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Südsee: Vulkan spuckt Eiland im Pazifik aus

In einem Meer von Steinen fand sich eine Segeljacht auf dem Weg von Tonga nach Fidschi unversehens wieder. Ein Vulkan war ausgebrochen und hatte eine neue Insel gebildet. Sogar aus dem Weltall kann man sie sehen.

"Zuerst dachten wir, dass hier Öl verklappt worden ist", berichtet Fredrik Fransson, Kapitän der Segeljacht "Maiken". Doch dieser Eindruck trog. "Da waren steinartige bräunliche Dinge von der Größe einer Faust im Wasser. Das Wasser war seltsam grün, wie in einer Lagune." Die Beobachtung, von der Fransson in seinem Weblog berichtet, klingt wie aus Seemannsgarn gesponnen. Doch die Fotos, die er und seine Crew in der Südsee aufgenommen haben, belegen den Bericht. Der Pazifik westlich von Tonga sieht aus wie mit Schotter bedeckt. "Wir fuhren in einen großen, viele Meilen breiten Gürtel eng gepackten Bimssteins", schreibt Fransson. Bimsstein entsteht aus der heißen Asche eines Vulkanausbruchs.

Als die Jacht langsamer wurde, stellten die Segler fest: Die Öffnungen, durch die Seewasser zum Kühlen des Motors angesaugt wird, waren mit dem vulkanischen Material verstopft. Sie konnten es gerade noch rechtzeitig entfernen. "Ohne Wind wären wir in einem Meer aus Steinen gefangen gewesen, wenn der Motor ausgefallen wäre", notiert Fransson. Er drehte in östliche Richtung ab, "um aus der steinigen See herauszukommen".

Am nächsten Tag fanden die Segler heraus, woher der schwimmende Bimsstein stammte. "Vor ein paar Stunden haben wir den aktiven Vulkan ausmachen können", schrieb Fransson in seinem Weblog. Es handelt sich um einen Feuerberg in der Nähe des Home-Riffs auf der Route von Tonga zu den Fidschi-Inseln.

Ein Bimssteinmeer und Feuer, Asche, Rauch

Aus knapp vier Kilometern Entfernung beobachteten die Segler einen Vulkan von rund zwei Kilometern Durchmesser, mit vier Spitzen und einem zentralen Krater, aus dem Rauch und immer wieder Lava und Asche schossen. Hier stieg eine neue Insel aus dem Pazifik. "Vielleicht können wir ja Anspruch auf die Insel erheben und sie taufen", meinte der Kapitän Mitte August.

Auch Siaosi Fanukitau, der Kapitän eines Fischerbootes, berichtete von der Entstehung einer neuen Vulkaninsel in dem Seegebiet. Bei den Behörden von Tonga gab es noch keine Bestätigung dafür. Richard Wunderman vom Fachdienst "Bulletin of the Global Volcanism Network" sagte, es gebe Berichte über große Bimsstein-Ansammlungen im Gebiet der Fidschi-Inseln.

Anfang Oktober legte die "Maiken" unbeschadet im Hafen von Brisbane in Australien an. Das Weblog der Besatzung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Später, schrieb Fransson in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE, sei er sogar von der Nasa kontaktiert worden. Die US-Raumfahrtbehörde habe ihn darüber informiert, dass die Vulkaninsel noch immer existiere. "Manchmal werden die ganz schnell wieder vom Wind und den Wellen verschluckt", so Fransson.

Auf einem Satellitenbild, das die Nasa am 10. Oktober aufgenommen hat, ist die Home-Riff-Insel noch klar zu erkennen. Sie sei "wiedergeboren" worden, teilte die Raumfahrtbehörde mit: "Im Jahr 2004 hat ein vergleichbarer Ausbruch eine kurzlebige Insel von rund einem halben mal anderthalb Kilometern Größe geschaffen."

Die Jacht "Maiken" hat ihre Begegnung mit den Trümmern des Vulkanausbruchs gut überstanden. Kapitän Fransson berichtet von keinen Schäden - abgesehen von Macken in der Außenlackierung. Sie sei entlang der Wasserlinie abgerieben worden - "als ob wir durch Schmirgelpapier gesegelt wären".

stx/AP

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Südsee: Vulkan bildet neue Insel

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