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Knochensplitter

Studie an Knochen Im Alter wuchs T-Rex in die Breite

T-Rex: "Ausgewachsen" kein passendes Konzept Zur Großansicht
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T-Rex: "Ausgewachsen" kein passendes Konzept

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Als größter aller Raubsaurier gilt der legendäre Tyrannosaurus rex seit langem nicht mehr - womöglich war er aber der dickste. Der Paläontologe Jack Horner behauptet, dass es so etwas wie "Ausgewachsen" für T-Rex gar nicht gab. Und ähnlich wie Garfield der Kater wuchs der T-Rex demnach im Alter vor allem in die Breite.

Möglicherweise muss man sich einen alten T-Rex also erheblich massiger vorstellen, als man bisher dachte. Horner, einer der prominentesten Paläontologen der Welt und Kurator der Paläontologie am Museum of the Rockies in Bozeman, Montana, will das anhand von Knochen-Aufschnitten herausgefunden haben. Demnach fanden sich in den Außenschichten der Knochen erwachsener Allosaurier und T-Rex ähnliche Blutkanäle wie bei Jungtieren. Diese Kanäle aber werden mit Knochenwachstum assoziiert.

Was nicht bedeute, dass die großen Raubsaurier einfach weiterwuchsen, bis sie umfielen. Ihre Knochen wurden nur "stärker", sprich massiger, um eine kontinuierlich wachsende Körpermasse entsprechend tragen zu können.

Bisher hatte man Knochen vergleichbarer Länge, aber deutlich unterschiedlicher Massigkeit als Zeichen für sexuellen Dimorphismus interpretiert - also, dass eines der Geschlechter zierlicher gebaut gewesen sei als das andere. Jetzt deutet sich an, dass große Theropoden im Alter zu ziemlichen Brocken heranwuchsen - was ja auch bei anderen Spezies vorkommen soll.

Wachstumsfragen: Verschiedene Größen, verschiedene Nischen

Das Alter von Sauriern zu bestimmen, ist keine profane Aufgabe. Bei manchen Arten lassen sich zwar Wachstumsschichten identifizieren, wie die aber wieder mit dem Faktor Zeit korrelieren, dürfte von Art zu Art verschieden gewesen sein. So nimmt man an, dass viele mittelgroße Pflanzenfresser wie beispielsweise Hadrosaurier nach dem Schlüpfen sofort ein rapides Größenwachstum hinlegten. Das dürfte sie vor Fleischfressern geschützt haben - kleinere hängten sie so quasi ab.

Große Sauropoden wuchsen zunächst langsam, dann in einer Phase rapide schnell, um schließlich auf im Wortsinn hohem Niveau langsam weiter zu wachsen - ähnlich wie beispielsweise Krokodile, die zwar sehr langsam, aber bis zu ihrem Lebensende an Größe gewinnen.

T-Rex: Drei Raubsaurier in einem?

Von großen Theropoden wie T-Rex nimmt man an, dass sie nach anfänglich schnellem Wachstum für eine lange Zeit eine mittlere Größe behielten, bevor sie ihre letzte, massige Größe erreichten.

Es gibt die These, dass T-Rex in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche ökologische Nischen besetzte. So hätte er in der "halbwüchsigen" Form die Nische der mittelgroßen Raptoren besetzen können, von denen man heute annimmt, dass sie Rudeljäger waren. Zu T-Rex' Zeiten gab es in dessen Verbreitungsgebiet offenbar keine anderen mittelgroßen Raptoren. Möglichweise vermieden juvenile T-Rex so auch die Nahrungskonkurrenz mit ihren großgewachsenen Verwandten.

Als Großtiere mögen sie dann anders gelebt haben: Bis Philip Currie in Alberta und Patagonien Hinweise auf Gruppenjagdverhalten bei Großraptoren fand, war man davon ausgegangen, dass diese eher einzeln, möglicherweise als Lauerjäger oder Aasfresser lebten.

Wenn Horner recht haben sollte, stimmt das vielleicht alles - dann könnte ein Tier wie T-Rex in verschiedenen Lebenaltern noch vielfältigere ökologische Nischen besetzt haben, als bisher gedacht: Als mittelgroßer Rudeljäger, als größerer Jäger in kleineren Gruppen, als Lauerjäger, am Ende vielleicht gar als Aasfresser?

Es fällt auf jeden Fall schwer, sich einen super-massigen T-Pummelchen als flinken Jäger vorzustellen. Das Bild von der dicken Bedrohung, die im Busch lauert oder kleinere Tiere von ihrer Beute wegmobbt, erscheint da schon stimmiger.

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hdudeck 04.11.2013
quark@mailinator.com 04.11.2013
SchwesterPolyester 04.11.2013
n01 04.11.2013
50penny 04.11.2013
mbraun09 05.11.2013
50penny 05.11.2013

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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
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