Neues aus der Geoforschung: Prise Asche verursachte Flugchaos, Streit um Hitzewelle, See läuft aus
2. Teil: Heiße Debatte um die Hitze
Seit Wochen leiden Zigmillionen Menschen in den USA unter extremer Hitze. Vor allem Staaten im Landesinneren sind betroffen. Waldbrände wüten, Wasser wird knapp, Ernte verdorrt. Die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA hat nun berechnet, dass es sich um die fünftschwerste Dürre in den USA der letzten hundert Jahre handelt.
Bereits mehr als die Hälfte des Landes erlebte dieses Jahr eine Dürre. Am schlimmsten war es aber im Juli 1934, als die sogenannte Dust Bowl ("Staubschüssel") Nordamerika austrocknete. Damals waren vier Fünftel des Landes monatelang von schwerer Trockenheit betroffen. Sowohl in den dreißiger Jahren, als auch in den Fünfzigern gab es gleich mehrere Dürrejahre hintereinander. Eine solche Häufung gibt es derzeit nicht; im Sommer 2011 fiel ausgesprochen viel Regen.
Doch am schlimmsten war es im Mittelalter: Die Analyse von Jahresringen alter Bäume zeigt gar, dass Nordamerika im elften, zwölften und 13. Jahrhundert von Dürrephasen getroffen wurde, die jeweils zehn bis 20 Jahre dauerten.
Das unwirtliche Wetter hat die Debatte um den Klimawandel angeheizt: Forscher diskutieren die Frage, ob die Dürre eine Folge der Erderwärmung ist. Dabei zeigt sich abermals, dass es beim Thema Klima oft eher auf die eigene Haltung als auf Fakten ankommt: Viele Experten in den USA interpretieren die Hitzwelle gemäß ihrer bisherigen Meinung - Warner warnen, Skeptiker beschwichtigen. Die Bevölkerung bleibt verwirrt zurück. Wie ist die Hitzewelle zu erklären?
Anhörung im Kongress
Das Problem fängt bereits bei der Definition der Wetterlage an: Hitze allein macht noch keine Trockenheit. Für eine Dürre bedarf es langer Phasen ohne Regen und ausgetrockneten Boden. Der Uno-Klimarat (IPCC) hat in seinem aktuellen Bericht festgestellt, dass Hitzewellen in den USA mit Ausnahme des Südwestens "kürzer, seltener und schwächer" geworden sind.
Als aber nun der US-Kongress den Klimaforscher Christopher Field von der Stanford University, einen Leitautor des Uno-Klimarates, über die wissenschaftlichen Hintergründe der aktuellen Dürre befragte, unterschlug Field diesen Tatbestand: In Südeuropa und Westafrika seien Dürreperioden länger und häufiger, in "anderen Regionen" hingegen seien sie feuchter geworden, sagte Field. Die Auslassung zeige, dass Klimaforschung mittlerweile "vollständig politisiert" sei, kritisiert der Umweltforscher Roger Pielke Junior von der University of Colorado.
Der neueste Spezialbericht der Uno zum Extremwetter, der vor einigen Monaten veröffentlicht wurde, hält allerdings schlechte Nachrichten bereit: Die rasante Zunahme von Treibhausgasen werde die Welt weiter aufheizen; extreme Hitzewellen würden damit häufiger, auch im Zentrum der USA.
In diesem Sommer indes wirkt sich nach Ansicht der Meteorologen vor allem das Klimaphänomen La Niña aus: Der Pazifik vor Amerika hatte sich abgekühlt, weniger Wasser verdunstete - der Regen blieb aus. Doch der US-Wetterdienst NOAA sieht auch mögliche Auswirkungen der Erderwärmung: Höhere Temperaturen hätten in manchen Staaten wie Colorado dafür gesorgt, dass im Winter und Frühling weniger Feuchtigkeit im Boden blieb - das Wasser fehle nun.
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- Ob Klimawechsel, Rohstoffkrisen, Meerestiefen, oder die vermeintlich feste Erde - Geoforschung bewegt die Welt. Hier berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und Diplom-Geologe Axel Bojanowski über interessante neue Erkenntnisse und Debatten abseits der prominenten Nachrichten - kurz und klar und kritisch.
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