Neues aus der Geoforschung Erdbebenwarnung, Strahlenfontäne, weniger Stürme

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2. Teil: Strahlungssturm im Mittelalter


Nordlichter in Lappland: "Rotes Kreuz am Himmel"
DDP

Nordlichter in Lappland: "Rotes Kreuz am Himmel"

Im Jahr 774 passierte Unheimliches. Historische Quellen in Großbritannien schreiben, dass Schlangen "zum Erstaunen aller" aus dem Boden gesprungen seien, während der Nachthimmel gespenstisch geleuchtet habe. Womöglich traf ein Strahlungssturm die Erde: Jahresringe von Bäumen aus dieser Zeit enthalten 20-mal mehr radioaktive Kohlenstoffatome (C14) als normal. C14 entsteht in der Luft, wenn kosmische Strahlung die Erde trifft.

Doch was genau passierte 774, wie lässt sich die Radioaktivitäts-Katastrophe erklären? Möglicherweise sei damals ein gewaltiger Sonnensturm eingeschlagen, meinen Astrophysiker.

Liefert ein Student nun die Lösung des Rätsels? Bei einer Internetrecherche mit Google sei er auf ein Dokument der Angel-Sachsen aus jenem Jahr gestoßen, das er in der Online-Bibliothek der Yale University im US-Staat Connecticut gefunden habe, schreibt er im Wissenschaftsmagazin "Nature". In dem Dokument berichten die Vorfahren der Briten von einem roten Kreuz, das 774 am Nachthimmel geleuchtet habe.

Möglicherweise bestätige der Eintrag die Theorie, wonach ein astronomisches Ereignis für den Strahlungsschub gesorgt hatte, meint Geza Gyuk, Astronom am Chicago-Planetarium in Illinois: Eine Supernova, also eine riesige Sternenexplosion, wäre eine mögliche Strahlungsquelle.

Eigentlich, so meinten Forscher bislang, müssten die Reste des sterbenden Sterns aber noch lange am Himmel geglommen haben - wofür es keine Zeugnisse gibt. Vielleicht sei das Objekt ja hinter der Sonne verschwunden, weshalb es nicht mehr sichtbar war, meint Gyuk.

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