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Sauerstoffmangel: Gänse überqueren Himalaja im Achterbahnflug

Von Veronika Wulf

Gänse im Himalaja: Fliegen unter Sauerstoffmangel Fotos
imago

Ihr Weg ist lang und beschwerlich - Streifengänse gehören zu den wenigen Vögeln, die das Himalaja-Gebirge überqueren. Nun zeigt sich: Möglich wird die kräftezehrende Reise erst durch ausgeklügelte Flugwege in Achterbahnform.

Als Zugvögel haben die Streifengänse zwei Heimatorte, zwischen denen sie halbjährig wechseln: ihre Brutstätten in Zentralasien, Tibet oder der Mongolei und ihre Winterquartiere in und um Indien. Dazwischen liegt eine Herausforderung: der Himalaja. Nur wenige Zugvögel sind in der Lage, die schneebedeckten Bergspitzen des höchsten Gebirges der Welt zu überfliegen - die Streifengans ist eine davon. Sie wurde schon auf über 7200 Metern gesehen.

Wie aber schaffen es die Zugvögel, so lange in der Luft zu bleiben? Ihre Wanderungen faszinieren die Menschen seit vielen Jahren: Die mit einem Oscar nominierte Dokumentation "Nomaden der Lüfte" zog etliche Zuschauer in ihren Bann. Und auch Wissenschaftler versuchen immer wieder, die Flugstrategien der Gänse zu durchschauen. Bisher gingen sie davon aus, dass die Tiere durch Aufwinde recht einfach in große Höhen steigen und sich dann von Monsunwinden über das Gebirge blasen lassen. Eine Studie hat das nun widerlegt.

Flug im Sparmodus

Charles Bishop von der Universität von Bangor und Kollegen verpassten sieben Gänsen Messgeräte, mit denen sie die Temperatur, den Herzschlag, die Flügelbewegungen und die Höhe der Vögel aufzeichneten. 391 Flugstunden wurden erfasst. Die tierischen Probanden überflogen dabei das tibetische Hochland und hielten sich meistens unter 6000 Metern auf.

Es zeigte sich, dass die Gänse deutlich schneller mit den Flügeln schlagen mussten, je höher sie kamen. Auch die Herzfrequenz nahm zu, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science". Außerdem legten die Gänse eine Art Achterbahnfahrt durch die Berge hin. Sie passten ihre Flugbahn meist der unter ihnen liegenden Landschaft an und flogen im Durchschnitt nur etwa 60 Meter über ihr. Auf diese Weise verloren sie immer wieder an hart erarbeiteter Höhe, die sie anschließend wieder erreichen mussten.

Die Wissenschaftler erklären diese Achterbahn-Taktik so: Durch die abnehmende Luftdichte in großer Höhe können die Vögel schlechter aufsteigen. Im Himalaja wird die Luft wortwörtlich dünn: In 5500 Metern Höhe ist der Sauerstoffgehalt gerade mal halb so groß wie auf Meeresebene. Die Höhenluft macht Vögeln wie Bergsteigern zu schaffen. Also meiden die Streifengänse die unangenehmen hohen Lagen und halten sich nah am Untergrund.

Nachts fällt das Fliegen leichter

Letztlich ist es wohl die Kombination aus mehreren Strategien, mit deren Hilfe die Vögel deutlich Energie sparen: In Achterbahn fliegen, Aufwinde nutzen - und bei Nacht reisen. Auch letzteres konnten die Forscher beobachten. Der Grund für das Verhalten: Nachts ist die Luft kühler und somit dichter.

"Diese Studie offenbart neue und überraschende Einsichten in die physiologischen Anpassungen von Streifengänsen während ihrer saisonalen Wanderung", sagt Leonida Fusani, Ornithologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und nicht an der aktuellen Studie beteiligt. Vorher sei unklar gewesen, wie anspruchsvoll solche Höhen für die Gänse sind und welches ihre effizienteste Strategie ist, die Reise zu bewältigen. Diese Erkenntnisse seien mitunter der neuen Technik zu verdanken.

Die Daten zeigten zudem, dass die Gänse die Herausforderung Himalaja insgesamt sehr gut meistern. Immerhin gehörten Streifengänse mit etwa 2,8 Kilogramm zu den schwersten Zugvögeln der Welt.

Mit Material von dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
wuestensand87 16.01.2015
Ich finde das immer krass wie die Vögel diese Formationen koordiniert bekommen... ^^
2. schmecken
felisconcolor 16.01.2015
die denn? ;-) ja es ist schon erstaunlich was die Tierwelt so zustande bringt. Formationsflug ist eines davon. Ach ja (seufz) der Mensch ist schon ein schlechter Scherz der Evolution
3. Finden Sie?
cindy2009 16.01.2015
Zitat von felisconcolordie denn? ;-) ja es ist schon erstaunlich was die Tierwelt so zustande bringt. Formationsflug ist eines davon. Ach ja (seufz) der Mensch ist schon ein schlechter Scherz der Evolution
Bekommen das die Gänse auch hin? http://www.chesstigers.de/bilder/hws/WM12-05-09-Russia-TV-Truppe-HWS.JPG ;-)
4.
Konstruktor 16.01.2015
Selbst unter allen Vögeln gehören die schon zu den schwersten. Die allermeisten Vögel sind leichter (meist sogar sehr viel leichter). In der mehrere-Kilo-Gruppe sind anteilmäßig nur sehr wenige Vögel, insofern ist die Aussage schon richtig.
5. Streifengänse sind nicht einmal ansatzweise die schwersten Vögel
new_eagle 16.01.2015
"Immerhin gehören Streifengänse mit etwa 2,8 Kilogramm zu den schwersten Vögeln der Welt". Na da hat der Autor aber mächtig danebengegriffen. Der Struthio camelus (Afrikanische Strauß), erreicht ein Gewicht bis zu 135 Kilogramm und ist damit der größte Vogel der Erde. Die 2,8 Kilogramm der Streifengänse sind im Vergleich dazu lächerlich. Korrekt wäre der oben zitierte Satz wenn dort "flugfähige Vogel" statt einfach nur Vogel stünde.
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