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Taifun "Haiyan": Meteorologen warnen vor Monstersturm

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Supersturm: Wie "Haiyan" zum Monster wurde Fotos
DPA/ NOAA

Der Taifun "Haiyan" trifft mit voller Wucht auf die Philippinen. Meteorologen sprechen von einem perfekten Zyklon: Warmes Wasser und schwache Scherwinde ließen ihn zu einem Monster heranwachsen. "Haiyan" könnte der stärkste Sturm sein, der jemals auf Land getroffen ist.

Wissenschaftler - besonders jene, deren Arbeit direkt mit Tod und Zerstörung zu tun hat - sind üblicherweise vorsichtig mit Superlativen. Die Begriffe, mit denen die Experten den Taifun "Haiyan" beschreiben, der am Freitag mit voller Wucht die Philippinen getroffen hat, lassen deshalb nichts Gutes ahnen. Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) der US-Marine etwa warnt offiziell vor einem "Super-Taifun". "'Haiyan' hat für einen tropischen Zyklon Perfektion erreicht", sagte Brian McNoldy von der University of Miami.

Auf der Dvorak-Skala, mit der die Stärke tropischer Wirbelstürme berechnet wird, steht "Haiyan" laut McNoldy auf Stufe acht. Mehr geht nicht. Auch auf der Saffir-Simpson-Hurrikanskala liege "Haiyan" auf Stufe fünf, der höchsten. Das JTWC hat seine Angaben über die Windstärke bisher stetig nach oben korrigiert. Zuletzt lagen sie bei dauerhaft 230 km/h, in Böen bei 280 km/h. Die US-Wetterbehörde NOAA geht sogar von bis zu 360 km/h schnellen Böen aus. Satellitenbilder machen das Ausmaß des Monstersturms deutlich: Sie zeigen mächtige Gewitter rund um das Auge des Taifuns und sintflutartige Regenfälle.

"Haiyan" ist chinesisch und heißt "Sturmvogel". Auf den Philippinen heißt der Sturm "Yolanda". Nach Angaben der NOAA hat er ideale Bedingungen angetroffen. Die Wassertemperaturen in seiner Bahn sind extrem hoch, sie liegen derzeit bei bis zu 30 Grad Celsius. So konnte sich "Haiyan" mit Energie vollpumpen, ehe er auf die Philippinen traf. Er schiebt eine rund drei Meter hohe Flutwelle vor sich her.

Zugleich wehen sogenannte Scherwinde, kleinräumige Änderungen von Windgeschwindigkeit und -richtung, derzeit nur schwach. Sie können einen Wirbelsturm in seiner Entwicklung empfindlich stören und haben in diesem Jahr im Atlantik vermutlich dazu beigetragen, dass die Hurrikan-Saison relativ mild ausgefallen ist. Ganz anders im Pazifik: "Haiyan" ist bereits der elfte Taifun binnen sieben Wochen. Drei davon fielen in die Kategorie fünf mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h.

Der stärkste Taifun, der jemals auf Land getroffen ist

Bisher war die Rede davon, dass er ebenso heftig wüten könnte wie der Taifun "Bopha", der 2012 ebenfalls die Philippinen traf und dort rund 2000 Menschen tötete. Doch manche Experten gehen noch weiter. Ryan Maue, Meteorologe bei WeatherBell Analytics, meldete auf seinem Twitter-Account, dass "Haiyan" die stärksten Winde seit dem Supersturm "Tip" von 1979 entfache.

Und selbst das sei noch nicht alles. "So unmöglich es erscheint", twitterte Maue, "'Haiyan' wird noch stärker." Inzwischen habe der Taifun nach der Dvorak-Technik die Stufe 8,1 erreicht - und damit die Skala gesprengt. "Haiyan" könne sogar der stärkste jemals beobachtete Sturm sein, der auf Land getroffen ist.

Das, betont Maue, sei zwar nur eine Schätzung auf Basis von Satellitendaten und nicht durch Messungen am Boden bestätigt. Doch andere Experten sind ähnlicher Meinung. "Die Böen können über 360 Kilometer pro Stunde erreichen. Damit ist dieser Taifun der stärkste, der jemals auf Land getroffen ist", sagte Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. "Haiyan" zähle zu den vier heftigsten Taifunen, die je gemessen wurden, so der Meteorologe. Zum Vergleich: Das Orkantief "Christian" vor einigen Wochen in Deutschland brachte Windgeschwindigkeiten von 190 km/h in Böen. "Im Vergleich zu diesem Taifun", sagt Herold, "war das ein Kindergeburtstag."

Angst vor hohen Opferzahlen auf den Philippinen

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. Tropische Wirbelstürme - also Hurrikane, Taifune oder Zyklone - entwickeln sich dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.

Das Ergebnis können enorme Windgeschwindigkeiten sein, die insbesondere in ärmeren Ländern für hohe Zahlen an Todesopfern sorgen können. Die Lage auf den Philippinen ist laut Herold kritisch: "Es wird verbreitet schwere Schäden geben, und im Freien ist man dort wirklich nirgends mehr sicher." Dazu kämen kräftige Niederschläge und Fluten.

Nachdem er die Philippinen hinter sich gelassen hat, wird "Haiyan" in Richtung Westen aufs offene Meer ziehen. Am Sonntag wird er Vietnam erreichen. Bis dahin wird er sich voraussichtlich deutlich abgeschwächt haben - aber noch immer Wirbelsturmstärke besitzen.

Mit Material von dpa

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1. Das Problem ist nicht der Sturm,
spon-facebook-10000159648 08.11.2013
sondern dass sich die Bevölkerung in den Risikogebieten seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt hat.
2. optional
middleline 08.11.2013
Auf keinen Fall ist die extreme Energiedichte des Sturmes auf den Klimawandel zurückzuführen. Die hohen Wassertemperaturen im Pazifik sind reiner Zufall. Nie im Leben ändert sich da Klima auf Grund des stegendes CO2s. Wir müssen weiter leugnen und SUVs fahren. Mein Mitleid gilt den Ärmsten, die unsere Ignoranz büßen müssen.
3. ...
elchjr 08.11.2013
Zitat von spon-facebook-10000159648sondern dass sich die Bevölkerung in den Risikogebieten seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt hat.
Und sonst geht es Ihnen gut? Aber Hauptsache im Trockenen sitzen und "kluge" Sprüche bringen ...
4.
Thoddy 08.11.2013
Zitat von spon-facebook-10000159648sondern dass sich die Bevölkerung in den Risikogebieten seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt hat.
Können Sie das noch weiter ausführen? Also wenn in den 70er Jahren 1000 Menschen gestorben sind ist das weniger schlimm als heute, weil dort mehr leben und nun auch 1000 sterben? Oder 2000? Oder nur 100, weil man besser geschützt ist? Den Sinn ihrer Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich ist der Sturm das Problem, insbesondere wenn es ein solch starker ist. Wenn man nirgends auf der Erde siedeln würde, wo etwas passieren kann, gäbe es keine Menschen.
5.
Jochen Binikowski 08.11.2013
Zitat von spon-facebook-10000159648sondern dass sich die Bevölkerung in den Risikogebieten seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt hat.
Seitdem haben sich in diesen Gegenden allerdings auch die Zahl der taifunfesten Gebäude verzigfacht und vor allem sind die Sturmwarnungen rechtzeitig und präzise. Ich habe selber schon einige Taifune auf den Philippinen miterlebt. Fast alle Personenschäden wären vermeidbar wenn sich alle Betroffenen auch evakuieren ließen. HAIYAN hat zwar extreme Windgeschwindigkeit, zieht aber relativ schnell durch. Das reduziert die Regenmengen erheblich. So hatte z.B. 2009 ein Taifun von nur Kategorie 1 gigantische Sachschäden angerichtet weil er sich mehrere Tage genau über Manila festgesetzt hat. Da kamen in 4-5 Tagen Regenmengen auf die Stadt wie in Deutschland in einem ganzen Jahr.
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Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

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