Hamburg - Die Sinfonie der Tiere folgt einer klaren Ordnung: Vor Morgengrauen eröffnen die Insekten das Konzert. Dann setzen Amphibien und Reptilien ein. Früh morgens schließen sich die Vögel an. Schließlich, wenn der Tag schon angebrochen ist, runden Säugetiere das Klangerlebnis ab. Für den Musiker Bernie Krause ist die Abfolge kein Zufall. "Die Tiere setzen genau in der Reihenfolge ein, wie sie auf der Zeitleiste der Evolution entstanden sind."
Für Krause hat die Natur erstaunliche Klänge zu bieten. Er ist um die Welt gereist und hat in verschiedenste Lebensräume hineingehorcht - von Alaska bis Fidschi. Er zeichnete die Geräusche winziger Ameisen und riesiger Wale auf. Heute muss er feststellen, dass die Natur allmählich verstummt und viele seiner Aufnahmen vielleicht nicht mehr zu reproduzieren sind.
Krause ist Gitarrist und steuerte ab den siebziger Jahren seine elektronische Musik sowie Naturaufnahmen zu Filmen wie Apokalypse Now bei und arbeitete mit Bob Dylan, George Harrison und The Byrds zusammen. In 40 Jahren sammelte er die Laute von etwa 15.000 Arten auf etwa 4500 Stunden Aufnahmematerial. Seine Erlebnisse schildert er in seinem Buch "The Great Animal Orchestra".
Im Sommer 1988 nahm er zweimal die Geräuschkulisse einer Wiese vor einem kalifornischen Bergwald auf. Zunächst säumten Kiefern, Tannen und riesige Mammutbäume die von einem Bach geteilte Wiese. Zu hören ist ein Ensemble von Bergwachteln, drei verschiedenen Sperlingsvögeln, Rubingoldhähnchen, einem Spechtvogel namens Kiefernsaftlecker und zahlreichen Insekten.
Auch die Klänge der Unterwasserwelt hat Krause mit speziellen Mikrophonen, sogenannten Hydrophonen, aufgenommen. Er fand ein langgezogenes Korallenriff vor den Fidschi-Inseln im Pazifik, das teilweise mit Leben gefüllt und an anderer Stelle nahezu tot war. An der lebendigen Stelle sind bizarre Klickgeräusche von diversen Krebstieren und Fischen sowie das tiefe Grollen der Oberflächenwellen zu hören.
Dass die Gesänge und Geräusche der Tiere eine mitunter lebenswichtige Funktion haben, zeigt das Beispiel des New-Mexico-Schaufelfußes, einer kleinen Krötenart.
Doch es gibt sie noch, die unberührten Naturparadiese: abgelegene Gegenden Alaskas und Kanadas, die Pampas von Argentinien und Uruguay, die Feuchtgebiete Brasiliens sowie geschützte Regionen in Papua-Neuguinea. Hier kann man das Orchester der Natur noch ohne menschliches Hintergrundrauschen erleben.
Die deutschsprachige Version von "The Great Animal Orchestra" erscheint im August 2013 im Kunstmann-Verlag.
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