Lichtphänomen Forscher lösen das Rätsel der violetten Himmelsfackeln

Fotos von flimmernden Bändern am Nachthimmel haben Wissenschaftler lange vor ein Rätsel gestellt. Jetzt gibt es eine Erklärung für das Naturschauspiel.

Krista Trinder/ DPA

Von


Nordlichter sind es nicht, was Amateurfotografen hundertfach in den vergangenen drei Jahren in Kanada abgelichtet haben. Nordlichter, auch Polarlichter genannt, entstehen nahe der Pole, wenn Sonnenstürme dort niedergehen.

Das neu entdeckte Phänomen jedoch wird nicht direkt von Sonnenstürmen ausgelöst. Die Leuchterscheinung zeigt sich als schmales violettes Band, das gelegentlich von grünem Flimmern begleitet wird, das an einen himmlischen Lattenzaun erinnert.

Die Lichtbänder leuchten von selbst - anders etwa als Kondensstreifen von Flugzeugen, die Sonnenlicht reflektieren und deshalb zu sehen sind.

"Hey, da ist Steve"

Forscher tauften die Leuchterscheinung "Steve". Der Name sollte eigentlich Ratlosigkeit und Vorläufigkeit unterstreichen, hat sich nun aber etabliert. "Wenn jemand ruft, 'Hey da ist Steve', schauen wir nun alle nach oben", berichtet einer der Fotografen.

Wissenschaftler haben die Fotos der Amateure nun mit Satellitendaten abgeglichen, im Wissenschaftsmagazin "Science Advances" präsentieren sie ihre Erklärung.

Bei "Steve" handele es sich offenbar um Signale eines Phänomens, das bislang als unsichtbar galt, berichten Forscher um Elizabeth MacDonald vom Goddard Space Flight Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

3000 Grad, 300 Kilometer über der Erde

Bei diesem unsichtbaren Phänomen, das "SAID" ("sub-auroral ion drift") heißt, rasen geladene Partikel von Osten nach Westen. "SAID" - das unsichtbare Phänomen - und "Steve" - das sichtbare - treten oft gleichzeitig auf.

ANZEIGE
Axel Bojanowski:
Wetter macht Liebe

Wie Wind und Wolken unsere Gefühle verändern und andere rätselhafte Phänomene der Erde

DVA; 224 Seiten; 14,99 Euro.

Für ihre Erkundungen nutzten die Forscher um Elizabeth MacDonald vom Goddard Space Flight Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa die "Swarm"-Satelliten der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Damit lässt sich die Fließgeschwindigkeit elektrisch geladener Moleküle (Ionen) in der Atmosphäre messen.

Die drei "Swarm"-Satelliten der Esa seien in etwa 300 Kilometern Höhe durch "Steve" hindurch geflogen. Beim Durchflug sei die Temperatur um mehr als 3000 Grad hochgeschossen.

Die "Swarm"-Daten zeigen in den schmalen Bändern der Himmelserscheinung einen starken Ionen-Fluss und eine deutliche Temperaturerhöhung.

Warum ist es erst jetzt aufgefallen?

Die Satelliten hatten ein 25 Kilometer breites Band aus Teilchen gemessen, das mit 20.000 km/h westwärts schoss, während die Luft der Umgebung sich nur mit 36 km/h bewegte.

Dass die Lichter bislang nicht aufgefallen waren, hat wohl eine simple Ursache, meint Eric Donovan von der University of Calgary: Erst seitdem jedermann einen Fotoapparat im Mobiltelefon bei sich trägt, erreichten Forscher stetig Bilder aus dem unbewohnten Norden. Zuvor sei man froh gewesen, vereinzelt die berühmten Nordlichter fotografiert zu haben.

"Das besondere an dieser Geschichte ist für mich, dass erst die Hobbyfotografen mit ihren vielen Fotos die Wissenschaftler auf das Phänomen aufmerksam gemacht haben", sagt Christoph Schaarschmidt, einer der Fotografen, die "Steve" erspäht hatten.

Mittlerweile wurde auch der Name "Steve" mit Bedeutung gefüllt: Er gilt nun als Abkürzung für "Strong Thermal Emission Velocity Enhancement", also etwa: starke Geschwindigkeitserhöhung mit thermischer Abstrahlung.

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.