Extremer Sturm im Nordatlantik Am Nordpol wird es so warm wie in Südkalifornien

Im Nordatlantik zieht gefährliches Wetter auf: Ein extremer Tiefdruckwirbel schaufelt warme Luft zum Nordpol - dort wird es 30 Grad wärmer als üblich. Der Wind beschleunigt auf Hurrikanstärke, es droht riesiger Wellengang.

Vorhersagekarte des Luftdrucks für Mittwochfrüh: Ein extremes Tiefdruckgebiet im Nordatlantik saugt milde Luft aus Süden zum Nordpol
ECMWF

Vorhersagekarte des Luftdrucks für Mittwochfrüh: Ein extremes Tiefdruckgebiet im Nordatlantik saugt milde Luft aus Süden zum Nordpol


Starke Stürme sind normal im Nordatlantik, zumal im Winter. Derzeit jedoch braut sich Besonderes zusammen.

Der Luftdruck werde dort in den kommenden Stunden auf rund 920 Millibar absacken, berichten Wetterdienste - ein Extremwert, Durchschnitt sind etwa tausend. Entsprechend kräftig saugt die Region Luft an.

Zwei benachbarte riesige Tiefdruckgebiete dürften den Windvorhersagen zufolge auf Hunderten Kilometern Breite auf Hurrikanstärke beschleunigen. Besonders Island muss sich wappnen, aber auch Großbritannien muss mit kräftigem Sturm rechnen.

Seefahrer sollten die Region umfahren. Im Nordatlantik seien 15 Meter hohe Wellen zu erwarten, melden die Wetterdienste. Auf hoher See drohen Monsterwellen, das sind Extremwogen, die sich doppelt so hoch aufbauen wie der mittlere Seegang.

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Die interkontinentale Umlagerung der Luftmassen hat erstaunliche Folgen: Wie eine gigantische Drehtür schaufelt das Tiefdruckgebiet entgegen dem Uhrzeigersinn milde Luft aus Süden Tausende Kilometer übers Meer nach Norden.

Die Folge: Der Nordpol erwärmt sich auf über null Grad - mitten im tiefsten Winter, wenn kein Sonnenstrahl die Eisregion erreicht. Normalerweise herrschen dort zum Jahresende minus 30 Grad. Im Januar und Februar wird es gewöhnlich noch erheblich kälter.

Am Nordpol gibt es am Mittwoch demnach ähnliche Temperaturen wie derzeit im Süden Kaliforniens oder in Deutschland. Die Eisdecke im Nordmeer dürfte oberflächlich tauen.

Wie ein Durchbruch

Auf Wetterkarten wirkt der Strom warmer Luft wie ein Durchbruch: Den Norden der Erde säumt ein breiter Ring frostiger Luftmassen - durchstoßen von jenem Warmluftband, das von Westeuropa nach Grönland reicht.

An Deutschland geht das Naturereignis vorbei. Die Wetterdienste sagen für die nächsten Tage ruhiges Winterwetter voraus - bei Temperaturen meist knapp über dem Gefrierpunkt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 337 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 29.12.2015
1.
Und wo wird es dafür wesentlich kälter, als üblich?
Ottokar 29.12.2015
2. Was für eine Frage, Tagelöhner
draussen natürlich.
gympanse 29.12.2015
3.
Schade, ich hatte mir auch für Deutschland einen Frühlingshaften Januar und Februar gewünscht
tramann 29.12.2015
4. Global Warming at Work
Wer bei einer solchen Meldung zum sich gerade formierenden größten Sturm im Nordatlantik jetzt noch nicht von der globalen Erderwärmung (insbesondere in der nördlichen Hemisphäre) glaubt, tja dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. Noch weitere Kostproben: Moskau und Helsinki zu Weihnachten um die 10-12 Grad; Krasnodar (Südrussland Nähe Schwarzes Meer) Ende November Mittagstemperaturen von 28 Grad (!), nur noch Kunstschneeabfahrten in den (Hoch-)Alpenregionen möglich. Diese Meldungen ließen sich noch beliebig fortsetzen. Es bestehen daher keine Zweifel an der globalen Erderwärmung mehr.
g0r3 29.12.2015
5.
Zitat von taglöhnerUnd wo wird es dafür wesentlich kälter, als üblich?
Der Sturm wird wohl kaum den Nordpol aufheizen können, ohne dafür selbst abzukühlen. Meine Güte...
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