Statistische Auswertung Supervulkane brechen häufiger aus als gedacht

Der Ausbruch eines Supervulkans könnte Millionen Menschen das Leben kosten. Im Durchschnitt passiert eine solche Mega-Eruption alle 17.000 Jahre - doch die letzte ist schon mehr als 26.000 Jahre her. Grund zur Panik?

Lake Taupo in Neuseeland
REUTERS

Lake Taupo in Neuseeland


Es ist eine harmonische Landschaft. Sanft plätschern die Wellen auf dem Lake Taupo, dem größten See Neuseelands. Sattgrüne Berge steigen an den Ufern auf 500 bis 700 Meter Höhe an. Etwas weiter entfernt wird die Landschaft der Nordinsel dramatischer, hier stehen die schneebedeckten Vulkane Mount Tongariro und Mount Ngauruhoe.

Doch auch der 622 Quadratkilometer große Lake Taupo - zum Vergleich: der Bodensee kommt mit Ober und Untersee nur auf 536 Quadratkilometer - verdankt seine Existenz einem Vulkan. Und der war unfassbar groß.

Die folgenschwerste Explosion dieses Taupo-Vulkans ist der sogenannte Oruanui-Ausbruch. Er fand vor etwa 26.500 Jahren statt. Das war deutlich, bevor Menschen überhaupt sesshaft wurden - geschweige denn, bevor sie nach Neuseeland kamen. Ackerbau betreibt die Menschheit seit etwa 17.000 Jahren, die ersten Siedler erreichten Neuseeland vermutlich vor rund 800 Jahren.

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Beim Oruanui-Ausbruch wurden Schätzungen zufolge unvorstellbare 1170 Kubikkilometer an Material aus dem Erdinneren ausgeworfen. Auf den rund 1000 Kilometer von der Gegend entfernten Chatham-Inseln lassen sich bis zu 18 Zentimeter dicke Schichten von Vulkanasche dieses Ausbruchs nachweisen.

Das Wüten am Taupo gilt unter Geologen als die bisher letzte Eruption eines sogenannten Supervulkans. "Alles in allem können wir ein bisschen glücklich sein, seither keine Supereruption erlebt zu haben", sagt Jonathan Rougier, Statistiker an der Universität im britischen Bristol.

Und Rougier muss es wissen, er ist schließlich einer der Autoren einer aktuellen Studie, wonach solche Supereruptionen erdgeschichtlich gesehen deutlich häufiger vorkommen als bisher angenommen - im Durchschnitt vermutlich alle 17.000 Jahre (wobei der tatsächliche Wert zwischen 5200 und 48.000 Jahren schwanken könnte).

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Vulkane: Wenn die Erde explodiert

In der Fachzeitschrift "Earth and Planetary Science Letters" berichten die Forscher von ihren zugrundeliegenden Analysen in der "Large Magnitude Explosive Volcanic Eruptions Database". Bislang war man davon ausgegangen, dass entsprechende Supereruptionen nur in einem Abstand von 45.000 bis 714.000 Jahre auftreten.

Als Supereruption bezeichnen Forscher Ereignisse, bei denen mindestens 1000 Gigatonnen Gesteinsschmelze aus dem Erdinnern ausgeworfen werden. Die bei solch einem Ereignis entstehende Aschewolke kann einen ganzen Kontinent bedecken und das Weltklima dauerhaft verändern. Im schlimmsten Fall könnten Millionen von Menschen sterben.

Größte Desaster der Zukunft

Rougier macht aber auch eines klar: Dass es seit dem Taupo-Ausbruch keine Supereruption gegeben hat, bedeutet nicht, dass solch ein Ereignis sozusagen überfällig ist. "So regelmäßig arbeitet die Natur nicht." Man könne aber durchaus sagen, dass Vulkane für die menschliche Zivilisation bedrohlicher seien als bisher geglaubt.

Es gebe aber keinen Grund, sich auf eine Supereruption vorzubereiten. Die Menschheit habe andere wichtige Themen, die für diese und kommende Generationen wichtig seien, so Rougier.

chs



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Seite 1
rational_bleiben 01.12.2017
1.
Anders als beim Ausbleiben von Asteroiden- oder Kometeneinschlägen steigt mit dem Ausbleiben der Supererruptionen tatsächlich die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses, nur eben sehr, sehr langsam und innerhalb eines Menschenlebens nicht mit Relevanz hinsichtlich der Risikobewertung.
Fuxx81 01.12.2017
2. Aufschieberitis
---Zitat--- Es gebe aber keinen Grund, sich auf eine Supereruption vorzubereiten. Die Menschheit habe andere wichtige Themen, die für diese und kommende Generationen wichtig seien, so Rougier. ---Zitatende--- Es gibt immer wichtigere Probleme. Bis es dann plötzlich so weit ist. Es schadet nicht, sich schon mal Gedanken zu machen, wie man als Zivilisation auf eine solche Katastrophe reagieren könnte.
hubert heiser 01.12.2017
3. Aufschieberitis?
Zitat von Fuxx81Es gibt immer wichtigere Probleme. Bis es dann plötzlich so weit ist. Es schadet nicht, sich schon mal Gedanken zu machen, wie man als Zivilisation auf eine solche Katastrophe reagieren könnte.
So, wie wir derzeit mit der Erde umgehen, ist der mögliche Ausbruch eines Supervulkans wohl das kleinste unserer Probleme. Man kann sich aber wunderbar damit beschäftigen, um den unangenehmen drängenden Problemen aus dem Weg zu gehen.
mwroer 01.12.2017
4.
Zitat von Fuxx81Es gibt immer wichtigere Probleme. Bis es dann plötzlich so weit ist. Es schadet nicht, sich schon mal Gedanken zu machen, wie man als Zivilisation auf eine solche Katastrophe reagieren könnte.
Das hat man. Jedes Land mit aktiven Vulkanen hat entsprechende Szenarien und in jedem Land wird Ihnen empfohlen für 2 Wochen Lebensmittel, Nahrung und Dinge die Sie für das tägliche Überleben brauchen vorzuhalten. Dann greifen die die normalen Katastrophenpläne - das reicht. Die Welt geht nicht unter wenn ein solcher Vulkan ausbricht, es wird lediglich in einem Teil ein bisschen dunkler und ungemütlicher - für eine Weile. Mittlerweile leben wir in Häusern mit Heizung und die Konsequenzen sind für jeden der 500 Kilometer oder mehr entfernt wohnt wirklich tragbar. 18 cm dicke Ascheschichten bedeuten im schlimmsten Fall Ernteausfall und eine Übersäuerung des Bodens. Beides lässt sich kompensieren. Ehrliche Frage, bitte spontan beantworten, wie haben Sie sich darauf vorbereitet dass heute der Strom für über eine Woche ausfällt? Gar nicht? Seltsam - denn die Wahrscheinlichkeit ist wesentlich höher als die das Sie, in Deutschland, irgendwelche Folgen durch den Ausbrauch eines Supervulkanes zu tragen haben.
Montezuma10 01.12.2017
5.
Zitat von hubert heiserSo, wie wir derzeit mit der Erde umgehen, ist der mögliche Ausbruch eines Supervulkans wohl das kleinste unserer Probleme. Man kann sich aber wunderbar damit beschäftigen, um den unangenehmen drängenden Problemen aus dem Weg zu gehen.
Hinzu kommt, dass wir keine Möglichkeit haben, uns auf einen Ausbruch eines Supervulkans in irgend einer Art und Weise als Menschheit oder als Individuum vorzubereiten. Das ist illusorisch. Eine solche Riesenkatastrophe wäre mit ziemlicher Sicherheit das globale Ende jeglicher Zivilisation auf einen Schlag. Etwaige Überlebende fänden sich wohl als Jäger und Sammler in einer lang anhaltenden Eiszeit wieder. Ähnliches gilt für den Einschlag eines großen Asteroiden. Es lohnt nicht (außer für Wissenschaftler), sich darüber Gedanken zu machen, wenn aktuelle Probleme einerseits lösbar und andererseits auf lange Sicht für die Menschheit genauso bedrohlich sind. Gegen Kriege, Genozide, Atomwaffen, Seuchen, Umweltzerstörung, Klimawandel usw. könnte man bereits heute etwas tun.
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