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Angebliche Panikmache: Führender Forscher verlässt Spitze des Welt-Klimarats

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Professor Richard Tol, University of Sussex: "Das ist eine verpasste Gelegenheit" Zur Großansicht

Professor Richard Tol, University of Sussex: "Das ist eine verpasste Gelegenheit"

Der Streit um den Uno-Klimabericht eskaliert: Der renommierte Umweltökonom Richard Tol tritt aus Protest gegen Formulierungen im neuen Welt-Klimareport zurück. Der Report drifte in Richtung Alarmismus, moniert er empört. Ein Kollege macht ihm Vorwürfe.

Hamburg - Im japanischen Yokohama verhandeln Wissenschaftler und Politiker über die letzte Fassung des Welt-Klimareports, dessen zweiter Teil am Montag veröffentlicht werden soll. Nun gibt es Streit. Der renommierte Umweltökonom Richard Tol von der University of Sussex in Großbritannien scheidet aus der Gruppe aus, die den Klimareport zusammenfassen soll, unter Protest: Er trete als Autor der Zusammenfassung des Klimaberichts zurück, bestätigt Tol gegenüber SPIEGEL ONLINE. Das Resümee des Uno-Berichts "driftet Richtung Alarmismus", meint der Forscher.

Der zweite Teil des Uno-Klimareports soll das Wissen über die zu erwartenden Folgen der Erderwärmung darlegen. Die gut 30-seitige Zusammenfassung ist besonders umstritten; in Yokohama ringen die Delegierten des Uno-Klimarats IPCC derzeit um jedes Wort. Im Fokus stehen die wirtschaftlichen Folgen des erwarteten Klimawandels. Entscheidende Formulierungen aus dem Entwurf des Reports seien für die Schlussfassung getilgt worden, moniert Tol.

Der Entwurf des IPCC-Berichts habe beispielsweise konstatiert, Klimarisiken könnten mit Anpassungsmaßnahmen "gemanagt" werden, es bedürfe allerdings erheblicher gesellschaftlicher Anstrengung. "Diese Feststellung ist verschwunden im Berichtsentwurf, zugunsten der apokalyptischen Reiter", sagt Tol.

"Dämliches Statement"

Ein "dämliches Statement" im Report sei die Feststellung, dass Menschen in Kriegsgebieten besonders durch den Klimawandel gefährdet seien. "Ich schätze aber, dass Leute in Syrien Chemiewaffen mehr fürchten als die Erwärmung", sagt Tol.

Ein anderer IPCC-Mann kritisiert den Rücktritt: Tols Kritik sei zu spät gekommen, erst nach dem Begutachtungsprozess, erklärt Bob Ward vom Grantham Research Institute on Climate Change, ein Gutachter des IPCC-Reports, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Tol habe zudem positive Folgen einer Erwärmung belegen wollen, dabei aber Risiken ignoriert. Tol widerspricht: Material sei nicht zu spät eingereicht, sondern lediglich von einem Kapitel ins andere verlagert worden. Alle Risiken seien berücksichtigt.

Beide streiten seit Jahren um die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Ward neigt zu pessimistischen Szenarien, etwa dem sogenannten Stern-Report des britischen Regierungsberaters Nicholas Stern von 2006, der mutmaßte, der Klimawandel könne ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung auffressen. Tol hat die Annahmen immer wieder kritisiert.

Im geheimen Entwurf des neuen Uno-Klimareports, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, sind die Prognosen deutlich vorsichtiger. In der Zusammenfassung des Klimareports jedoch werden nach Ansicht Tols weiterhin zu hohe Risiken betont. "Das ist eine verpasste Gelegenheit", sagt Tol.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 228 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nach dem Oszonloch..
servius 26.03.2014
.. dem Waldsterben, nach BSE können sich die Journalisten so allmählich ne neue Sau suchen die man mit viel gequike durchs Dorf treibt.Das ganze wird sich als ein furchtbar übertriebenes Hirngespinst herausstellen. Denkmale für unkoordiniertes und voreiliges Handeln stehen dann in Deutschaln in Scharen umher, drehen ihre Flügel , kosten ein Saugeld, und keiner Weiß wie es weiter geht. Aber keine Bange. Angie weiss zwar nicht WIE es weiter geht. Aber sie MACHR einfach weiter. #
2. Glueckwunsch
chwe 26.03.2014
Jemand mit Rueckgrad der fuer seine Ueberzeugungen seine Karriere Riskiert und sich traut gegen den Mainstream zu schwimmen. Bitte mehr davon. Davon lebt die Wissenschaft.
3.
Pixopax 26.03.2014
Letztens stand die eine Vorhersage in unserer Zeitung, dass die Nasa bereits herausgefunden hat, dass die Menschen dem Untergang geweiht sind. Ist auch schwer vorherzusagen, irgendwann ist die Sonne aus. ".. Klimarisiken könnten mit Anpassungsmaßnahmen "gemanagt" werden" So sehe ich das auch. Die Holländer wären schon längst unter Wasser wenn sie keine Deiche gebaut hätten. Und was ist? Es geht ihnen bestens! Die Welt verändert sich nun mal, passen wir uns an. Diese ganze Klimapanik geht den Menschen gewaltig auf die Nerven. Können diese "Forscher" keine andere Arbeit finden?
4.
muellerthomas 26.03.2014
Zitat von servius.. dem Waldsterben, nach BSE können sich die Journalisten so allmählich ne neue Sau suchen die man mit viel gequike durchs Dorf treibt.Das ganze wird sich als ein furchtbar übertriebenes Hirngespinst herausstellen. Denkmale für unkoordiniertes und voreiliges Handeln stehen dann in Deutschaln in Scharen umher, drehen ihre Flügel , kosten ein Saugeld, und keiner Weiß wie es weiter geht. Aber keine Bange. Angie weiss zwar nicht WIE es weiter geht. Aber sie MACHR einfach weiter. #
Ist es eigentlich Zufall, dass insbesondere Personen, die in wenigen Zeilen eine zweistellige Fehlerzahl unterbringen, an wissenschaftlichen Erkenntnissen zweifeln? Worauf wollen Sie eigentlich hinaus? Gab es Ihrer Meinung nach kein Waldsterben oder war dafür nicht die Luftverschmutzung verantwortlich? Gab/gibt es Ihrer Meinung nach kein Ozonloch oder ist die Existenz der Ozonschicht irrelevant oder glauben Sie, dass FCKW keinen Einfluß auf die Ozonschicht hat? Und wären Sie nicht einer der ersten, der der Politk Untätigkeit vorwirft, wenn bei BSE und vergleichbaren Fällen nicht gehandelt würde?
5.
mightyschneider 26.03.2014
Willkommen in der Riege der Klimarassisten/Realisten, Herr Tol. Ziehen Sie sich warm an: Hier weht einem der ganze verstaubte Populismus der Klimaapokalyptiker entgegen. Und danke für Ihre Ehrlichkeit, die ist in Ihrer ehemaligen Wirkungsstätte nicht weit verbreitet.
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