Knochensplitter

Unschuldig Forscher bestreiten Theorie zum Aussterben der Mammuts

Asteroideneinschlag: Keine Ursache für das Ende der Eiszeit?
Don Davis

Asteroideneinschlag: Keine Ursache für das Ende der Eiszeit?

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Mammut, Höhlenbär und Säbelzahntiger - am Ende der Eiszeit starben die meisten großen Tiere in nördlichen Breiten aus. Über die Ursachen streiten Wissenschaftler seit Jahren. Eine neue Studie entlastet nun einen der Verdächtigen.

Der vermeintliche Verursacher des großen Aussterbens am Ende der Eiszeit, so hatte zuletzt noch eine Studie aus dem Jahr 2013 behauptet, sei den Mammuts und Mastodonten vor rund 12.900 Jahren regelrecht auf den Kopf gefallen: Im kanadischen Québec soll damals ein kleinerer Asteroid niedergegangen sein, der das Klima nicht nur in Nordamerika, sondern weltweit abrupt und erheblich veränderte.

An drei Orten in Nordamerika hatten die Forscher kugelförmige Schlacke-Einschlüsse in den geologischen Schichtungen an der Grenze zur Dryaszeit gefunden. Solche Kügelchen entstehen durch vulkanische Eruptionen oder eben durch Explosionen, bei denen große Hitze frei wird.

Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass es vor rund 12.900 Jahren zu einem Katastrophenereignis gekommen sein musste, dessen Niederschlag aus Asche und geschmolzenem Gestein sich über weite Entfernungen verbreitet habe. Da Vulkanismus ausgeschlossen werden konnte, gingen sie vom Einschlag eines Himmelskörpers aus, der wie einst im Fall der Dinosaurier auch der eiszeitlichen Megafauna den Garaus gemacht habe.

Asteroiden-Einschlag unwahrscheinlich

Genau dieser Studie widerspricht nun eine Forschungsarbeit, die Wissenschaftler der University of California im Fachblatt "Journal of Archaeological Science" veröffentlichten. Auch sie gruben in Schichten des Dryas, allerdings im nördlichen Syrien. Und dort, schreiben sie nun, gebe es absolut keine Hinweise auf Schlacken, die durch Einschläge aus dem All entstanden seien - wohl aber auf solche, die in den Herdfeuern früher Ackerbauern entstanden sind - und das über rund 3000 Jahre und nicht etwa in einem engen Zeitraum, wie man es bei einer Explosion oder einem Einschlag annehmen müsste.

Mammuts: Wie Wollnashörner, Höhlenbären, Säbelzahntiger und andere Vertreter der eiszeitlichen Megafauna starben die Riesen aus, als sich das Klima der nördlichen Hemisphäre veränderte. Bejagung durch den Menschen könnte den Prozess beschleunigt haben.
Corbis

Mammuts: Wie Wollnashörner, Höhlenbären, Säbelzahntiger und andere Vertreter der eiszeitlichen Megafauna starben die Riesen aus, als sich das Klima der nördlichen Hemisphäre veränderte. Bejagung durch den Menschen könnte den Prozess beschleunigt haben.

Bei allen Ausgrabungen in Syrien fanden Peter Thy und seine Kollegen Schlacken, wie sie 2013 auch von Yingzhe Wu und Mukul Sharma in Nordamerika beschrieben worden waren. Sowohl in Nordamerika als auch in Syrien, stellten Thy und Co fest, korrespondierte die chemische Zusammensetzung der gefundenen Schlacken aber mit Stoffen, wie man sie auch vor Ort im jeweiligen Boden fand. Die Schlacken seien folglich lokal entstanden und nicht etwa durch eine Mega-Explosion rund um den Globus verbreitet worden.

Streiten bis zum Konsens

Damit, so schließen die Forscher, sei ein Asteroiden-Einschlag als unmittelbare Ursache der Klimaveränderung am Ende der Eiszeit auszuschließen.

Die Diskussion geht allerdings trotzdem weiter, und sie wird - typisch Wissenschaft - öffentlich ausgetragen - siehe Linkverzeichnis mit Studien der letzten Monate. Das ist völlig normal: Studien dokumentieren keine Gewissheiten, sondern sind als Diskussionsbeiträge, als Argumente und Indizien für oder gegen oft widersprüchliche Thesen zu sehen. Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn ist oft das Resultat fachlichen Streits, der im Idealfall irgendwann in einem Konsens mündet.

Apropos Erkenntnis: Wahrheit ist auch eine Knowhow-Frage. Das zeigt eindrücklich die Zuschrift eines Knochensplitter-Blog-Lesers. Seine Tochter sollte in der Grundschule über einen Aufsatz zum Thema Fossile schreiben. "Da sie das Thema im Unterricht aber gar nicht behandelt hatten, mussten die Kinder halt das schreiben, was sie sich darunter vorstellen", schreibt der Leser. "Ich glaube, das gefällt Ihnen. Zur Erklärung: Meine Mutter hat tellergroße Schnecken in der Gartenmauer."

Aus dem Aufsatz einer Grundschülerin: Wo die Fossile herkommen
privat

Aus dem Aufsatz einer Grundschülerin: Wo die Fossile herkommen

Die Wirklichkeit ist eben eine Konstruktion, die wir aus der Deutung von Beobachtungen montieren. Irgendwann wird die Kleine wissen, dass Fossile nicht gebaut wurden, um daraus Mauern zu machen. Und wir, warum die Mammuts ausstarben.



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5 Leserkommentare
Ossifriese 08.01.2015
MtSchiara 08.01.2015
stringocephalus 08.01.2015
Hiro22453 08.01.2015
cindy2009 08.01.2015

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