Störche in Deutschland Schlechtes Wetter, leere Nester

Den Störchen in Deutschland droht diesen Sommer Nachwuchsmangel, viele haben erst gar nicht angefangen zu brüten. Schlechtes Wetter auf den Zugrouten und die trockenen Frühlingmonate machen den Tieren zu schaffen.

DPA

In vielen Storchennestern tummelt sich in diesem Jahr deutlich weniger Nachwuchs als in den vergangen Jahren. "Gerade in Ostdeutschland ist der Bruterfolg relativ schlecht", sagt Storch-Experte Kai-Michael Thomsen vom Naturschutzbund Deutschland. Ein Grund sei die späte Heimkehr vieler ostdeutscher Störche aus ihrem Winterquartier, das Wetter unterwegs war zu schlecht.

"Viele sind erst im Mai zurückgekommen und haben dann gar nicht erst mit der Brut angefangen", sagt Thomsen. Auch die Trockenheit habe eine Rolle gespielt und das Nahrungsangebot verkleinert. In den westlichen Bundesländern seien die Störche zwar rechtzeitig eingetroffen, aber auch dort sei die Anzahl der Jungen wegen der Trockenheit niedriger als in anderen Jahren.

"Beim Bruterfolg werden wir ein unterdurchschnittliches Jahr haben", sagt Thomsen. Genaue Zahlen müssten aber erst noch zusammengetragen werden. Anfang 2016 ließen sich dann konkretere Aussagen treffen.

Ausnahme Spreewald und Elbtalaue

Jahre mit wenig Nachwuchs seien nicht ungewöhnlich, so der Biologe. Auch 2005 und 2009 seien wegen der späten Heimkehr relativ wenig Jungstörche zur Welt gekommen. "Das wird im Allgemeinen durch gute Jahre wieder ausgeglichen."

2014 war ein solches. Deutschlandweit gab es im vergangenen Jahr etwa 6150 Storchenpaare, davon die meisten in Brandenburg - rund 1400. Seit 2010 war die Zahl stets gestiegen.

Damit der Bestand stabil bleibe, seien zwei Jungstörche pro Brutpaar nötig, berichtet Thomsen. In den meisten Teilen Deutschlands erreichen die Störche das in diesem Jahr nach Angaben des Experten aber nicht. Möglich sei die Quote höchstens in für Störche günstigen Gebieten in Ostdeutschland wie etwa der Elbtalaue und im Spreewald.

Zahl der Störche in Ostdeutschland sinkt

Störche ziehen auf zwei Routen von Deutschland Richtung Süden. Vögel aus westlichen Regionen bleiben zum Überwintern oft in Spanien und Portugal. Störche aus den östlichen Gebieten fliegen nach Afrika.

Auf ihrem erheblich längeren Weg sind ostdeutsche Störche deutlich mehr Gefahren ausgesetzt. Wegen der besseren Überwinterungsbedingungen steigt der Bestand der Störche in Westdeutschland seit Jahren, im Osten ist er laut Thomsen rückläufig. "Die meisten Sorgen bereitet uns Mecklenburg-Vorpommern", so der Experte. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft werde dort der Lebensraum immer kleiner.

jme/dpa



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
uztr 28.07.2015
1. Wirklich?
Also im Rhein-Neckar-Raum gibt es viele Jungstörche, die Anzahl der Störche ist in den letzten Jahren stark gestiegen, so dass es schon fast eine Storchenplage ist.
volker.rachui 28.07.2015
2. Störche im Spreewald
Es muss doch wohl jemanden geben, der dafür sorgt, dass die Schreckensmeldungen nicht versiegen. Wir haben uns grad an den Störchen im Spreewald erfreut. Die Störche werden schon wissen, was richtig ist für die eigene Art. Die Natur braucht uns nicht...allerdings könnten wir, da es uns ja gut geht, ruhig mehr Kinder in die Welt setzen. Es gibt genug zu essen!
kopp 28.07.2015
3. In Röttenbach (Erlangen-Höchstadt) haben die ...
... Störche den Flug nach Süden eingestellt. Man kann ihr Brutgeschäft live über eine Webcam beobachten. Allerdings 'brüten' die nun schon seit April 2015 ohne Erfolg vier Eier aus. Die Brutzeit beträgt normaler Weise bei Stötchen ca. 33 Tage. Ein Drama.
jmat17 28.07.2015
4. Plage
Zitat von uztrAlso im Rhein-Neckar-Raum gibt es viele Jungstörche, die Anzahl der Störche ist in den letzten Jahren stark gestiegen, so dass es schon fast eine Storchenplage ist.
Wieso, halten die Störche die Nachtruhe nicht ein?
neanderspezi 28.07.2015
5. Ressourcenknappheit trifft eben zunächst einmal die nicht domestizierte Fauna
Man kann der Storchenpopulation durch Ausbringung von Schlachtabfällen bei der Aufzucht ihrer Brut durchaus helfen, um eventuell dem Mangel an ausreichend Nahrung wegen Trockenheit und damit rückläufigen Populationen an Reptilien und Lurchen entgegenzuwirken, die kleinen Nager auf dem Speisezettel haben dann schon ohnehin viele Fressfeinde zu bedienen. Dies ist zwar bekannt, aber die Gemeinden die ihren Klapperstorch gern auf den präparierten Nistplätzen schon als touristische Attraktion brüten sehen würden, scheinen sich neuerdings gegen Fütterungsplätze in ihrer Umgebung auszusprechen, denn so etwas scheint den feinen Wahrnehmungsorganen der Bürger konträr entgegenzustehen. Nun gilt allerdings für Störche und andere Liebhaber fleischlicher Atzung, ohne Futter kein Nachwuchs. Würde der Mensch die Ressourcen der Natur durch vielfache Begradigungen, Trockenlegungen und eifrig praktizierte Monokulturen nicht vorwiegend für sich nutzen, würde für Störche und Kommanditisten durchaus genügend Habhaftes zu finden sein.
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