Streit um Fangquoten Europäische Union knickt vor Fischern ein

Der Plan war ehrgeizig, der Druck der Mittelmeer-Anrainer aber zu groß: Die Europäische Union rudert beim Rettungsversuch für den bedrohten Roten Thunfisch zurück. Jetzt bestimmen nicht nur wissenschaftliche Daten die Fangquoten - auch die Interessen der Fischer werden berücksichtigt.

AFP

Eine internationale Kommission aus 48 Staaten berät derzeit in Paris über das Schicksal des Roten Thunfischs. Vor allem der Sushi-Kult hat die Art an den Rand der Ausrottung getrieben. Besonders in Japan ist die Massennachfrage weiter ungebrochen.

Zwar hatte die EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki vor kurzem ein sofortiges Fangverbot verhängt, weil die Bestände im Atlantik und im Mittelmeer extrem überfischt sind. Große europäische Fangschiffe mussten die Jagd einstellen, weil diese bereits ihre Jahresquote gefangen hatten, doch künftig werden die Fangquoten vermutlich wieder ansteigen.

Unter dem Druck Frankreichs, Spaniens und anderer Mittelmeer-Anrainer hat die EU nämlich ihren ehrgeizigen Plan zur Rettung des bedrohten Blauflossen-Thunfischs, wie der Rote Thun auch heißt, jetzt abgeschwächt. Die Verhandlungen dazu waren zäh und langwierig - am Ende kam es aber zu einer Entscheidung, die für Umweltschützer eine bittere Niederlage ist: Künftig sollen nicht nur wissenschaftliche Empfehlungen, sondern auch die Interessen der Fischer bei der Festlegung der Fangquoten berücksichtigt werden.

Am Mittwoch hatten die Beratungen der 48 Delegationen begonnen, dauern sollen sie noch bis zum 27. November. Einige Umweltschützer wollen eine drastische Kürzung der Fangquote erreichen, andere wollen den Fang sogar komplett verbieten. Besonders im Mittelmeer seien Betrug und illegale Fangmethoden an der Tagesordnung.

Schon längst fürchten Umweltschützer, darunter auch der Naturschutzverband WWF, dass der Rote Thun ohne strenge Schutzmaßnahmen bald aussterben wird. Der Bestand im östlichen Atlantik und Mittelmeer ist zwischen 1997 und 2007 um 60 Prozent zurückgegangen.

Eine konkrete Fangquote erhielt die am Donnerstag veröffentlichte EU-Erklärung noch nicht. Aus EU-Kreisen hieß es, man strebe eine kleine Verringerung der derzeitigen Mittelmeerquote von 13.500 Tonnen an. Im März hatten Japan und andere asiatische Staaten einen Versuch blockiert, den Blauflossen-Thunfisch zur gefährdeten Art zu erklären. Damit wäre der internationale Handel mit dem Fisch verboten worden.

cib/dapd

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insgesamt 21 Beiträge
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Samtiger 19.11.2010
1. Wenn die Interessen der Fischer
wirklich berücksichtigt würden, müssten die Fangquoten sofort und deutlich reduziert werden. Aber in Wirklichkeit geht es um die Interessen der fischverarbeitenden Industrie. aber sogar in denen Interesse müssten die Quoten gesenkt werden und ein nachhaltiges und dauerhaftes Wirtschaften zu erlauben. Also geht es ausschließlich um den kurzfristigen Profit einiger 'Investoren'.
Mr. Comment 19.11.2010
2. ...
Ich frage mich nur, was die dummen Fischer davon haben, wenn es in ein paar Jahren KEINEN Thunfisch mehr gibt. "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher." (A. Einstein zugeschrieben)
Celegorm 19.11.2010
3. ...
Man muss wohl naiv sein, wenn man das als Überraschung betrachten würde. Der Vorgang bleibt aber so lächerlich wie die Formulierung der Schlussfolgerung. Denn die wissenschaftlichen Empfehlungen berücksichtigen ja eigentlich bereits die gesellschaftliche-ökonomische Perspektive und damit langfristig auch die Interessen der Fischer. Was hier hingegen als solche verkauft wird ist letztlich mehr die Ignoranz einiger Individuen, ein klassischer Fall von Leuten, die im Prinzip vor sich selbst geschützt werden müssten.
Regulisssima 19.11.2010
4. Nicht die Fischer sind es !
Die Industrie bekommt (von der EU !)Subventionen, um immer grössere und leistungsfähigere Fangflotten anbieten zu können. Die Fischer bekommen Subventionen, um immer teurere Boote kaufen zu können. Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssen sie damit immer weiter hinausfahren. Die EU-Bürokraten (die dafür von der Industrie "subventioniert" werden) tragen für dieses Umweltdesater die alleinige Verantwortung !
viceman 19.11.2010
5. wann merkt die menschheit denn endlich,
Zitat von sysopDer Plan war ehrgeizig, der Druck der Mittelmeer-Anrainer aber zu groß: Die Europäische Union rudert beim Rettungsversuch für den bedrohten Roten Thunfischs zurück. Jetzt bestimmen nicht nur wissenschaftliche Daten die Fangquoten - auch die Interessen der Fischer werden berücksichtigt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,730029,00.html
daß man gelscheine nicht essen kann? ein beweis mehr dafür, daß es keine hoffnung, keine vernunft, keine macht gibt, die in der lage wäre profitgier, kurzsichtige gewinninteressen usw. in die schranken zu weisen!
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