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Klimaforschung: Lehren aus dem Sturm

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Supersturm: Wie "Haiyan" zum Monster wurde Fotos
DPA/ NOAA

Ist die tödliche Kraft von Taifun "Haiyan" Folge der Erderwärmung? Die Katastrophe auf den Philippinen erschüttert die Delegierten auf dem Weltklimagipfel in Warschau. Das entscheidende Problem liegt jedoch an anderer Stelle.

Hamburg - Die Uno-Klimakonferenz in Warschau erlebte am Montag einen sehr emotionalen Auftakt. "Stoppt den Wahnsinn!", rief ein philippinischer Delegierter, der angesichts von geschätzten 10.000 Toten durch die Taifun-Katastrophe mit den Tränen kämpfte, seinen Kollegen aus fast 200 Staaten zu. Die Welt müsse endlich einen Vertrag beschließen, der den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch einschränkt, damit die Klimaerwärmung aufhöre.

"Wir weigern uns zu akzeptieren, dass unser Leben darin bestehen soll, vor Monsterstürmen zu fliehen, unsere Familien in Sicherheit zu bringen, Zerstörung und Not zu erleiden und unsere Toten zählen zu müssen", sagte der philippinische Abgeordnete. Umweltverbände stützen seine Ansicht: Der Taifun sei das Menetekel der Warschauer Konferenz, erklärt Greenpeace. Bündnisse aus Regierungen und Kohlekraftwerksbetreibern seien das Ausrufezeichen hinter extremen Wetterereignissen, die künftig häufiger würden, meinen die Umweltaktivisten.

Auch der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK stimmt zu: "Wie ruhig können diejenigen, die sich mit aller Macht gegen Klimaschutzmaßnahmen stemmen, im Angesicht der Bilder aus den Philippinen noch schlafen?", fragt er. Deutet der fatale Taifun also auf den menschengemachten Klimawandel?

Die entscheidende Lehre

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Behörden auf den Philippinen: Überfordert von "Haiyan"
Statistiken zeigen einen anderen Zusammenhang: Vor allem die Bauweise von Häusern, Deichen und Siedlungen entscheidet darüber, wie viele Menschen durch einen Sturm verletzt werden. So sind seit 1900 in den USA immer weniger Leute bei Hurrikanen ums Leben gekommen - trotz erheblich gestiegener Bevölkerungszahl in Gefahrenregionen und mehr Stürmen in der Region. Für Haiti zeigen Analysen ebenfalls, dass sich die Auswirkung der Stürme vor allem nach der Anfälligkeit der Bevölkerung richtet.

So können schwächere Stürme als "Haiyan" noch extremere Katastrophen werden: Zyklon "Nargis" fielen 2008 in Myanmar fast 140.000 Menschen zum Opfer, obwohl er bei seinem Auftreffen auf Land zwei Sturmstufen schwächer ausfiel als "Haiyan".

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American Meteorological Society

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Im zweiten Teil seines neuen Sachstandberichts, der im März veröffentlicht wird, drängt der Uno-Klimarat IPCC einem Entwurf des Reports zufolge auf robustere Bauten gegen Stürme. Eine reichere Welt könnte sich besser schützen: Gemessen an der Wirtschaftsleistung könnten sich die Schäden bis Ende des Jahrhunderts durch zunehmenden Wohlstand halbieren, zeigen Berechnungen.

Doch das ist nur eine Seite der Geschichte. Die andere ist die seit langem debattierte Frage, wie die Erwärmung des Klimas Stürme ändern könnte. Mangelnde Daten erschweren die Analysen: Erst seit rund 30 Jahren ermöglichen Satellitendaten systematische Beobachtungen. Die Abschätzung der Stürme zuvor gründet wesentlich auf Schadens- und Meeresspiegeldaten.

Keine Trends erkennbar

Der Uno-Klimarat hat die Erkenntnisse in seinem jüngsten Bericht vom September zusammengefasst: Es gebe keine erkennbaren Langzeittrends bei tropischen Zyklonen, also bei Hurrikanen und Taifunen. Allerdings: Die stärksten Wirbelstürme, so eine Vermutung, könnten in Zukunft noch zerstörerischer werden.

Tropische Stürme ziehen ihre Energie aus warmem Wasser. Doch die Gleichung "wärmere Ozeane gleich mehr Stürme" geht nicht auf. Scherwinde können sie schwächen. Lindernd wirken sich auch Staubpartikel aus. Entsprechend scheint die Verringerung der Luftverschmutzung in der westlichen Welt seit Ende der siebziger Jahre dazu beigetragen zu haben, dass seither wieder mehr Hurrikane über dem Atlantik kreisen.

Die Hurrikan-Aktivität im Atlantik sei jahrzehntelang gestiegen, berichteten Forscher der Universität Kopenhagen 2012 - und nun in etwa so stark wie Ende des 19. Jahrhunderts. Seit Anfang des Jahrtausends gäbe es im Atlantik aber keinen Trend mehr, konstatiert die Weltmeteorologische Organisation WMO. Die Anzahl der Stürme 2013 verlief mit bislang nur zwei Hurrikanen besonders glimpflich - entgegen der Vorhersagen Anfang des Jahres; die Hurrikan-Saison endet im November.

Weniger Stürme, höhere Fluten?

Weltweit habe es im vergangenen Jahrzehnt sogar eine unterdurchschnittliche Aktivität tropischer Stürme gegeben, berichtet die WMO. Die globale Aktivität tropischer Stürme sei auf einen Tiefpunkt gefallen, schrieb der Klimaforscher Ryan Maue von der Florida State University 2011. Seit 1872 gehe die Anzahl der Stürme zurück, zeigte auch eine Studie 2012.

Wie aber geht es weiter? Simulationen prophezeien laut Uno-Klimarat weniger Tropenstürme in einer wärmeren Welt. Doch die beunruhigende Erkenntnis lautet: Die stärksten Stürme könnten noch stärker werden. Die Folgen könnten gravierend sein, schreiben Forscher um Robert Mendelsohn von der Yale University: Die kräftigsten ein Prozent der Stürme verursachen ihren Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Schäden. Weil die Giganten aber so selten sind, dürfte es Jahrhunderte dauern, um tatsächlich den Effekt des Klimawandels messen zu können, meinen die Experten.

Für die Philippinen dürften vor allem andere Klimaveränderungen problematisch werden: Kaum irgendwo sonst steigt das Meer so schnell wie dort - Sturmfluten laufen immer höher auf. Zudem erwarten Klimaforscher mehr Regen in einer wärmeren Welt - mildere Luft kann mehr Feuchtigkeit halten. Taifune der Zukunft dürften demnach noch mehr Wasserfluten bringen.

Mit Grafiken von Christina Elmer

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insgesamt 335 Beiträge
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1. Eine reichere Welt könnte sich besser schützen
günter1934 11.11.2013
Und wir in Deutschland machen uns dank EEG zu einer ärmeren Welt? Wo soll das hinführen?
2. Stoppt den Wahnsinn
wmers 11.11.2013
....und baut endlich stabilere Unterkünfte
3. Seit 15 Jahren
fwittkopf 11.11.2013
Zitat von sysopDPA/ NOAAIst die tödliche Kraft von Taifun "Haiyan" Folge der Erderwärmung? Die Katastrophe auf den Philippinen erschüttert die Delegierten auf dem Welt-Klimagipfel in Warschau. Das entscheidende Problem liegt jedoch an anderer Stelle. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/taifun-haiyan-philippinen-einfluss-von-klimawandel-auf-wirbelstuerme-a-932987.html
kühlen wir ab. Diesen Sturm dürfte es eigentlich gar nicht geben, oder er hätte eben vor 15 Jahren stattfinden müssen. Die Schlußfolgerung ist: Je kälter es wird, um so heftiger werden die Stürme. Die Korrelation ist ganz offensichtlich. Schuld an dem Sturm sind die CO2 Einsparer.
4.
Promethium 11.11.2013
Und wir steigern unseren CO2 Ausstoß weil wir Angst vor dem Atom haben. Deutsche Kraftwerke stoßen 20 Tonnen mehr CO2 aus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsche-kraftwerke-stossen-20-tonnen-mehr-co2-aus-a-932647.html)
5. Ach so...
kaffeeschluerfer 11.11.2013
...nicht die stärker werdenden Stürme sind also das Problem, sondern die zu schwach gebauten Häuser. Irgendwie vertauschen die Herren Wissenschaftler da Ursache und Wirkung.
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Bevölkerung: 101,803 Mio.

Hauptstadt: Manila

Staats- und Regierungschef: Benigno Aquino

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Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

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