang geschätzt." Nach seiner Einschätzung könnten zwei Drittel aller Kosten der Erderwärmung in armen Ländern anfallen.

hda

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