Südafrika Geologen entdecken zwei Milliarden Jahre altes Wasser

Es ist eine geologische Sensation: Forscher haben in einer südafrikanischen Goldmine uraltes Grundwasser entdeckt. Das Alter der Flüssigkeit ist nicht die einzige Überraschung. Darin tummeln sich auch ursprüngliche Organismen - Bakterien, die ohne Licht überleben.

Goldmine in Südafrika: Jedes Wasser hat einen chemischen Fingerabdruck
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Goldmine in Südafrika: Jedes Wasser hat einen chemischen Fingerabdruck


In den südafrikanischen Goldminen des Witwatersrand Basins verbirgt sich eine Sensation, die Geologenherzen höher schlagen lässt: Seit langer Zeit werden dort schon Gold und Diamanten abgebaut. Doch die wertvollen Materialien lassen die Forscher kalt. Vielmehr haben sie die sehr alten Erdkrustengesteine des Kaapvaal-Kraton untersucht. Kratone gelten als die Kernbereiche eines Kontinents; in ihnen findet sich relativ ursprüngliche, seit langem unverändert gebliebene Erdkruste.

In diesen Gesteinsschichten haben Johanna Lippmann-Pipke von der Forschungsstelle Leipzig des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und ihre Kollegen aus Deutschland, Kanada und Südafrika uraltes salzhaltiges Grundwasser entdeckt. Es beherbergt eines der tiefsten und wahrscheinlich auch ältesten mikrobiellen Ökosysteme der Erde - zwei Milliarden Jahre ist es in etwa alt.

Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Chemical Geology" berichten, leben in diesem Wasser Mikroorganismen, die sich abgeschieden von Licht und organischen Nährstoffen ausschließlich von den Stoffen ernähren, die sich aus dem umgebenden Stein im Wasser lösen.

Wasser enthält je nach seiner Herkunft unterschiedliche Mengen und Varianten verschiedener chemischer Elemente und Verbindungen, die zusammen eine Art chemischen Fingerabdruck ergeben. In Bezug auf das Edelgas Neon ist diese Signatur beim normalen Oberflächenwasser praktisch überall identisch. "Wenn wir Wasser finden, das eine andere Zusammensetzung aufweist, ist das eine geologische Sensation", erklärt Lippmann-Pipke, "denn dann handelt es sich wahrscheinlich um Wasser, das über einen sehr langen Zeitraum nicht mit der Atmosphäre in Berührung gekommen ist." Solche Wasservorkommen sind in der tiefen Erdkruste zu finden oder im darunterliegenden Erdmantel.

Als die Geologen das Gestein des Kaapval-Kraton untersuchten, fanden sie heraus, dass der letzte gesteinsverändernde Prozess bereits vor zwei Milliarden Jahren stattfand. Zudem konnten Lippmann-Pipke und ihre Kollegen zeigen, dass einige Komponenten in dem Grundwasser, das sie in drei Kilometern Tiefe fanden, ebenso alt sind.

Dabei diente ihnen das Verhältnis von bestimmten Atomkernvarianten des Edelgases Neon als Basis für die Altersbestimmung. Neon mit einer solchen Zusammensetzung sei normalerweise im Gestein eingeschlossen, erläutert Lippmann-Pipke. "Dass wir es in dieser Form im Wasser finden, heißt, dass es über einen sehr langen Zeitraum eine Wechselwirkung zwischen dem Gestein und dem Wasser gegeben haben muss", sagt die Geologin.

Die Mikroorganismen, die die Forscher in der Flüssigkeit fanden, ernähren sich demnach nur von dem anorganischen Material, das von den umgebenden Gesteinsschichten stammt. Auf Licht und organische Nährstoffe können die Mikroben offenbar verzichten. Die Wissenschaftler glauben, dass sie deshalb eine der ersten und ursprünglichsten Lebensformen der Erde repräsentieren könnten.

In den Tiefen der Erde sei also durchaus ausreichend Nahrung für Lebensformen vorhanden, sagt Lippmann-Pipke. Derartige Tiefenbiosphären, wie die Lebensräume und ihre Bewohner genannt werden, können wertvolle Hinweise darauf liefern, wie das erste Leben auf der Erde entstand. Da die Untersuchung der Tiefenbiosphäre jedoch extrem aufwendig ist, sehen die Wissenschaftler in der sehr einfachen Analyse der Neon-Signatur eine gute Methode, erdgeschichtlich alte und damit vielversprechende Gewässer zu identifizieren.

cib/dapd



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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
frau trallala 21.02.2011
1. ...
Es gibt doch da diesen Spruch, dass jemandem die Sonne aus dem A... Allerwertesten scheint ;)
obacht! 21.02.2011
2. Wie bitte?
Ist nicht jeder einzelne Tropfen Wasser auf Erden so alt? Oder bildet sich Wasser in nennenswerten Ausmaß neu? Ich will auch Wissenschaftler sein!
arne_zbl 21.02.2011
3. ...
Zitat von obacht!Ist nicht jeder einzelne Tropfen Wasser auf Erden so alt? Oder bildet sich Wasser in nennenswerten Ausmaß neu? Ich will auch Wissenschaftler sein!
Sie glauben bestimmt an die Bibel oder? Dass auf einmal alles Leben, Pflanzen und auch Wasser da war? Irgendwie muss sich das alles nunmal auch bilden :)
Robert Hut, 21.02.2011
4. Omg
Zitat von obacht!Ist nicht jeder einzelne Tropfen Wasser auf Erden so alt? Oder bildet sich Wasser in nennenswerten Ausmaß neu? Ich will auch Wissenschaftler sein!
Besser nicht - das hätte wahrscheinlich die Qualitäten eines "Dr." Guttenberg: Ignoranz und unendliche Unwissenheit..
gfssfg 21.02.2011
5.
Zitat von obacht!Ist nicht jeder einzelne Tropfen Wasser auf Erden so alt? Oder bildet sich Wasser in nennenswerten Ausmaß neu? Ich will auch Wissenschaftler sein!
Egal welches Thema ich hier lese, der Bildungsstand dieser Nation, der sich hier widerspiegelt, ist erschreckend. In die Foren von RTL und Bild wage ich gar nicht zu schauen. Der gesamte Sauerstoff unserer Atmosphäre entstand durch biochemische Prozesse (Fotosynthese) bei denen sogar die doppelte Stoffmenge an Wasser verbraucht wurde. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Außerdem ist mit dieser Angabe das geologische Alter gemeint. Die einzelnen Atome können natürlich sehr viel älter sein. Wasserstoff theoretisch sogar so alt wie das Universum. Für Sauerstoff mussten erst eine Sonne sterben!
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