Südostasien Massive Korallenbleiche alarmiert Experten

Das Korallendreieck in Südostasien ist rund 15-mal so groß wie Deutschland - und offenbar in großen Schwierigkeiten. Umweltschützer berichten, dass in der Region massenhaft Korallen sterben. Zum Teil gehen auch Arten zu Grunde, die bisher als besonders widerstandsfähig galten.

Geschädigte Korallen (vor Australien): "Weitreichende Bleiche ist alarmierend"
AFP/ Southern Cross University

Geschädigte Korallen (vor Australien): "Weitreichende Bleiche ist alarmierend"


Singapur - Der Mechanismus ist bedrohlich: Wenn das Meer wärmer wird, dann werden viele Korallen krank und sterben ab. Das liegt daran, dass kleine Einzeller an der Oberfläche der Korallen, sogenannte Zooxanthellen, unter Stress abgestoßen werden. Das Problem: Bei der Aktion gehen auch die Korallen zugrunde. Übrig bleibt nur das helle Kalkgehäuse, Wissenschaftler sprechen von einer Korallenbleiche.

In Südostasien tritt das Problem nun in einem großen Gebiet gehäuft auf. Experten sind alarmiert: Von Malaysia über die Philippinen bis Indonesien seien im sogenannten Korallendreieck die Bestände bedroht, berichtet die Umweltschutzorganisation WWF. Seit März hätten 50 Experten und Organisationen über sterbende Korallen in der Region berichtet. In manchen Gebieten seien alle besonders gefährdeten Arten betroffen - darunter auch solche, die sich bislang als besonders resistent erwiesen hätten.

Im Korallendreieck, dessen Fläche etwa 15-mal so groß ist wie die von Deutschland, gibt es so viele verschiedene Korallen- und Fischarten wie nirgends sonst auf der Welt. Drei Viertel aller bekannten Korallenarten leben dort.

Nach Einschätzung der US-Ozean- und Wetterbehörde NOAA ist die Korallenbleiche die schlimmste seit 1997/98, als weltweit 16 Prozent aller Riffe abstarben. "In Südostasien hat es noch keine Korallenbleiche dieses Ausmaßes gegeben", sagt Sebastian Ferse vom Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das ist besonders problematisch wegen der hohen Biodiversität dort." Ferse arbeitet daran, Ersatzteile für beschädigte Korallenriffe im Labor herzustellen.

"Irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht"

Malaysia hat nach Angaben des WWF schon zwei Tauchgebiete bei den Tropeninseln Tioman und Redang teilweise geschlossen, weil die Korallen dort zu angegriffen sind. Der massive Ausbau des Tourismus auf den Inseln hat vermutlich zur Belastung der Korallen beigetragen.

Ferse geht davon aus, dass lang anhaltender Stress zu dem massiven Korallensterben geführt hat: Schadstoffeinleitung ins Wasser, chronische Überfischung und die Zerstörung von Habitaten seien die Ursachen. "Irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht", sagt der Wissenschaftler.

Vor den philippinischen Küsten in Anilao und Nasugbu sei es zu Bleichen gekommen. Vor Taytay seien Korallen, die normalerweise grün und braun seien, nun pink, orange und gelb, berichten die WWF-Experten - ein Anzeichen für bevorstehendes Ausbleichen. Auch hier hat es in der Vergangenheit immer wieder Berichte über Umweltsünden gegeben.

In Indonesien seien unter anderem die Küsten von Sabang, Aceh, Padang und das Inselgebiet vor Jakarta betroffen.

"Die weitreichende Bleiche ist alarmierend, weil das unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit der Meere hat", sagte Richard Leck, ein Klimaexperte im WWF-Programm für das Korallendreieck. "Die Fischgründe der Weltmeere ernähren Millionen von Menschen."

chs/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.