Prognose Klimawandel treibt Getreidepreise hoch

Forscher haben berechnet, wie sich Ernteerträge im Laufe der Erderwärmung verändern könnten. Die Simulationen zeigen einen deutlichen Preissprung bei den wichtigsten Getreidesorten. Doch die Unsicherheiten der Rechnungen sind groß.

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Dürre in Indiana, USA: Mehr Trockenheit in südlichen Breiten vorhergesagt
AFP

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Potsdam - Sagt ein Klimaforscher: "Mein Klimamodell funktioniert wirklich gut." Fragt ein Politiker: "Wirklich?" Antwortet der Wissenschaftler: "Nicht wirklich wirklich."

Der auf Konferenzen oft erzählte Witz zeigt, dass Selbstironie zum Repertoire von Forschern gehört, die das Klima vorhersagen - denn ihre Ergebnisse sind nicht selten unsicher. Einer aktuellen Umfrage zufolge glaubt nur eine Minderheit der Klimaforscher, die Prognosen seien "ausreichend präzise". Gleichwohl rekonstruieren Großcomputer anhand von Abermillionen Rechnungen das Klima der Vergangenheit mitunter erstaunlich realistisch, weshalb zumindest grobe Zukunftstrends als recht verlässlich gelten.

Nun wagen Forscher eine Prognose, wie der Klimawandel landwirtschaftliche Erträge global verändern könnte. Bis 2050 könnte die Erderwärmung die Ernte verknappen, so dass die Preise für Weizen, Reis, Mais und Soja im fünfjährigen Durchschnitt 10 bis 60 Prozent höher lägen als ohne Klimawandel. Dürren könnten die Preise zeitweise noch weitaus höher treiben, heißt es in der internationalen Großstudie "AgMIP", die auf der Tagung "Impacts World" in Potsdam vorgestellt wurde. Das Ergebnis soll in den nächsten Uno-Klimabericht einfließen.

Landwirtschaft im Klimawandel

Für die Prognose haben Wissenschaftler die Wirkung des Klimawandels auf den Getreidehandel berechnet: Zunächst modellierten sie die Witterung der nächsten Jahrzehnte. Zugrunde gelegt wurde die Annahme, dass ungebremster Treibhausgasausstoß die Luft weiter erwärmen wird. Die Ergebnisse von fünf Klimamodellen wurden dann eingespeist in Computermodelle, die die Wirkung des Klimas auf Getreide berechnen.

Anhand der Ernteerträge wiederum simulierten neun ökonomische Modelle, wie sich im Welthandel neue Marktpreise für die wichtigsten Getreidesorten einstellen. Die Prognosen gründeten auf der Annahme, dass die Weltbevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts auf neun Milliarden wächst und auch die Wirtschaftsleistung stetig zunimmt.

Die Unsicherheiten der Szenarien seien zwar erheblich, räumt die Umweltforscherin Cynthia Rosenzweig vom US-Forschungsinsitut Nasa ein, die die Berechnungen koordiniert. Allerdings hätten neuere Modelle die Ernteentwicklung vergangener Jahrzehnte zufriedenstellend nachgebildet. Folglich ließen sich erste Trends ableiten.

CO2 düngt Getreide

Ein entscheidender Effekt sei, dass zahlreiche Anbaugebiete etwa in Südeuropa oder Südasien im Zuge des Klimawandels den Modellen zufolge weniger Niederschlag abbekommen könnten, berichtet Agrarökonom Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Die Düngewirkung des Treibhausgases CO2 auf das Getreidewachstum und die Ausdehnung von Anbauflächen in höhere Breiten dürften die regional vermehrte Trockenheit nicht ausgleichen können, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Manche Unsicherheiten der Rechnungen legten Forscher auf der Potsdamer Tagung offen. Während globale Klimamodelle bereits recht robust erscheinen, wird die Simulation von Getreideflächen erst seit wenigen Jahren praktiziert. Entsprechend grob sind die Modelle gestrickt. Selbst die Atmung der Pflanzen wird bislang nicht ausreichend dargestellt - sie entscheidet allerdings wesentlich über das Wachstum.

Die Unsicherheit der Szenarien gründet zudem auf mangelndem Verständnis der Natur: Wie sich der Düngeeffekt der Treibhausgase, Temperatur und Niederschlag auf Getreide tatsächlich auswirken, sei Gegenstand aktueller Forschung, räumt Rosenzweig ein.

Geld finden

Die größten Unsicherheiten aber lauern in den Simulationen der Weltwirtschaft. Sie beruhen auf heutigen Handelsbeziehungen. Technologische Neuerungen, etwa die Entwicklung ergiebiger Reissorten, gehen lediglich als pauschaler Faktor in die Berechnungen ein. "Die Schätzungen steigender landwirtschaftlicher Produktivität beruhen auf historischen Erfahrungen", sagt Agrarforscher Lotze-Campen. Mehr als einen groben Trend liefere das Ergebnis zwar nicht. Gleichwohl ermögliche es, den Einfluss des Klimas im Vergleich zu anderen Effekten auf die Welternährung zu identifizieren.

Um die Prognosen zu verbessern, fordern Wissenschaftler mittlerweile eine Generalüberholung der Computermodelle. Es sei nicht damit getan, ständig neue Faktoren in den Rechnungen zu ergänzen, schreiben Björn Stevens vom Max-Planck-Institut für Meteorologie und Sandrine Bony von der Université Pierre et Marie Curie in Paris in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science". Vielmehr müssten die grundlegenden Klimaprozesse besser beschrieben werden.

Insbesondere der Einfluss der Wolken auf das Klima müsse genauer dargestellt werden, ergänzt der Klimamodellierer Reto Knutti von der ETH Zürich. Für solch fundamentale Verbesserungen jedoch fehle es an Zeit und Kapital: "Es ist heute einfacher, Geld zu finden, um den Einfluss einer Käferart auf den Wald in ein globales Klimamodell einzubauen, als die fundamentalen alten Defizite der Modelle anzupacken." Einstweilen wird man sich also auf grobe Trends verlassen müssen.

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ostehrlich 31.05.2013
1. Probleme selbstgemacht!
Da ist doch gut das wir Raps nbauen und Sprit daraus machen den keiner braucht und die restlichen Flächen bauenwir mit Sondermüll(Solarfelder)zu oder Windparks die Strom produzieren den wir nicht Speichern können und daher entweder verkauft wird ins Ausland oder alles wird Abgeschaltet damit es keinen Supergau gibt.De Rest machen Spekulanden und raffgierige Bauern und Händler.Die Probleme sind sicherlich global sehr vielschichtig und doch alle von Menschenhand gemacht.
EchoRomeo 31.05.2013
2. Wie in der Schule
Aufgabe nicht verstanden, Ansatz komplett falsch, gerechnet wie blöd, "Ergebnis" bekommen und das dann in die nächste falsch verstandene Aufgabe eingebracht. Setzen Sechs meine lieben "Klima-Experten". Es ist an der Zeit, daß einmal nachgerechnet wird was ihr so produziert. Und dann wird abgerechnet. PS: Das PIK, das inzwischen seine Zeit damit verplempern muß den Allerwertesten seines Chefs zu retten gehört einmal gründlich durchleuchtet. Schade daß es keine Staatsanwälte im Dienste der Wissenschaft/Menschheit/Wahrheit gibt.
jonas4711 31.05.2013
3. Klar, die Unsicherheit
Zitat von sysopAFPForscher haben berechnet, wie sich Ernteerträge im Laufe der Erderwärmung verändern könnten. Die Simulationen zeigen einen deutlichen Preissprung bei den wichtigsten Getreidesorten. Doch die Unsicherheiten der Rechnungen sind groß. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tagung-in-potsdam-klimawandel-wirkung-auf-getreide-und-landwirtschaft-a-902599.html
ist groß. Wahrscheinlich deshalb, weil die Herren Wissenschaftler selbst nicht so recht ihren eigenen "Prognosen" trauen? Was wurden wir in der Vergangenheit schon mit Halbwahrheiten und Fehlinterpretationen angeblich "gesicherter Erkenntnisse" verschauckelt! Aber, wie immer, es steckt viel Geld dahinter, und da ist bei dieser verkommenen ""Elite"", wie auch der Politikerkaste, jedes Mittel recht.
analyse 31.05.2013
4. Steigende Getreidepreise ? Das kann nicht sein!da sind wohl
die neuesten Meldungen noch nicht berücksichtigt,daß die Banken sich aus der getreidespekulation zurückziehen,damit die Getreidepreise niedrig bleiben können.Und die "grüne" Biolandwirtschaft nicht vergessen,die die Ackerböden vor Zerstörung bewahrt uns allen Menschen dieser Erde gesunde Nahrung beschert ! Diese realistischen Computer zerstören für 15% das Weltbild ! Lösung:Computer abschaffen !
tailspin 31.05.2013
5. Ach so, natuerlich!
Zitat von sysopAFPForscher haben berechnet, wie sich Ernteerträge im Laufe der Erderwärmung verändern könnten. Die Simulationen zeigen einen deutlichen Preissprung bei den wichtigsten Getreidesorten. Doch die Unsicherheiten der Rechnungen sind groß. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tagung-in-potsdam-klimawandel-wirkung-auf-getreide-und-landwirtschaft-a-902599.html
Aufgrund des numehr stichhaltig nachgewiesenen, eindimensionalen Kausalzusammenhanges zwischen Klimakatastrophe (in Deutschland wegen Schlechtwetter abgesagt, oder ist vielleicht gerade das die Katastrophe?) und Getreidepreisen: Die Moeglichkeit, dass die Getreidepreise hochgehen, weil alle westlichen Zentralbanken Geld ohne Ende in die Wirtschaft pumpen, kommt dann wohl nicht mehr in Betracht. Mein lieber Gesangverein, das war knapp. Da bin ich aber jetzt beruhigt. Ich dachte schon mehrmals, wir waeren geliefert.
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