Von Jens Lubbadeh
Die Ausbreitung von Bakterien kann man schlecht kontrollieren. Stellt sich also auch die Frage: Was passiert, wenn künstlich hergestellte Mikroben in die freie Wildbahn geraten?
Jay Keasling von der University of California meint im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Unsere Mikroben würden nicht viel Schaden anrichten, wenn sie in die Umwelt gelangten." Der Grund: Zum einen seien es typische Organismen wie E. Coli und Hefe. Zudem sind sie so verändert, dass sie auf bestimmte Nahrungszusätze angewiesen sind. "Es wäre unwahrscheinlich, dass sie in freier Wildbahn überleben könnten."
Das sei ein wichtiger Sicherheitsmechanismus, den man bei künstlichem Leben immer mit einbauen sollte, sagt Harvard-Forscher George Church: "Man könnte die Mikroben abhängig von Nahrungszusätzen machen, die sie in freier Natur nicht finden würden." Zum Beispiel von Aminosäuren, die natürlicherweise nicht vorkommen.
Dennoch bliebe die Gefahr, dass ausgebüchste künstliche Bakterien zumindest so lange überleben, dass sie ihre Biobricks an natürliche Artgenossen weitergeben. Dem einen Riegel vorzuschieben, wäre ebenfalls möglich, meint Church: Indem man den genetischen Code des Bakteriums so ändert, dass er inkompatibel wird mit seinen natürlichen Vettern.
Die womöglich größte Gefahr geht offenbar vom Menschen selbst aus. Wie verhindert man, dass sich Terroristen gefährliche Mikroben zusammenbauen? Das ist eher ein politisches Problem: "Wir brauchen internationale Richtlinien und Überwachung", fordert Church.
In einer Stellungnahme zur Synthetischen Biologie meinte die Deutsche Forschungsgemeinschaft Im Juli 2009, dass hinsichtlich der biologischen Sicherheit und des Missbrauchsrisikos "die bestehenden Gesetze in Deutschland nach dem heutigen Forschungsstand ausreichend" seien.
Sie empfiehlt jedoch folgende Maßnahmen:
Um Missbrauch vorzubeugen, wird empfohlen, "eine Kontaktstelle mit einer standardisierten Datenbank zur Überprüfung der DNA-Sequenzen einzurichten, an die sich Unternehmen bei fragwürdigen Bestellungen wenden können."
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