Tal des Todes Das Geheimnis der streunenden Felsen

Von

Corbis

2. Teil: Neue Theorien sollen das Mysterium erklären


Den entscheidenden Moment hatte also auch Clement verpasst. Hatte der starke Sturm die Felsen bewegt, fragt sich der Forscher? Um die größeren Felsen durch den Sand zu schieben, wären allerdings Windgeschwindigkeiten von 800 Kilometern pro Stunde erforderlich - so stark blasen die heftigsten Hurrikane nicht.

Doch Clement machte an jenem Morgen eine wichtige Entdeckung: Glitschiger Wasserfilm bedeckte die Ebene. Offenbar - so lautete seine Folgerung - dient der Regen den Steinen als Schmiermittel.

Doch warum, so fragte er sich, liefen viele Steinspuren vollkommen parallel, als seien die Klötze im Verbund gewandert? Und warum führen die Bahnen anderer benachbarter Steine in gegensätzliche Richtungen, wo der Wind doch nur aus einer Richtung kommen kann? Einige Steine hinterließen gar Kreisbahnen, als wären sie in eine Windhose geraten.

Wilde Theorien trieben Blüten

Noch heute glauben Forscher, dass der mitunter starke Nordostwind eine Rolle spielt. Er beschleunigt in einem Tal im Südwesten der Steine-Rennbahn wie in einer Düse. Die meisten Schleifspuren lägen in der Hauptwindrichtung, sie führten von Südwest nach Nordost, berichtet die Geologin Paula Messina von der San Jose State University, die 1993 begann, die wandernden Felsen zu erforschen. Doch seltsam: Zahlreiche Steinspuren verlaufen gen Süden und Osten, andere laufen im Zickzack und andere im Kreis.

Wilde Theorien trieben Blüten: Außer den unvermeidlichen Außerirdischen wurden Tiere verdächtigt, die Steine zu bewegen. Oder erlaubten sich gar schelmische Mexikaner einen Streich, wie Touristen unkten? Nein, sagen Forscher: Hilfestellende hätten schließlich Spuren im Sand hinterlassen müssen. Die Wissenschaftler verdächtigten Erdbeben, Magnetismus, erhöhte Schwerkraft und Wasserströme - doch Messungen ließen auch diese Theorien sterben.

Immer neue Versuche wurden unternommen, das Geheimnis der Stein-Vagabunden zu lüften. Um zu ergründen, ob die Brocken im Verbund wandern, banden Forscher mehrere Exemplare zusammen und versuchten sie zu schieben - es misslang. Ein Geologe bastelte einen Propeller, der starken Wind erzeugte. Zusätzlich setzte er den Boden unter Wasser. Indes: Die Steine rührten sich nicht.

"Ich liebe diese Steine, weil sie unerklärlich sind"

Paula Messina untersuchte auch die streunenden Felsen selbst - sie erwiesen sich als ganz normales Dolomitgestein ohne Besonderheiten, das vom umliegenden Gebirge gebröckelt war. Auf der Rennebene jedoch stellte die Geologin manche Eigenheiten fest: Der Boden besteht aus unterschiedlichen Milieus: Regen schwemmt schmierigen Ton von den Bergen, er gelangt aber nicht überall hin. Messina entdeckte auch vereinzelte Bakterienmatten auf der Ebene, die bei Regen ebenfalls glitschig werden.

Wahrscheinlich bildet sich bei Sturm mancherorts ein Gleitfilm, folgerte Messina - und bestätigte damit die Theorie von Forscherpionier Thomas Clement. 1998 jedoch, nach fünf Jahren Arbeit, bilanzierte die Geologin anlässlich ihrer Promotion über die wandernden Steine: "Das Ergebnis ist faszinierend: Es gibt keines."

Dennoch fährt Messina weiterhin zur Steine-Rennbahn: "Ich liebe diese Steine, gerade weil sie unerklärlich zu sein scheinen", sagt die Geologin. Wie sie meinen inzwischen die meisten Forscher, dass diverse Faktoren als Antriebskraft eine Rolle spielen - und so wurden die Theorien mit den Jahren immer komplexer.

Sensoren im Sand vergraben

Ein Forscherteam entwarf nach monatelangen Berechnungen ein Szenario, wonach sich unter den Steinen bei Regen und Sturm kleine Hügel bildeten, von denen die Brocken später herunterrutschen. Doch die Fachkollegen blieben skeptisch.

Die Nasa-Expedition verfolgte nun auch eine alte Theorie des Naturkundlers George Stanley aus den fünfziger Jahren, der zufolge Eis die Felsen bewegt. Während Frostnächten, so glaubte Stanley, glitten die Steine in Eisschollen eingeklemmt durch die Wüste. Wind treibe die Eisplatten. Paula Messina jedoch hielt die Theorie für widerlegt, die Geologin hatte keine Eisreste gefunden.

Um die These nochmals zu prüfen, hatte Nasa-Forscher Gunther Kletetschka vergangenen Winter Sensoren unter einigen der Wandersteine vergraben - mit einer Ausnahmegenehmigung der Nationalparksleitung. Die Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen wurden nun ausgewertet: Im März hätte sich wohl tatsächlich Eis gebildet, berichtet Clint Naquin von der Louisiana State University in Shreveport.

Steine-Rennbahn im Labor

Die Eisthese erkläre, warum sich große Brocken oft weiter bewegten als kleine, glauben die Teilnehmer der Nasa-Expedition - denn mächtige Felsen bremsten langsamer, wenn sie in Fahrt seien. Die Eistheorie begründe auch, warum sich die Steinbahnen häufig verbreiterten und Sandhaufen aufwürfen: Während das Eis schmelze, sinke der Fels in den Sand. Und dort, wo nur Eis rutsche, entstünden jene ominösen Spuren ohne Stein.

Doch nicht bei allen Wanderbrocken habe Eis eine Rolle gespielt, räumen die Forscher ein. Sie untersuchten jeden einzelnen der wandernden Felsen. Mit dem Satelliten-Navigationssystem GPS vermaßen sie die Spuren. Sie analysierten auch den Boden. Ihre Studie mischt nun alle bisherigen Theorien: Algen spielten eine Rolle, toniger Boden, Wind, Eis und Regen. Der genaue Mechanismus indes bleibt unbekannt. Jetzt sollen Laborexperimente Klarheit bringen: Die Forscher durften Sand von der Steine-Rennbahn an ihre Universität bringen.

Die wandernden Felsen bewahren also ihr Geheimnis. Und sie locken immer mehr Touristen. Vielleicht löst ja ein Laie das Rätsel? Jemand, der mit eigenen Augen sieht, wie die Steine rutschen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 109 Beiträge
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denkpanzer 13.09.2010
1. Aliens
Zitat von sysopLange Schleifspuren im kalifornischen Tal des Todes machen Wissenschaftler ratlos: Mächtige Steine vagabundieren umher, teilweise schneller als Fußgänger. Manche wandern paarweise, manche bergab, andere bergauf - doch niemand hat ihre Bewegungen je selber gesehen. Was treibt die Felsen an? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,716545,00.html
Es kann nur eine Erklärung geben: Aliens. Erst die Kornkreise, nun die Steine.
opriema, 13.09.2010
2.
Das wäre doch was für Naturforscher. Erstens haben sie unendlich Geduld und zweitens gute Kameras. Sollen sie sich mal ein Jahr auf die Lauer legen (zum Beispiel als 80-Kilo-Stein verkleidet oder als Wüste)und dann sehen wir weiter. Was passiert eigentlich, wenn man die Steinchen auf einen anderen Untergrund legt? Zum Beispiel auf eine Holzplatte. Irgendwie ist die Berichterstattung, dafür dass seit Jahrzehnten an dem Problem geforscht wird, ziemlich dürftig. Das ist fast noch mysteriöser als die Steine selbt.
kdshp 13.09.2010
3. aw
Zitat von sysopLange Schleifspuren im kalifornischen Tal des Todes machen Wissenschaftler ratlos: Mächtige Steine vagabundieren umher, teilweise schneller als Fußgänger. Manche wandern paarweise, manche bergab, andere bergauf - doch niemand hat ihre Bewegungen je selber gesehen. Was treibt die Felsen an? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,716545,00.html
Hallo, ich tippe auf starke bodenwinde die selten auftreten wie zb. auch monsterwellen. Wollte ja auch lange keiner glauben das es sowas gibt.
ammoniak 13.09.2010
4. Witz?
Soll das ein Witz sein? Steine die sich bewegen, aber eben immer nur dann wenn keiner hinschaut, obwohl seit 50 Jahren Leute dort sind und hinschauen. Und Zelten ist erlaubt, Kameras aufstellen dagegen nicht. Wer's glaubt.
bundespiepmatz 13.09.2010
5. Schwobbler!
Es könnte sein, dass ein Schriftsteller das Rätsel gelöst hat: Harald Haack. In seiner Satire erzählt er über die "Schwobbler" auf dem Mars, steinerne Wesen, die Sedimente fressen und von Mars-Sonden fotografiert, aber nie als Wesen erkannt wurden - bis ein Schweizer Astronaut Sporen dieser Wesen mit auf die Erde bringt... http://newsbattery.blogsport.de/2008/05/29/die-schwobbler-kommen/
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