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Synthetische Biologie Leben aus dem Lego-Baukasten

8. Teil: Gefahren und Risiken der synthetischen Biologie

Die Ausbreitung von Bakterien kann man schlecht kontrollieren. Stellt sich also auch die Frage: Was passiert, wenn künstlich hergestellte Mikroben in die freie Wildbahn geraten?

Jay Keasling von der University of California meint im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Unsere Mikroben würden nicht viel Schaden anrichten, wenn sie in die Umwelt gelangten." Der Grund: Zum einen seien es typische Organismen wie E. Coli und Hefe. Zudem sind sie so verändert, dass sie auf bestimmte Nahrungszusätze angewiesen sind. "Es wäre unwahrscheinlich, dass sie in freier Wildbahn überleben könnten."

Das sei ein wichtiger Sicherheitsmechanismus, den man bei künstlichem Leben immer mit einbauen sollte, sagt Harvard-Forscher George Church: "Man könnte die Mikroben abhängig von Nahrungszusätzen machen, die sie in freier Natur nicht finden würden." Zum Beispiel von Aminosäuren, die natürlicherweise nicht vorkommen.

Dennoch bliebe die Gefahr, dass ausgebüchste künstliche Bakterien zumindest so lange überleben, dass sie ihre Biobricks an natürliche Artgenossen weitergeben. Dem einen Riegel vorzuschieben, wäre ebenfalls möglich, meint Church: Indem man den genetischen Code des Bakteriums so ändert, dass er inkompatibel wird mit seinen natürlichen Vettern.

Die womöglich größte Gefahr geht offenbar vom Menschen selbst aus. Wie verhindert man, dass sich Terroristen gefährliche Mikroben zusammenbauen? Das ist eher ein politisches Problem: "Wir brauchen internationale Richtlinien und Überwachung", fordert Church.

In einer Stellungnahme zur Synthetischen Biologie meinte die Deutsche Forschungsgemeinschaft Im Juli 2009, dass hinsichtlich der biologischen Sicherheit und des Missbrauchsrisikos "die bestehenden Gesetze in Deutschland nach dem heutigen Forschungsstand ausreichend" seien.

Sie empfiehlt jedoch folgende Maßnahmen:

  • Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) zu beauftragen, ein wissenschaftliches Monitoring durchzuführen, um die aktuellen Entwicklungen sachverständig und kritisch zu begleiten.
  • Für Freisetzungen und Handhabung in geschlossenen Systemen von Organismen der Synthetischen Biologie, die keinen Referenzorganismus in der Natur haben, klar definierte Kriterien zur Risikoabschätzung festzulegen.

Um Missbrauch vorzubeugen, wird empfohlen, "eine Kontaktstelle mit einer standardisierten Datenbank zur Überprüfung der DNA-Sequenzen einzurichten, an die sich Unternehmen bei fragwürdigen Bestellungen wenden können."

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insgesamt 596 Beiträge
günter1934 30.12.2009
In einem Land dürfen Sie es, werden vielleicht sogar dazu angehalten, in anderern Ländern nicht. Aber wenn es technisch möglich ist, wird es garantiert gemacht. Dauert aber noch.
Zitat von sysopDie Möglichkeiten der Forschung, von Entdeckern zu Schöpfern zu werden, haben sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Auch das Erzeugen von Leben unter Laborbedingungen erscheint möglich. Trotz aller ethischen Vorbehalte - dürfen Wissenschaftler im Labor künstliches Leben erschaffen?
In einem Land dürfen Sie es, werden vielleicht sogar dazu angehalten, in anderern Ländern nicht. Aber wenn es technisch möglich ist, wird es garantiert gemacht. Dauert aber noch.
Kryoniker 30.12.2009
Gegenfrage: Ist Leben, wenn es einmal da ist, überhaupt noch "künstlich"? Ich weiß nicht, inwieweit wir hier über Science fiction reden und ob ich das überhaupt noch einmal miterleben werde, daß da etwas im Labor [...]
Gegenfrage: Ist Leben, wenn es einmal da ist, überhaupt noch "künstlich"? Ich weiß nicht, inwieweit wir hier über Science fiction reden und ob ich das überhaupt noch einmal miterleben werde, daß da etwas im Labor Zusammengebasteltes "zu zappeln beginnt", aber Wissenschaftler dürfen dergleichen tun, ja. Es würde mit Sicherheit lange ethische Debatten geben; die katholische Kirche, die dem ungeborenen Leben mehr Schutz zukommen läßt als dem geborenen, bekäme noch einmal die Gelegenheit, sich als wichtig und unentbehrlich darzustellen, aber am Ende wird sowieso getan, was möglich ist. Die Vorstellung vom "künstlichen Leben" beflügelt seit jeher die Phantasie der Menschen, und das nicht erst seit "Frankenstein".
Daniel28 30.12.2009
Sie müssen sogar. Nur wenn Leben unter Laborbedingungen geschaffen werden kann, können gute Hypothesen entwickelt werden, wie Leben unter natürlichen Bedingungen entstanden sein könnte. Natürlich kann das kein Beweis sein, aber [...]
Sie müssen sogar. Nur wenn Leben unter Laborbedingungen geschaffen werden kann, können gute Hypothesen entwickelt werden, wie Leben unter natürlichen Bedingungen entstanden sein könnte. Natürlich kann das kein Beweis sein, aber doch ein Hinweis. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie Leben auf der Erde entstanden ist, sondern auch, wie wahrscheinlich Leben in anderen Teilen des Universums ist.
Daniel28 30.12.2009
Wenn es nicht durch "natürliche Auslese" sondern durch "künstliche Auslese" entstanden ist, dann darf das Attribut "künstlich" wohl gebraucht werden. ---Zitat--- Ich weiß nicht, inwieweit wir [...]
Zitat von KryonikerGegenfrage: Ist Leben, wenn es einmal da ist, überhaupt noch "künstlich"?
Wenn es nicht durch "natürliche Auslese" sondern durch "künstliche Auslese" entstanden ist, dann darf das Attribut "künstlich" wohl gebraucht werden. ---Zitat--- Ich weiß nicht, inwieweit wir hier über Science fiction reden und ob ich das überhaupt noch einmal miterleben werde, daß da etwas im Labor Zusammengebasteltes "zu zappeln beginnt", ---Zitatende--- Das hängt davon ab, wie eng man "künstliches Leben" begreifen will. Wenn wir nur natürliche Komponenten neu zusammensetzen also DNA künstlich synthetisieren und in eine geeignete Bakterienhülle mit entsprechenden Zellapparaten einbauen, dürfte das nicht mehr allzu fantastische Zukunftsmusik sein. Wenn man jetzt aber völlig neue biochemische Regelkreise entwickeln wollte, mit z.B. PNA statt DNA, komplett anderen Aminosäuren (oder auch etwas ganz anderes) etc., dann sprechen wir noch von sehr weiter Zukunft. Und wenn es dann noch um "höhere Organismen" also komplexe Mehrzeller geht, dann wird es noch viel schwieriger
Hermes75 30.12.2009
In der Tat müsste man heir erstmal klären was unter "künstliches Leben erschaffen" denn wirklich gemeint ist? Zellkulturen anlegen oder am genom von Lebewesen herumzupfuschen ist ja nun nichts mehr neues, aber das [...]
Zitat von KryonikerGegenfrage: Ist Leben, wenn es einmal da ist, überhaupt noch "künstlich"? Ich weiß nicht, inwieweit wir hier über Science fiction reden und ob ich das überhaupt noch einmal miterleben werde, daß da etwas im Labor Zusammengebasteltes "zu zappeln beginnt", aber Wissenschaftler dürfen dergleichen tun, ja. Es würde mit Sicherheit lange ethische Debatten geben; die katholische Kirche, die dem ungeborenen Leben mehr Schutz zukommen läßt als dem geborenen, bekäme noch einmal die Gelegenheit, sich als wichtig und unentbehrlich darzustellen, aber am Ende wird sowieso getan, was möglich ist. Die Vorstellung vom "künstlichen Leben" beflügelt seit jeher die Phantasie der Menschen, und das nicht erst seit "Frankenstein".
In der Tat müsste man heir erstmal klären was unter "künstliches Leben erschaffen" denn wirklich gemeint ist? Zellkulturen anlegen oder am genom von Lebewesen herumzupfuschen ist ja nun nichts mehr neues, aber das hat nichts mit "Leben erschaffen" zu tun. Dass es in absehbarer Zeit gelingt auch nur eine Zelle künstlich zusammenzusetzen und "zum Leben zu erwecken". Wenn die Wissenschaft es aber irgendwann mal kann, warum nicht? Bleibt nur die Frage warum man das tun sollte, wofür das gut ist und welche Risiken davon ausgehen. Die Erfahrung zeigt schließlich, dass es äußerst schwierig sein kann gewisse Organismen wieder loszuwerden, wenn sie einmal da sind.
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Illustration Guy Billout für den SPIEGEL

Heft 01/2010:
Die Schöpfung im Labor

Forscher auf der Suche nach der Formel des Lebens

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