Bestandsaufnahme: "Deutschlands Rohstoffe sind sicher"

Die Lieferung von natürlichen Wertstoffen wie Metallen oder Energieträgern ist für Deutschland auf Jahre hinaus gesichert, berichtet die Deutsche Rohstoffagentur in einer Studie. Zwei Unsicherheiten gibt es allerdings.

Hannover/Hamburg - Für die Industrienation Deutschland gewinnt die Nutzung heimischer Rohstoffe an Bedeutung. Bei der Vorlage ihrer "Rohstoff- und Energiestudie 2012" warnte die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) vor möglichen globalen Preisschwankungen und Lieferengpässen. Nach der Studie, die sich auf Daten aus dem Vorjahr bezieht, hat Deutschland die importierten Rohstoffe 2011 bei gleicher Vorjahresmenge 25 Prozent teurer bezahlt. Zudem betont die in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ansässige Agentur, dass auch Industriemetalle für Technologien zum Ausbau erneuerbarer Energien dem launischen Weltmarkt unterworfen seien.

Die Kernbotschaft der Agentur lautet: Eine Rohstoff-Verknappung in Deutschland ist aus geologischer Sicht nicht absehbar. Zwei Unsicherheiten gibt es allerdings: Naturkatastrophen oder wirtschaftlich-politische Wirren in Ursprungsgebieten der Rohstoffe könnten für Ausfälle sorgen, erklärt die Dera.

Trotz steigender Produktion seien die heute bekannten weltweiten Vorräte bei den Energierohstoffen gestiegen, betonte die Agentur. Erdöl sei der einzige Energieträger, bei dem die Vorräte absehbar endlich seien. Die Situation bei Hightech-Metallen wie Indium, Gallium, Molybdän oder Neodym aus dem Haupterzeugerland China werde auch in den nächsten Jahren weiter angespannt bleiben.

Deutschland als Selbstversorger

Die Agentur weist darauf hin, dass fossile Energieträger nach wie vor über drei Viertel des deutschen Gesamtenergieverbrauchs abdecken. "Nur noch 2,5 Prozent des Erdöls und etwa 14 Prozent des Erdgases stammen aus der heimischen Förderung", heißt es in dem Bericht. Allerdings sank der absolute deutsche Energiebedarf im Vergleich der vergangenen zehn Jahre um mehr als acht Prozent, was alle fossilen Energieträger betraf, schreiben die Autoren.

2011 produzierte Deutschland als einer der weltgrößten Energieverbraucher 605 Tonnen mineralische Rohstoffe, 191,3 Millionen Tonnen Braunkohle, Steinkohle und auch Erdöl sowie 13 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Wertmäßig repräsentierte diese Produktion 20,8 Milliarden Euro - ein Anstieg von 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutschland gilt weiter als weltgrößter Braunkohleproduzent: "Hier ist Deutschland Selbstversorger und größter Verbraucher weltweit."

Dem standen Rohstoffimporte im Wert von 137,6 Milliarden Euro gegenüber. Größter deutscher Rohstofflieferant bei Eisenerz ist Brasilien. Dagegen sind Russland, Norwegen und Großbritannien die Hauptlieferanten beim Erdöl.

boj/dpa

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1. ...
Newspeak 19.12.2012
Die Kernbotschaft der Agentur lautet: Eine Rohstoff-Verknappung in Deutschland ist aus geologischer Sicht nicht absehbar. Welche Rohstoffe denn? Wieso nochmal mussten deutsche Chemiker das Haber-Bosch- (Ammoniaksynthese) und das Fischer-Tropsch-Verfahren (Kohleverflüssigung) entwickeln? Ach so, ja, ich vergaß, wir sind ja so reich mit Erdöl gesegnet. Und Metalle? Welche nennenswerten Vorkommen gibt es denn in Deutschland? Ich glaube Steinsalz, ja, das dürften wir wohl genug haben. Ich bin zwar noch nicht so alt, aber Sprüche wie "...ist sicher"...gab es schon genug...wenn die Leute damit anfangen, war meistens schon der zukünftige Absturz erkennbar...
2. Rohstoffe produzieren?
hklaus 19.12.2012
Ich lese immer, dass Länder "Rohstoffe produzieren", als wenn diese Länder das Öl, die Braunkohle oder was auch immer selber generieren würden. Rohstoffe sind doch in der Natur vorhanden und werden gefördert, abgebaut, hochgepumpt, etc. Auch wenn eine Bereinigung oder Nachverarbeitung stattfindet: die Rohstoffe werden nach meiner Auffassung nicht "produziert". Ich erkenne darin eine gewollte Verschleierung der Tatsachen. Mir mißfällt jedenfalls das Wort "produzieren" in diesem Zusammenhang. Was sagen die wortgewandten Journalisten dazu?
3. Na dann...
rvdf11974 19.12.2012
Wozu bauen wir dann unsre Bundeswehr um ;)?
4. Die Alten schlafen halt
n+1 20.12.2012
Zitat von NewspeakDie Kernbotschaft der Agentur lautet: Eine Rohstoff-Verknappung in Deutschland ist aus geologischer Sicht nicht absehbar. Welche Rohstoffe denn?
Braunkohle haben wir noch ca. 45 Mrd. to. Aber nur ein Drittel davon kann so ohne weiteres abgebaut werden. Aber wenn die Bevölkerungs- entwicklung in den östlichen Bundesländern so weitergeht, dann ist in ca. 100 Jahren alles abbaubar. Steinkohle haben wir noch ca. 25 Mrd. to. Aber da muss man viele, viele Mrd. an Bergschäden gegenrechnen. Wenn hierzulande wieder Benzin (und auch Öl) aus Kohle gewonnen werden soll, dann ist das nationale Peak-Oil nach mehr als 200 Jahren. Seltene Erden gibts nicht nur in China, sondern auch in Deutschland. Und wohl noch mehr in der Mongolei. Das gleiche Problem. Wir müssten hier unter besiedelten Gebieten rumwühlen während in der außeren Mongolei ungefähr kein Mensch wohnt. Steinkohle kommt weltweit aus politisch stabilen Gegenden. Außerdem kann man Steinkohle einfach lagern. Auf einen Haufen schmeißen und gut is. Dass Steinkohle in den letzten Jahren so teuer geworden ist hat auch damit zu tun, dass der Bedarf in den Schwellenländern so gestiegen ist. Nebbich: in China sind derzeit etliche Hydrierwerke im Bau. Der Trend im Automobilbau und anderswo geht in Richtung Leichtbau. Aluminium ist das 5-häufigste Element der Erdkruste.
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