Studie Erdtemperatur so hoch wie seit Tausenden Jahren nicht mehr

US-Forscher schlagen Alarm: Auf der Erde ist es so warm wie noch nie zuvor seit Beginn der letzten Eiszeit. Der Klimawandel fange dabei, an sich immer stärker auf die Tier- und Pflanzenwelt auszuwirken - und auch der Mensch bekomme die Folgen zu spüren.


Washington - Der Leiter des Forschungsteams, James Hansen vom Goddard-Institut der US-Weltraumbehörde Nasa, hatte vor Jahrzehnten als erster vor den Gefahren des Klimawandels durch sogenannte Treibhausgase gewarnt. In den vergangenen 30 Jahren ist die Durchschnittstemperatur auf der Erde alle zehn Jahre um 0,2 Grad Celsius gestiegen, stellten die Forscher in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" fest.

Planet Erde: "Ein anderer Ort als der, den wir kennen"
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Die Erdtemperatur sei dabei auf den höchsten Stand in der derzeitigen zwischeneiszeitlichen Periode gestiegen, die vor 12.000 Jahren begann. Das bleibe nicht ohne Folgen: Die Forscher weisen auf einen Bericht in der Wissenschaftszeitschrift "Nature" hin, wonach 1700 Pflanzen-, Tier- und Insektenarten begonnen haben, polwärts zu wandern - und zwar in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts jedes Jahr um durchschnittlich 6,5 Kilometer.

Die Erderwärmung sei in der Nordhälfte stärker, weil dort abschmelzendes Eis Land und Gestein freigibt, das sich schneller als die Wassermassen der südlichen Ozeane erwärmt. Aber auch dort sei ein Temperaturanstieg messbar, was zu einer Häufung von Stürmen und Unwettern nach dem sogenannten "El Nino"-Phänomen führen kann. "Diese Beweise legen nahe, dass wir uns gefährlichen Werten von durch Menschen verursachten Schadstoffemissionen nähern", sagte Hansen. Der Temperaturanstieg auf der Erde wird nur von wenigen Wissenschaftlern bezweifelt, es gibt allerdings unterschiedliche Theorien über die Ursachen.

In Hansens Aufsatz heißt es, dass die Erwärmung nur noch ein Grad Celsius von der höchsten Temperatur seit einer Million Jahren entfernt sei. "Wenn die globale Erwärmung noch zwei bis drei Grad weiter geht, werden wir wahrscheinlich Veränderungen sehen, die aus der Erde einen anderen Ort macht als den, den wir kennen", prophezeit Hansen. "Das letzte Mal war es im mittleren Pliozän so warm, vor rund drei Millionen Jahren - da lag der Meeresspiegel schätzungsweise 25 Meter höher als heute."

bri/AP

Korrektur: In diesen Beitrag hat sich eine falsche Angabe eingeschlichen. Nicht jedes Jahr, sondern jedes Jahrzehnt ist die Durchschnittstemperatur auf der Erde nach Daten des Forscherteams um 0,2 Grad Celsius angestiegen. Wir bitten darum, den Fehler zu entschuldigen.



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