Weitreichende Wirkung Straßenlaternen verändern Tierwelt am Boden

Wo nachts eine Straßenlaterne leuchtet, krabbeln auch tagsüber andere Kleintiere herum, zeigt eine Untersuchung in Großbritannien. Der Effekt auf Spinnen, Käfer, Ameisen und andere Arten überraschte die Forscher - sie mahnen nun weitere Studien an.

Erleuchtetes Berlin: Nachtlicht beeinflusst Kleintier-Fauna am Boden
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Erleuchtetes Berlin: Nachtlicht beeinflusst Kleintier-Fauna am Boden


Das Licht der Straßenlampen lockt nicht nur Millionen fliegender Insekten ins Verderben, es verändert auch das Leben der Kleintiere am Boden. Das Ökosystem der Käfer, Spinnen und Milben am Boden wird durch das nächtliche Licht beeinflusst, und das nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag, wie Forscher im Wissenschaftsmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society berichten.

Thomas Davies und zwei seiner Kollegen von der University of Exeter in Großbritannien hatte 28 Bodenfallen in einem mit Gras bewachsenen Straßenrandstreifen in Cornwall eingegraben, und zwar jeweils unter den typischen gelben Natriumdampflampen und genau in der Mitte zwischen zwei Leuchten. Diese leerten sie drei Tage lang jeweils am Morgen und am Abend. Die Sammlung ergab, dass sich die Arten unter den 35 Meter voneinander entfernten Lichtquellen anders zusammensetzten als die in den Fallen dazwischen: Unter den Lampen gab es deutlich mehr Laufkäfer, Weberknechte, Ameisen und bestimmte Spinnenarten. Insgesamt fingen die Forscher 1194 Insekten und andere Kleintiere ein, die zu 60 verschiedenen biologischen Gruppen gehörten.

Nach ihrer ökologischen Stellung betrachtet, waren insgesamt Räuber und Aasfresser im Licht deutlich stärker vertreten als die anderen Tiere. Besonders interessant sei, dass sich diese Unterschiede auch während des Tages fanden - sie beruhten also nicht nur darauf, dass das Licht nachts die Tiere anlockt. Stattdessen zeigt sich, dass die Insektengesellschaft am Straßenrand durch das Nachtlicht dauerhaft beeinflusst wird.

Auch wenn diese Veränderung auf den ersten Blick nicht besonders dramatisch zu sein scheint, macht sie den Wissenschaftlern doch Sorgen. Zwar sei bereits bekannt gewesen, dass künstliches Licht das Verhalten von Tieren ebenso wie ihren Tagesrhythmus verändern kann. Dass sich der Einfluss jedoch bis in die Zusammensetzung der Bodenfauna erstreckt, sei eine neue Erkenntnis. Ob diese Veränderungen die Funktion des Ökosystems beeinflussen, müsse jetzt untersucht werden, mahnen die Forscher.

Der Effekt von Straßenlicht auf das Verhalten von fliegenden Insekten, die Paarungs- und Überlebensrate verschiedener Tiergruppen und etwa das Jagdverhalten von Fledermäusen ist bereits nachgewiesen worden. Dies sei aber das erste Mal, dass ein wenn auch kleinräumiger Effekt auf die Zusammensetzung einer ganzen Tiergemeinschaft gefunden wurde, betont Davies.

wbr/dapd/dpa



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