Neues aus der Geoforschung Prise Asche verursachte Flugchaos, Streit um Hitzewelle, See läuft aus

Ein Vulkanausbruch in Island im April 2010 legte den Flugverkehr lahm. Nun stellt sich heraus: Nur zehn Schwimmbecken voll Asche erreichten den Kontinent. Außerdem im Überblick zur Geoforschung: Heiße Debatte um die Hitze, Rätsel um Zwillingsbeben in Iran - und ein See ist ausgelaufen.

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Ausbruch des Eyjafjallajokull Mitte April 2010: Asche in Triebwerken
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Ausbruch des Eyjafjallajokull Mitte April 2010: Asche in Triebwerken

Hamburg - Im April 2010 trieb Westwind die Asche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull nach Europa. Die Wolke legte tagelang den Flugverkehr über dem Kontinent lahm; ein bislang einmaliges Ereignis. Nun wird bekannt, dass erstaunlich wenig Asche genügte, um das Chaos zu verursachen.

Nur zehn Olympia-Schwimmbecken voll Asche hätten Europa damals erreicht, berichten Forscher um Magnús Gudmundsson von der University of Iceland in Reykjavík in einem Report des Wissenschaftsmagazins "Nature". "Diese dünne Wolke konnte ein Flugverbot heraufbeschwören, weil Flugzeuge extrem viel Luft ansaugen und sich die Asche in den Triebwerken ansammelt", erläutert John Stevenson von der University of Edinburgh in Schottland, ein Mitautor der Studie.

Die meisten Partikel des Eyjafjallajökull waren im April 2010 so winzig wie Rote Blutkörperchen. Ab zwei Tausendstel Gramm pro Kubikmeter Luft gilt Flugverbot. Bereits ein Teelöffel der Teilchen - sie schmelzen in Triebwerken - kann Schäden verursachen.

Insgesamt habe der Eyjafjallajökull damals 480 Millionen Tonnen Material ausgestoßen, schreiben die Forscher. Die Menge hätte 40.000 Olympia-Schwimmbecken von London füllen können. Jenseits von 600 Kilometer von Island gelangten der Studie zufolge etwa tausend dieser Beckenfüllungen voll Asche.

Ihre Schätzungen leiten die Geologen aus den Analysen der Asche am Boden, Satellitenbildern, Wetterdaten und Computersimulationen ab. Die Rechnungen sollen die Abschätzung künftiger Vulkanausbrüche erleichtern. Die Aschewolken-Krisen von 2010 und 2011 hatten gezeigt, dass Flugverbote an manchen Tagen bei besserer Kenntnis der ausgestoßenen Aschemenge nicht hätten ausgesprochen werden müssen.

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