Tal des Todes Das Geheimnis der streunenden Felsen

Lange Schleifspuren im kalifornischen Tal des Todes machen Wissenschaftler ratlos: Mächtige Steine vagabundieren umher, teilweise schneller als Fußgänger. Manche wandern paarweise, manche bergab, andere bergauf - doch niemand hat ihre Bewegungen je gesehen. Was treibt die Felsen an?

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Corbis

Mysteriös wie auf einem anderen Planeten ginge es zu im Tal des Todes, staunt Nasa-Forscher Brian Jackson. Über den Wüstenboden streunen Felsbrocken. Doch seit Jahrzehnten rätseln Wissenschaftler, was die Steine antreibt.

Kein Mensch hat die Felsen - manche wiegen Hunderte Kilogramm - je in Bewegung gesehen. Aufnahmen mit fest installierten Kameras sind in dem Nationalpark verboten. Doch Hunderte Meter lange Schleifspuren hinter den Brocken künden von den Streifzügen über den "Racetrack-Playa", zu Deutsch: Rennbahn-Ebene.

Seit 1948 studieren Wissenschaftler das Rätsel, zuletzt versuchten sich die Nasa-Forscher an einer Lösung. Wissenschaftler wurden so vertraut mit den vagabundierenden Klumpen, dass sie ihnen Namen gaben: "Karen" ist mit 320 Kilogramm einer der dickste Brocken, sie schaffte in einem Monat allerdings nur 18 Meter. "Diane" hingegen zieht es in die Ferne, sie legte in der gleichen Zeit 880 Meter zurück.

"Achtung: Umherziehende Steine!"

Gewöhnlich aber hat die Gestalt eines Steins keine Wirkung auf seine Bewegung, haben Forscher ermittelt: Weder seine Größe noch sein Gewicht oder die Geländeeigenschaften haben Einfluss darauf, wie wendig ein Felsen ist und wie umtriebig.

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Nasa-Expedition: Das Rätsel der wandernden Felsbrocken
Jeder Stein führt ein Eigenleben. Einige Steine wandern paarweise, ihre kurvigen Furchen verlaufen parallel. Die meisten Felsen streunen bergauf, andere bergab. Die Steigung ist allerdings minimal, nicht mal ein Zentimeter pro Kilometer Strecke. Viele hinterlassen Zickzack-Bahnen auf der nahezu planen Wüstenebene. Und vor manchen Spuren fehlen die Steine.

Offenbar pflügen manche Brocken regelrecht durch den Sand; sie treiben Bugwellen vor sich her, werfen kleine Sanddünen auf. Matschspritzer ließen darauf schließen, dass die Steine sieben Kilometer pro Stunde erreichten, meinen Forscher. Die Felsen würden also Fußgänger überholen. Spaßvögel wollten schon Schilder aufstellen: "Achtung: Umherziehende Steine!"

17 Wissenschaftler und Studenten unter Leitung von Nasa-Forschern waren in den letzten Wochen zu der lebensfeindlichen Salz- und Sandebene in Kalifornien gereist. Und als ob das Phänomen nicht schon kurios genug wäre, beteiligten sich an der Expedition ausgerechnet Wissenschaftler der Slippery Rock University aus Pennsylvania, zu Deutsch also: Rutschiger-Fels-Universität. Die Forscher erhielten die Ausnahmegenehmigung, im Nationalpark übernachten zu dürfen. "Es war aufregend wie eine Schatzsuche", erzählt Justin Wilde von der University of Wyoming.

Doch Expeditionen in die Einöde sind nicht nur abenteuerlich, sondern auch beschwerlich. Messerscharfe Kiesel lassen die Reifen der Autos platzen. Sengende Sonne brennt unerbittlich auf die 4,5 Kilometer lange und 2,2 Kilometer breite Steine-Rennbahn, ein Hochplateau, das von einer bis zu 3300 Meter hohen Bergkette gesäumt wird. Wetterextreme machen Forschern zu schaffen. Im Sommer schwitzen sie bei mehr als 50 Grad im Schatten, im Winter frieren sie in schneidenden Schneestürmen. Starkregen flutet ihre Zelte, Windböen fegen sie weg.

Als einer der ersten Wissenschaftler kampierte im März 1952 der Geoforscher Thomas Clement auf dem Hochplateau. Er hoffte, die Felsbrocken auf ihren Streifzügen zu ertappen. Doch schwere Stürme und heftiger Regen trieben ihn ins Zelt. Bei Sonnenaufgang blickte Clement aus dem Zelt, das dem Unwetter leicht lädiert standgehalten hatte. Frische Furchen bahnten sich im Sand - die Steine hatten sich bewegt.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
denkpanzer 13.09.2010
1. Aliens
Zitat von sysopLange Schleifspuren im kalifornischen Tal des Todes machen Wissenschaftler ratlos: Mächtige Steine vagabundieren umher, teilweise schneller als Fußgänger. Manche wandern paarweise, manche bergab, andere bergauf - doch niemand hat ihre Bewegungen je selber gesehen. Was treibt die Felsen an? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,716545,00.html
Es kann nur eine Erklärung geben: Aliens. Erst die Kornkreise, nun die Steine.
opriema, 13.09.2010
2.
Das wäre doch was für Naturforscher. Erstens haben sie unendlich Geduld und zweitens gute Kameras. Sollen sie sich mal ein Jahr auf die Lauer legen (zum Beispiel als 80-Kilo-Stein verkleidet oder als Wüste)und dann sehen wir weiter. Was passiert eigentlich, wenn man die Steinchen auf einen anderen Untergrund legt? Zum Beispiel auf eine Holzplatte. Irgendwie ist die Berichterstattung, dafür dass seit Jahrzehnten an dem Problem geforscht wird, ziemlich dürftig. Das ist fast noch mysteriöser als die Steine selbt.
kdshp 13.09.2010
3. aw
Zitat von sysopLange Schleifspuren im kalifornischen Tal des Todes machen Wissenschaftler ratlos: Mächtige Steine vagabundieren umher, teilweise schneller als Fußgänger. Manche wandern paarweise, manche bergab, andere bergauf - doch niemand hat ihre Bewegungen je selber gesehen. Was treibt die Felsen an? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,716545,00.html
Hallo, ich tippe auf starke bodenwinde die selten auftreten wie zb. auch monsterwellen. Wollte ja auch lange keiner glauben das es sowas gibt.
ammoniak 13.09.2010
4. Witz?
Soll das ein Witz sein? Steine die sich bewegen, aber eben immer nur dann wenn keiner hinschaut, obwohl seit 50 Jahren Leute dort sind und hinschauen. Und Zelten ist erlaubt, Kameras aufstellen dagegen nicht. Wer's glaubt.
bundespiepmatz 13.09.2010
5. Schwobbler!
Es könnte sein, dass ein Schriftsteller das Rätsel gelöst hat: Harald Haack. In seiner Satire erzählt er über die "Schwobbler" auf dem Mars, steinerne Wesen, die Sedimente fressen und von Mars-Sonden fotografiert, aber nie als Wesen erkannt wurden - bis ein Schweizer Astronaut Sporen dieser Wesen mit auf die Erde bringt... http://newsbattery.blogsport.de/2008/05/29/die-schwobbler-kommen/
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