Suche nach Seltenen Erden: Tiefseeschlamm birgt Metallschatz

Handys, Elektroautos, Solarzellen - ohne Seltene Erden kann die Hightech-Industrie diese Produkte nicht herstellen. Doch die Vorkommen sind knapp, China dominiert den Markt. Jetzt haben japanische Forscher neue Lagerstätten in den Tiefen des Pazifiks aufgespürt.

Metallhaltiges Erz: Alternative Quellen für Seltene Erden gesucht Zur Großansicht
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Metallhaltiges Erz: Alternative Quellen für Seltene Erden gesucht

Hamburg - Die altertümlich anmutende Sammelbezeichnung Seltene Erden kann leicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig diese Rohstoffe für die Industrie sind: Computer und Handys, Elektroautos und Solarzellen, Halbleiter und Akkus - in allem werden Seltene Erden verbaut.

Der Name für die Gruppe von insgesamt 17 Elementen ist zudem missverständlich, weil die Mineralien relativ häufig in der Erdkruste vorkommen. Das Problem ist aber die industrielle Förderung, weil die Metalle an Land nur in kleinen, weit verstreuten Lagerstätten abbaubar sind.

Rund 30 Prozent der Reserven liegen in China, die Volksrepublik liefert allerdings 97 Prozent der Seltenen Erden für den Weltmarkt. Weitere große Lagerstätten gibt es in Ex-Sowjetrepubliken, den USA und Australien. Doch China dominiert beim Abbau. Zuletzt hatte das Land seine Ausfuhr auch noch stark eingeschränkt, allein 2010 ging der Export um 9,3 Prozent zurück.

Deshalb suchen viele Staaten nach anderen Quellen für die begehrten Metalle. Japanische Wissenschaftler stellen nun eine Alternative im Fachmagazin "Nature Geoscience" vor. Yasuhiro Kato von der Universität von Tokio und seine Kollegen haben auf dem Grund des Pazifiks große Vorkommen von Seltenen Erden entdeckt. Die Metalle lagern auf dem Meeresboden in einer Tiefe von bis zu 5000 Metern im Schlamm.

Die Geologen hatten mehr als 2000 Sediment-Bohrproben untersucht und dabei in mehreren Gebieten umfangreiche Ablagerungen der Metalle gefunden. Sollten sie sich für die industrielle Förderung eignen, könnte das das Quasi-Monopol der Chinesen schwächen.

Proben aus dem gesamten Pazifikraum

Die japanischen Forscher untersuchten Proben aus 78 unterschiedlichen Regionen des pazifischen Ozeans. Die Sedimentbrocken stammten aus bis zu 50 Metern Tiefe unter dem Meeresboden. Besonders reich an Seltenen Erden waren dem Bericht zufolge Proben aus dem zentralen Nordpazifik sowie dem östlichen Südpazifik.

Zum Teil enthielt der Schlamm einen höheren Anteil Seltener Erden als die Vorkommen, aus denen China die begehrten Rohstoffe gewinnt. Könnte man die Metalle aus einem ein Quadratkilometer großen Bereich gewinnen, wäre damit bereits ein Fünftel des jährlichen, weltweiten Bedarfs gedeckt, rechnen Kato und Kollegen vor.

Laborversuche zeigten dem Bericht zufolge, dass die Vorkommen mit Hilfe von Säuren aus dem Schlamm am Meeresboden gewaschen werden können. Schädlich für die Umwelt sei das nicht, solange die Säuren nicht ins Meer gekippt würden, erklärten die Wissenschaftler.

Fraglich sei vielmehr, ob es schon technisch möglich ist, den Schlamm aus einer Tiefe von 4000 bis 5000 Metern zu pumpen, und ob die Förderung wirtschaftlich ist. Ein Tauchroboter, der ebenfalls in Japan entwickelt wird, um Seltene Erden zu fördern, soll bisher nur bis in 2000 Meter Tiefe vordringen. Mit möglichen ökologische Folgen solcher Eingriffe haben sich die Wissenschaftler in dem aktuellen Fachartikel nicht beschäftigt.

wbr/AFP

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Warum auch?
the_flying_horse 03.07.2011
---Zitat--- Mit möglichen ökologische Folgen solcher Eingriffe haben sich die Wissenschaftler in dem aktuellen Fachartikel nicht beschäftigt. ---Zitatende--- Warum auch? So kennen wir das ja, nicht nur in Japan...
2. Titellos
UnitedEurope 03.07.2011
Erfreulich, scheint es doch die Abhängigkeit von China zu verringern, 97% sind Besorgnis erregende viele Prozent. Wann und wie, mit welchen Folgen für die Umwelt, es jedoch wirtschaftlich ist, muss sich natürlich erst noch zeigen.
3. Chaotische Folgen wie jeder Eingriff dieser Art
Benjowi 03.07.2011
Natürlich hat das Aufwühlen dieses Schlamms chaotische Folgen für die Tiefsee-genauso übrigens wie die Jagd auf Manganknollen dort. Aber das gilt genauso für die klassischen Fördermethoden an Land oder für die Ölförderung überall und wird natürlich niemanden aufhalten. Es ist am Ende einer der Preise, die wir für unseren Lebensstil wohl zahlen müssen.
4. qwertzuiop
Rodelkönig 03.07.2011
Zitat von UnitedEuropeErfreulich, scheint es doch die Abhängigkeit von China zu verringern, 97% sind Besorgnis erregende viele Prozent. Wann und wie, mit welchen Folgen für die Umwelt, es jedoch wirtschaftlich ist, muss sich natürlich erst noch zeigen.
Das stimmt. Aber diese 97% sind selbstverschuldet. Noch vor 20 Jahren gab es auch in Australien, USA, Russland und einigen anderen Regionen der Welt Abbau von Seltenen Erden. China war zu dieser Zeit alles andere als ein Monopolist. Da der Abbau Seltener Erden aber in der Regel mit riesigen Umweltzerstörungen verbunden ist und durch die Renaturierung sehr teuer geworden war, stellte man den Abbau nach und nach ein. Denn schließlich bekam man die Seltenen Erden aus China wesentlich billiger. Dort sparte man sich nämlich einfach die gewaltigen Renaturierungskosten und Umweltauflagen und ließ riesige verseuchte Mondlandschaften zurück. Dem Westen war's egal, weil man ja selbst nicht in China leben musste und die Seltenen Erden billig bekam. Und so wurde China allmählich zum Monopolisten. Jetzt, wo China diese Monopolstellung hat, nutzt es diese Stellung natürlich aus, was ich sogar verständlich finde. Angebot und Nachfrage regeln in diesem Fall den Markt und da die anderen Staaten China quasi freiwillig zum Monopolisten haben werden lassen, haben die jetzt halt erstmal Pech gehabt. Denn wieso sollte China riesige Umweltzerstörungen im eigenen Land verursachen und dann diese Seltenen Erden dem Ausland überlassen, wo es diese Rohstoffe doch im zunehmendem Maße selbst braucht? Es wird wohl noch etwa 10 Jahre dauern, bis der Abbau Seltener Erden auch in anderen Ländern wieder in Gang ist. Bis dahin muss man halt mit den höheren Preisen leben und auch mal akzeptieren, dass man mal ein oder zwei Jahre irgendeinen wichtigen Rohstoff garnicht bekommt ... selber Schuld. Viele Grüße
5. Nachdenken würde hier nicht schaden
n.holgerson 03.07.2011
Zitat von the_flying_horseWarum auch? So kennen wir das ja, nicht nur in Japan...
Immer das Gleiche hier. Nachdenken würde nicht schaden. Da wurden "Seltenen Erden" gefunden. Mehr steht doch noch gar nicht fest. Jetzt erst kann man sich über die weiteren Schritte Gedanken machen. Ich rate Typen wie ihnen immer und immer wieder das Gleiche: Nachdenken! Und aufmerksam lesen! Es ging um die Erforschung wo es solche Erden ging! Danach überlegt man sich, wie kann man die fördern. Also, wie "lagern" sie im Untergrund, welche Möglichkeiten hätte man sie da raus zu bekommen (hier z.B. Säure), dann überlegt man sich ob man dies überhaupt techn. umsetzten kann, dann überlegt man, rechnet sich das überhaupt, dann überlegt man, ob es ökologische Folgen hätte.... Wie gesagt, es gibt viele Sachen zu bedenken bzw. erforschen. Manche kann man auch parallel machen, manche macht man nacheinander. Und wenn man ganz am Anfang ist, dann kann man eben nicht schon alles "ermittelt" haben. Weil wenn man noch nicht mal weiß, wo jetzt vorkommen sind und wie man sie fördern soll, wie soll man da schon die ökologischen Folgen abschätzen?
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Seltene Erden
Die Seltenen Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Meist kommen sie am selben Standort, im selben Gestein, vor. Sie werden in kleinen Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar unter anderem für die Herstellung von Computern und Computer-Monitoren, DVD-Spielern, leistungsstarken Akkus, Hybrid-Autos, Halbleitern, Handys, Rüstungsgütern und Windturbinen. Autozulieferer nutzen Seltene Erden bei der Herstellung von Elektromotoren. Die größten Verbraucher Seltener Erden sind China, Japan und die USA, die eine starke Technologiebranche haben. Wegen der zunehmenden Bedeutung der Umwelttechnologien wird mit einem steigenden Bedarf gerechnet. Der mit Abstand größte Produzent ist China. Im Jahr 2008 wurden dort 120.000 Tonnen gefördert, das waren 97 Prozent der weltweiten Menge. China exportierte gut 30.000 Tonnen.