Niedersachsen Gärtner gibt an, von Wolf gebissen worden zu sein

Ein Wolf soll einen Mann im niedersächsischen Bülstedt in die Hand gebissen haben. Mit einem DNA-Test wollen Forscher nun klären, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelt.

Wölfe im Wildpark (Symbolbild)
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Wölfe im Wildpark (Symbolbild)


Erstmals hat möglicherweise ein Wolf in Niedersachsen einen Menschen angegriffen und verletzt. Der Vorfall ereignete sich am Dienstagvormittag am Friedhof des Bülstedter Ortsteils Steinfeld, einem Dorf etwa 35 Kilometer nordöstlich von Bremen. Ein Gemeindearbeiter sei nach eigenen Angaben bei der Pflege einer Grünanlage am Friedhof in Steinfeld von einem Wolf in die Hand gebissen worden, teilte die Polizei im Kreis Rotenburg am Mittwoch mit.

Der 55-Jährige hatte nach eigenen Angaben während der Arbeit an dem Zaun am Boden gekniet und mit der Hand nach hinten gefasst. Dabei habe er bemerkt, dass etwas sein Hand festhielt. Als er sich umblickte, habe er den Wolf gesehen, der nach seiner Hand schnappte. Drei weitere Wölfe eines Rudels hätten die Situation mit etwas Abstand beobachtet. Der Mann habe sich befreien und die Wölfe vertreiben können.

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Vorfall befeuert den Konflikt mit Tierschützern

Das Umweltministerium in Hannover bestätigte einen mutmaßlichen Angriff. Wenn die Schilderungen zuträfen, habe damit erstmals in Niedersachsen ein Wolf einen Menschen attackiert. Wie eine Sprecherin des vom Land betriebenen Wolfsbüros sagte, untersuchten zwei Mitarbeiter den gemeldeten Vorfall vor Ort. Der verletzte Arbeiter habe seine Hand verarzten lassen, möglicherweise ließen sich DNA-Spuren sicherstellen, um zu prüfen, ob es sich tatsächlich um den Biss eines Wolfes handelte.

Der Vorfall könnte den Streit um den Schutz der Tiere weiter befeuern. Bis Wölfe vor etwa 150 Jahren durch intensive Jagd ausgerottet wurden, gehörte Deutschland zu ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet. Nun ist er zurückgekehrt. Laut Schätzungen leben etwa 73 Wolfsrudel in Deutschland. Obwohl der Wolf nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt ist, häufen sich unrechtmäßige Tötungen. Weitere Fakten zu Wölfen finden Sie hier.

Auf Skepsis trifft die zunehmende Verbreitung der Tiere vor allem bei Weidetierhaltern, die sich um ihre Herden sorgen. Normalerweise jagen Wölfe vor allem Rehe, Wildschweine und Rothirsche, erlegen aber auch Nutztiere, wenn sich die Gelegenheit bietet. Dies trifft vor allem Schafe und Ziegen. Diese Weidetiere machen zwar nur einen Bruchteil der Ernährung aus, dennoch wurden im Jahr 2016 in Deutschland knapp 300 Übergriffe mit mehr als tausend verletzten Nutztieren gemeldet. Landwirte erhalten eine Entschädigung, wenn ein Wolf ihr Vieh trotz Schutzmaßnahmen getötet hat.

Das Risiko, tatsächlich von einem Wolf angefallen zu werden, ist jedoch extrem gering. In Europa gab es seit 40 Jahren keinen tödlichen Wolfsangriff auf Menschen, sieht man von einer Attacke im Gehege eines schwedischen Zoos ab, bei dem eine Wärterin starb. Seit wieder Wölfe in Deutschland leben, ist kein Zwischenfall dokumentiert, in dem sich eines der Tiere einem Menschen gegenüber aggressiv gezeigt hat.

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koe/dpa/AFP



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