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Taifun-Statistik: Die gewaltigen Ausreißer des Klimas

Immer häufiger? Schon die Infrarotaufnahmen tropischer Wirbelstürme bleiben im Gedächtnis ("Yasi", 2011) Zur Großansicht
Getty Images/ NOAA

Immer häufiger? Schon die Infrarotaufnahmen tropischer Wirbelstürme bleiben im Gedächtnis ("Yasi", 2011)

Keine zwölf Monate nach "Bopha" wurden die Philippinen schon wieder von einem verheerenden Tropensturm heimgesucht. Doch der Eindruck täuscht: Die Zahl der Taifune und Hurrikane hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht zugenommen. Wohl aber ihre zerstörerische Wirkung.

Für die Wissenschaft sind extreme Ereignisse schon per Definition ein Problem. Denn wegen ihrer Seltenheit erzeugen sie nur über lange Zeiträume genügend Daten, mit denen sich ihre Hintergründe erforschen ließen. Schon deshalb verwundert es wenig, dass in der Fachwelt sehr umstritten ist, ob und wie starke Wirbelstürme mit dem Klimawandel zusammenhängen.

Weitgehend einig scheint sich die Klimawissenschaft immerhin darin zu sein, dass eine generelle Zunahme von Hurrikanen und Taifunen nicht zu beobachten ist. "Aktuelle Datensätze zeigen keine signifikanten Trends in der globalen Frequenz tropischer Wirbelstürme", heißt es im fünften Weltklimabericht der Vereinten Nationen. Allenfalls im Nordatlantik sei ihre Zahl angestiegen.

Dazu passt eine Studie, die drei US-amerikanische Geologen im vergangenen Jahr im Fachmagazin "Journal of Climate" veröffentlichten. Sie sammelten Daten zu allen tropischen Stürmen, die zwischen 1970 und 2010 weltweit auf Landmassen getroffen sind. Hinweise auf langfristige Trends fanden sie in ihren Daten nicht. Diesen Eindruck stützt auch das folgende Schaubild aus der Studie:

American Meteorological Society

Häufiger sind Tropenstürme also nicht geworden, aber hat wenigstens ihre Intensität zugenommen? Das würde erklären, warum sie immer größere wirtschaftliche Schäden anrichten. Von den 20 Hurrikanen und Taifunen, die laut der Münchener Rückversicherung seit 1980 der Gesamtwirtschaft am stärksten zugesetzt haben, wüteten nur fünf vor dem Jahr 2000.

Allerdings hängen die Schadensummen auch davon ab, wie dicht die betroffenen Regionen besiedelt sind - und wie sich dort Wohlstand und Industrie entwickelt haben. Die Autoren der US-Studie sehen darin den wichtigsten Einflussfaktor.

Die Statistik der Sturmenergie stützt ebenfalls diese Theorie. Vergleicht man die Aktivität der tropischen Wirbelstürme seit 1970, erscheinen die vergangenen Jahre noch relativ harmlos. Ein klarer Trend ist ebenfalls nicht auszumachen. Als Vergleichswert dient in dieser Statistik die Accumulated Cyclone Energy (ACE). Damit wird geschätzt, wie viel Energie ein Sturm insgesamt umsetzt - berechnet anhand seiner Maximalgeschwindigkeit in Intervallen von je sechs Stunden.

Extrem hohe Intensitäten hätte diese Methode wohl auch für die Jahre vor 1970 ergeben. Denn rund um das Jahr 1960 wurde Japans Küste von drei besonders heftigen Taifunen verwüstet: "Nancy", "Violet" und "Ida" fegten mit mehr als 320 Kilometern pro Stunde über den Pazifik auf Japan zu - und zwar nicht in einzelnen Böen, sondern über Zeiträume von mindestens einer Minute.

Damit übertreffen die drei stürmischen Damen alle Taifune, deren Geschwindigkeit auf diese Weise gemessen wurde. Ob dieser Rekord trotz oder wegen der zunehmend präziseren Messtechnik noch heute besteht, lässt sich nicht rekonstruieren. Die Erdatmosphäre ist eben kein Labor.

che/dpa

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Worte
quark@mailinator.com 09.11.2013
Was war doch gleich noch der Unterschied zwischen "Klima" und "Wetter" ??? Richtig !
2. Naturgesetz
MiniDragon 09.11.2013
Er dreiste mich zu prophezeien . dass die zerstörerische Wirkung derartiger Naturereignisse mit weiter anwachsender Anzahl der menschlichen Erdbewohner weiter, und das sogar überproportional, zunehmen wird.
3. taifun
p.donhauser, 09.11.2013
und?was wissen wir von taifunen vor unseren aufzeichnungen über jahrhunderte ob sie stärker oder schwächer waren?
4.
Namal 09.11.2013
Zitat von quark@mailinator.comWas war doch gleich noch der Unterschied zwischen "Klima" und "Wetter" ??? Richtig !
Das Wetter ist das, was man real beobachtet und auch real existiert. Das Klima ist eine menschliche Konvention und hat mit der Realität nichts zu tun, man könnte es auch ein Hirngespinnst nennen.
5. Dachte ich es mir doch!
nitram1 09.11.2013
Die lieben Klimaschwurbler kommen wieder aus ihren löchern! Könnt ihr sie nicht für immer begraben? Vielleicht helfen ja 3 Holzpflöcke oder das Kreuz oder? Früher sagte man "Wer einmal lügt!" Aber wer 1000 mal lügt?
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Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.
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