Kolumbien Kind entdeckt unbekannte Froschart im Swimmingpool

Der sechsjährige Camilo aus dem Nordosten Kolumbiens ist ein Entdecker. Er hat eine bisher unbekannte Froschart aufgespürt - und gleich aus einer misslichen Lage befreit: Das Tier war ins Schwimmbecken der Familie gefallen.

WWF/DPA

Bogota - Ein sechsjähriger Junge hat im Nordosten Kolumbiens im Swimmingpool seiner Eltern eine neue Froschart entdeckt. Das Tier, das er aus dem Wasser fischte, sei gerade einmal zwei Zentimeter groß gewesen, teilte die Umweltschutzorganisation WWF mit. Deren Experten waren zusammen mit Kollegen zufällig gerade auf der Farm von Camillos Eltern zu Gast. So konnte der Fund schnell wissenschaftlich bestimmt werden.

Die Fachleute waren eigentlich für ein von der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördertes Forschungsprojekt vor Ort. Bei dem Vorhaben namens "Sulu" geht es um nachhaltige Landnutzung im kolumbianischen Orinoco-Becken und auf den indonesischen Inseln Sumatra und Kalimantan. Die Wissenschaftler sollten dafür eine zoologische und botanische Bestandsaufnahme in der Region vornehmen und vergleichen, wie es um die Artenvielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Vergleich zu naturbelassenen Arealen steht.

Insgesamt drei Exemplare gefunden

Doch dann kam der Frosch im Pool. Einen wissenschaftlichen Namen für die neue Art gibt es noch nicht. Bis er wissenschaftlich bestimmt ist, heißt er wie sein Entdecker: Camilo IV - weil auch schon Vater und Großvater des Jungen diesen Vornamen trugen.

Der neu entdeckte Frosch gehört dem WWF zufolge vermutlich zu den Engmaulfröschen (Microhylidae), einer artenreichen, in bestimmten Regionen Amerikas, Afrikas, Asiens und Australiens vorkommenden Froschgruppe. Ein Gentest soll zweifelsfrei belegen, dass es sich tatsächlich um eine neue Art handelt. Zwei weitere Exemplare des Frosches konnten die Forscher nach dem Fund im Pool noch aufspüren.

Oft lebten die Tiere in Übergangszonen von Savannen zu Galeriewäldern. "Leider schreitet in der Gegend die Naturzerstörung so schnell voran, dass viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden", so Amphibienforscher Daniel Cuentas. Er hatte die wissenschaftliche Klassifikation des Tieres vorgenommen. Sein scherzhaftes Fazit: "Schwimmbäder dürften nicht zum typischen Habitat des Frosches gehören".

chs/dpa



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