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Störche im Winterquartier: Müllhalde statt Afrika

Störche auf der Müllkippe: Zugvögel sparen Energie Fotos
DPA

Viele Störche fliegen im Winter nicht mehr weit nach Afrika hinein. Sie futtern sich lieber auf spanischen Müllkippen durch. Forscher fürchten Langzeitfolgen - zum Beispiel bei Heuschreckenplagen.

Jeden Sommer brüten in Deutschland normalerweise etwa 6100 Storchenpaare, im vergangen Jahr dürften es weniger gewesen sein. (Lesen Sie hier etwas über die Hintergründe) Im Winter fliegen die Tiere in den warmen Süden. Doch immer mehr scheuen den langen Trip. Der Nabu berichtet von mehr als 200 überwinternden Störchen, allein in Bayern.

Tiere, die es zumindest etwas weiter in den Süden schaffen, bleiben aber auch immer öfter auf der Strecke hängen: auf Abfallbergen in Spanien oder Marokko. Das berichten Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Kollegen im Fachblatt "Science Advances" . Mit den Zwischenstopps auf Müllkippen sparten sich die Tiere viel Energie, so die Vogelkundler.

Sie hatten für ihre Studie das Flugverhalten von 70 jungen Weißstörchen aus unterschiedlichen Ländern beobachtet. Es sei darum gegangen, wie viel Energie die Tiere brauchen, so Verhaltensforscherin Andrea Flack. Das Ergebnis: Die Vögel auf den Müllhalden verausgaben sich weniger als weitreisende Artgenossen, leben aber nicht unbedingt länger.

Die Forscher legten den Weißstörchen aus acht Populationen GPS-Sender mit Beschleunigungsmessern an. Sie beobachteten die Tiere dann auf den ersten fünf Monaten ihrer Reise.

Konkurrenz im Winterquartier

Zugvögel etwa aus Russland oder Polen verbrauchen auf der Tausende Kilometer langen Ostroute in den Süden Afrikas viel Energie. Ihre Artgenossen etwa aus Süddeutschland, die im Herbst eigentlich über die sogenannte Westroute in den tiefen Süden ziehen, sparen sich hingegen immer häufiger den Weg und überwintern auf spanischen Mülldeponien.

Die Tiere finden dort reichlich Futter wie Fleisch- und Fischreste. "Auf den Müllhalden müssen sie nicht nach Nahrung suchen, in den natürlichen Habitaten in Afrika ist die Nahrungssuche aufwendiger", sagte Flack - auch weil der Weißstorch dort auf einem vergleichsweise kleinen Gebiet in Konkurrenz mit anderen Vögeln wie dem Nimmersatt oder dem Sattelstorch steht.

Das geänderte Verhalten der Wandervögel könnte sich auf Ökosysteme in Afrika auswirken, vermuten die Vogelkundler. "Wir wissen nicht, was das für Langzeitfolgen hat", sagt Forscherin Flack. Die Wandertiere könnten etwa nützlich sein bei der Bekämpfung von Heuschreckenplagen.

Und trotz aller Energie lebten die Störche, die Müllkippen nutzen, nicht zwangsläufig länger: Verletzungen und Krankheiten drohten auf den Deponien, sagt Flack: "Die Gefahr ist groß, dass man was Falsches frisst."

Hässliches Entlein, schöner Schwan

chs/dpa

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