Unglücksflug MH370 Das Suchgebiet liegt zu weit südlich

Seit Monaten fahnden Suchtrupps vor der Küste Westaustraliens nach dem vermissten Flug MH370. Simulationen der Meeresströmungen legen jetzt nahe: Sie suchen in der falschen Gegend.

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Kieler Meeresforscher haben Computerberechnungen vorgestellt, die neue Rückschlüsse auf das mögliche Absturzgebiet der seit 16 Monaten verschollenen Malaysia Airlines-Maschine mit 239 Menschen an Bord geben sollen.

Die Berechnungen des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung legen ein anderes Absturzgebiet für Flug MH370 nahe als vermutet. Bisher wird angenommen, dass das Flugzeug etwa 2000 Kilometer westlich von Australien ins Meer stürzte.

Ein Wrackteil, das am Strand der Insel La Réunion angespült wurde, war der Ausgangspunkt der neuen Berechnungen. Die Kieler Forscher Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo haben am Computer den Weg des Trümmerteils über den Indischen Ozean zurückverfolgt. Ihr Modell nutzte Strömungsdaten aus den vergangenen Monaten.

Die entscheidende Frage lautete: Welchen Weg hat das Trümmerstück über den Indischen Ozean genommen? Abertausende Wirbel lassen Treibgut im Meer umherschwirren wie in einem Flipperautomaten, so dass eine eindeutige Rückverfolgung nicht möglich ist.

Strömungen rückwärts laufen lassen

Die Forscher setzten nach eigenen Angaben am Computer knapp zwei Millionen virtuelle Partikel in den virtuellen Ozean vor La Réunion. Dann ließen sie die Strömungen der vergangenen 16 Monate rückwärts laufen.

Das Ergebnis ist eine Karte, die ein riesiges Gebiet zeigt, aus dem die Trümmer stammen könnten - sie liefert eine entscheidende Information: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der momentane Fokus der Suche nach dem Flugzeugwrack südwestlich von Australien zu weit südlich liegen könnte", sagt Durgadoo.

Auf der Basis eines einzigen Wrackteils sei eine genauere Eingrenzung des Suchgebietes noch nicht möglich. "Weitere Wrackteile wären notwendig, um präzisere Aussagen treffen zu können", erläutert Biastoch.

Die Ergebnisse der Kieler Forscher stehen im Widerspruch zur australischen Suchstrategie. Deren Fahndung konzentriert sich auf Meeresgebiete westlich der australischen Küste - und nicht auf die Äquatorregion, die sich nun in den Simulationen zeigt.

Signale des Flugzeugs

Ausgangspunkt bisheriger Berechnungen waren sieben elektronische "Pings", die die Malaysia-Airlines-Maschine automatisch jede Stunde abgab. Ein Satellit der britischen Firma Inmarsat über dem Indischen Ozean fing die Pings auf, den letzten am 8. März 2014 um 01.11 Uhr MEZ. Anhand der Frequenzen der Pings und unter Berücksichtigung der Bewegung von Satellit und Flugzeug konnten Experten die Flugroute bestimmen.

Sie nahmen die übliche Geschwindigkeit einer Boeing dieses Typs von gut 800 Kilometern in der Stunde an und berechneten, wie lange das Flugbenzin gereicht hätte. So wurde das 120.000 Quadratkilometer große Gebiet mehr als 2000 Kilometer westlich von Perth an der Westküste Australiens bestimmt.

Die Experten sahen sich durch den Fund der Flügelklappe in La Réunion bestärkt. Die Strömung hätte ein solches Teil aus dem Absturzgebiet genau an den Inselstrand spülen können. Dieser Annahme widersprechen nun die Simulationen der Kieler Forscher.


Anmerkung der Redaktion: Die erste Version der Grafik, die dem Artikel zugeordnet ist, war falsch; wir bedauern den Fehler.

boj/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
cindy2009 01.09.2015
1. Spekulationen
Jetzt geht das wieder los....
grandefuturo 01.09.2015
2. Farben vertauscht?
Das 100%-ige Herkunftsgebiet sollte doch größer sein als das 95%-ige...also Farben vertauscht?
bloss_nicht_nachdenken 01.09.2015
3. Ganz sicher vielleicht?
Orange eingefärbt ist ein Bereich der 100% Wahrscheinlichkeit für die Trümmerherkunft repräsentiert. Dann kann das Wrackteil nicht aus dem blauen Bereich kommen, für den aber 95% angegeben werden?
humbahumba 01.09.2015
4.
Zitat von grandefuturoDas 100%-ige Herkunftsgebiet sollte doch größer sein als das 95%-ige...also Farben vertauscht?
Sind Sie sich da so sicher? Ihrer Logik nach könnte man den Mond und Alpha Centauri als Gebiet einschließen für das eine 100 prozentige Wahrscheinlichkeit gilt. Selbstverständlich ist die Grafik logisch richtig so wie sie ist.
humbahumba 01.09.2015
5.
Zitat von cindy2009Jetzt geht das wieder los....
Wir hätten da noch das Thema Griechenland im Angebot. Das macht dann aber nochmals ein paar Abermilliarden, versenkbar sofort im schwarzen Loch eines failed-states. Die Suche nach diesem Flugzeug gibt es hingegen für peanuts. Sie haben die Wahl.
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