Südsee: Biologen entdecken Aal aus der Urzeit

Dicker Kopf, große Flossenstrahlen, ein Kragen vor den Kiemen: In einer Unterwasserhöhle in der Südsee haben Biologen einen fremdartigen Aal entdeckt - er stammt aus der Urzeit. Vor 220 Millionen Jahren wurden die Tiere von ihrer Aalverwandtschaft getrennt.

Protoanguilla palau: "Lebendes Fossil" Zur Großansicht
AFP/ Chiba-Muse/ Jiro Sakaue

Protoanguilla palau: "Lebendes Fossil"

London - In einer Höhle auf der Südseeinsel Palau haben Forscher einen 17 Zentimeter kurzen aalartigen Fisch entdeckt. Der Fisch hat die Biologen überrascht: Seine Merkmale zeigen eine wilde Mischung aus den Merkmalen moderner Aale und solchen, die bisher nur von Millionen Jahre alten Fossilien bekannt waren. Die genaue Untersuchung zeigt, dass die Art ein "lebendes Fossil" darstellt, berichten Masaki Miya vom Naturkundemuseum in Chiba (Japan) und seine Kollegen in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Die Fische sind seitlich abgeflacht und haben einen für Aale unproportional großen Kopf. Im Gegensatz zu heutigen Aalen haben sie deutliche Flossenstrahlen in der Schwanzflosse und eine Art von kleinem Kragen vor den Kiemen. Die meisten Unterschiede zeigten sich aber in der inneren Knochenstruktur des Kopfes. Darunter seien solche, die selbst primitiver erscheinen als bei bisher bekannten, hundert Millionen Jahre alten Fossilien, schreibt das Team.

Aus diesem Grund wurde das nun entdeckte Tier in eine eigene, neue Aalfamilie einsortiert. Es bekam den wissenschaftlichen Namen Protoanguilla palau. Das ist durchaus eine kleine Sensation: Während Tierarten und -gattungen häufiger neu entdeckt werden, ist die Schaffung einer neuen Familie im Tierreich deutlich seltener.

Auch das Erbgut seiner Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, weist auf ein lebendes Fossil hin. Der Vergleich mit 58 anderen Aalarten zeigte, dass das Tier ein echter Aal ist, seine Entwicklung aber wahrscheinlich sehr lange getrennt von seiner Verwandtschaft verlief. Den Berechnungen zufolge trennten sich ihre Wege bereits vor etwa 220 Millionen Jahren, also zu Zeiten der ersten Dinosaurier, als die Landmassen der Erde einen gewaltigen Riesenkontinent bildeten. Das nun entdeckte "lebende Fossil" sei vermutlich der älteste Überlebende der gesamten Gruppe der Aalartigen.

boj/dpa/dapd

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1. Ein Hoch auf die Paläontogastronomie.
propagandhi 17.08.2011
Zitat von sysopDicker*Kopf,*große Flossenstrahlen, ein Kragen vor den Kiemen: In einer Unterwasserhöhle in der Südsee haben Biologen einen fremdartigen Aal entdeckt - er stammt*aus der Urzeit. Vor 220 Millionen Jahren wurden die Tiere von ihrer Aalverwandtschaft getrennt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,780752,00.html
Ich habe festgestellt, dass man, wenn man konsequent den 'Fisch des Tages' bestellt, öfter mal interessante Fossilien auf dem Teller hat.
2. ...
Barksdale 17.08.2011
Zitat von propagandhiIch habe festgestellt, dass man, wenn man konsequent den 'Fisch des Tages' bestellt, öfter mal interessante Fossilien auf dem Teller hat.
Ein solches Geschehnis wäre mir allerdings lieber, als einen im Dreck suhlenden, Naturzerstörenden, Pangasius aus dem versifften Mekong Delta serviert zu bekommen.
3. oooo
inci 17.08.2011
Zitat von BarksdaleEin solches Geschehnis wäre mir allerdings lieber, als einen im Dreck suhlenden, Naturzerstörenden, Pangasius aus dem versifften Mekong Delta serviert zu bekommen.
wer ist denn so was? nehmen sie lieber den victoria barsch aus dem victoriasee.......... :-))
4. ...
Celegorm 17.08.2011
Zitat von inciwer ist denn so was? nehmen sie lieber den victoria barsch aus dem victoriasee.......... :-))
Das ist ein Marketingname, die korrekte Bezeichnung ist Nilbarsch. Und dieser ist letztlich nur als eingeschränkt heikel zu betrachten, zumindest kann man eine deutlich schlechtere Wahl punkto Fisch treffen. Zumal der Konsum allenfalls ökologisch, aber nicht gesundheitlich problematisch ist. PS: Weshalb man eine interessante Meldung mit einer Kaskade dröge misslungener Kalauer verzieren muss erscheint mir eher unklar.
5. oooo
inci 17.08.2011
Zitat von CelegormDas ist ein Marketingname, die korrekte Bezeichnung ist Nilbarsch. Und dieser ist letztlich nur als eingeschränkt heikel zu betrachten, zumindest kann man eine deutlich schlechtere Wahl punkto Fisch treffen. Zumal der Konsum allenfalls ökologisch, aber nicht gesundheitlich problematisch ist. PS: Weshalb man eine interessante Meldung mit einer Kaskade dröge misslungener Kalauer verzieren muss erscheint mir eher unklar.
sind sie mal nicht so streng. vielleicht war mir und den anderen foristen einfach danach.......
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