Schlechte Luft Stuttgart löst erneut Feinstaubalarm aus

Die Bürger sollen ihre Autos stehen und den Kamin kalt lassen - zum zweiten Mal in der Geschichte wurde in Stuttgart Feinstaubalarm ausgerufen. Harte Fahrverbote gibt es aber nicht.

Feinstaubalarm (Archivbild): Am 18. Januar 2016 wurden die Stuttgarter schon einmal aufgerufen, das Auto stehen zu lassen
DPA

Feinstaubalarm (Archivbild): Am 18. Januar 2016 wurden die Stuttgarter schon einmal aufgerufen, das Auto stehen zu lassen


Mitte Januar sorgte Stuttgart mit dem bundesweit ersten Feinstaubalarm für Schlagzeilen - gut fünf Wochen später ist es schon wieder so weit: Von Freitag (0.00 Uhr) an hat die Landeshauptstadt die Bürger erneut zum Autoverzicht aufgerufen.

Von Donnerstagabend (18.00 Uhr) an sind die Nutzer sogenannter Komfortkamine, die nicht als einzige Wärmequelle dienen, dazu aufgerufen, diese vorübergehend nicht zu nutzen.

Auf Hinweistafeln an Straßen, auf Brückenbannern und über Verkehrsmeldungen im Radio wird die Bevölkerung über den Alarm informiert. Der Verzicht auf das Auto als Feinstaubquelle Nummer eins ist allerdings freiwillig.

Das Ende des Alarms ist offen, hieß es. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht davon aus, dass er am Montag endet - wenn es wieder regnet und der Wind sich dreht.

Stuttgart ist Feinstaubhauptstadt

Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der DWD über mehrere Tage eine besonders schadstoffträchtige Wetterlage vorhersagt. Nach Mittwoch sei erst am Montag wieder Regen in Sicht, der dann die Partikel aus der Luft wasche. Zudem drehe Anfang der Woche der Wind in günstigere Richtung.

Feinstaub wird als gesundheitsschädlich eingestuft. Vor allem sehr kleine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer (2,5 Tausendstel Millimeter) können tief in die Lunge eindringen und verschiedene gesundheitliche Probleme hervorrufen, etwa Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Nirgends gilt die Luft in Deutschland als so stark mit Schadstoffen belastet wie in der baden-württembergischen Landeshauptstadt: Der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wird dort regelmäßig überschritten.

Folgendes Diagramm zeigt Messstationen in Deutschland, an denen im Jahr 2013 der Grenzwert für Feinstaub am häufigsten nicht eingehalten wurde. Auf Platz eins liegt eine Messstation in Stuttgart. Maßgeblich zu den erhöhten Werten trägt auch die Kessellage der Stadt bei.

Nach dem ersten Feinstaubalarm im Januar hatten Umweltschützer Kritik an der Feinstaubalarm-Praxis geübt. Sie fordern konkrete Vorschriften, etwa Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. So sprach die Deutsche Umwelthilfe von einer "Placebo-Maßnahme" ohne Wirkung. "Appelle bringen nichts", sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch damals. Das Land Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart schreckten mit Blick auf die Autoindustrie vor obligatorischen Schritten zurück. "Das ist ein Kniefall vor Daimler."

jme/dpa



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