Stockender Klimagipfel: EU-Politiker fordert Verhandlungen ohne Uno
Seit knapp 20 Jahren versucht die Weltgemeinschaft auf einer Uno-Konferenz nach der anderen, einen Klimavertrag auszuhandeln - bisher ohne Erfolg. Jetzt erwägen Experten, ohne die Vereinten Nationen ans Ziel zu kommen.
Hamburg - Der EU-Chefunterhändler auf dem Klimagipfel in Durban, Artur Runge-Metzger, hat Klimaverhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen in Frage gestellt. Für den Fall, dass die derzeitigen Verhandlungen scheitern sollten, müsse man sich fragen, ob internationale Klimaverhandlungen "nicht in einem kleineren Szenario mit weniger Staaten" wie den G20 stattfinden sollten, sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk. Auch andere Experten denken darüber nach. Allerdings erscheint derzeit zweifelhaft, dass sich im G-20-Rahmen eine Einigung erzielen ließe: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) äußerte im SPIEGEL wenig Hoffnung, dass die großen Industrieländer in Durban einen gemeinsamen Nenner finden könnten.
Für den Gipfel in Südafrika wäre es schon ein riesiger Erfolg, wenn das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verlängert würde und Nicht-Kyoto-Mitgliedstaaten wie die USA sich verpflichteten, Verhandlungen für ein neues globales Abkommen aufzunehmen. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard plant einen neuen Fahrplan für einen Klimavertrag, wie sie im SPIEGEL-ONLINE-Interview erläuterte.
Zum Beginn des Weltklimagipfels in Durban hatte der südafrikanische Präsident Jacob Zuma am Montag vor den sozialen und politischen Folgen des Klimawandels gewarnt. In Afrika verursache die Klimaerwärmung bereits Leid und Konflikte, spekulierte Zuma in seiner Eröffnungsrede. Wie sich extremes Wetter im Zuge des Klimawandels entwickeln wird, ist noch nicht genau bekannt. Als sicher gilt aber, dass Hitzewellen und Starkregen zunehmen werden, wie der jüngste Uno-Klimareport feststellte.
"Alles scheint unmöglich"
Präsident Zuma forderte die Delegierten aus 191 Staaten und der EU auf, jenseits ihrer nationalen Interessen nach Lösungen zu suchen. "Veränderungen und Lösungen sind immer möglich. In den Gesprächen müssen die Parteien über ihre nationalen Interessen hinausblicken, um eine globale Lösung für das Allgemeinwohl und zum Nutzen der Menschheit zu finden", sagte Zuma.
Bei der zweiwöchigen Konferenz soll vor allem eine Einigung über die Senkung von Treibhausgasemissionen erzielt werden. Zur Debatte steht ein rechtlich verbindliches Abkommen, das das Kyoto-Protokoll ablösen soll. Ein Großteil der Industrienationen hat seine Zustimmung zu einem solchen Vertrag von der Bereitschaft von Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien abhängig gemacht.
Uno-Klimachefin Christiana Figueres nannte die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen "das maßgebliche Thema dieser Konferenz". Das sei zwar eine große Herausforderung. "Alles scheint unmöglich, bis es getan wird", zitierte sie jedoch auch den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela.
Für einen wirksamen Klimaschutz müssen sich nach Ansicht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen "alle großen Verschmutzer" daran beteiligen. "Leider sind die USA, China, Indien und andere Schwellenländer aus politischen oder ökonomischen Gründen dazu nicht oder noch nicht bereit", sagte der CDU-Politiker am Montag in Berlin. Er will vom 5. Dezember an am Weltklimagipfel teilnehmen.
boj/dapd
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