Tal des Todes Forscher erklärt Mysterium der streunenden Felsen

Corbis

Aus San Francisco berichtet

2. Teil: Rennbahn-Aquarium lieferte die Lösung


Insofern ist es außergewöhnlich, dass Nasa-Forscher Kletetschka auf der AGU-Tagung nun eine stimmige Theorie präsentiert. Im März hatte er Sensoren in der Rennbahnebene vergraben - mit einer Ausnahmegenehmigung der Nationalparksleitung. Sie maßen Temperatur und Feuchtigkeit. Zudem hatte er die Lage der Felsen kartiert. Seine Hoffnung war, die Wanderungen anhand der Daten nachvollziehen zu können.

Doch es kam anders: "Seit März hat sich kein Stein bewegt", sagt Kletetschka zu SPIEGEL ONLINE. Im Laborversuch aber konnte er zeigen, warum in letzter Zeit Stillstand herrschte, dort will er dem Mysterium der wandernden Felsen auf die Spur gekommen sein: Der Physiker hat die Steinerennbahn in Kleinformat in einer Art Aquarium nachgebaut, dessen Decke ein dicker Kupferbalken ist. Den Boden bedeckte originaler Lehm von der Steinerennbahn. Darauf lag ein Stein.

So konnte Kletetschka kalte Nächte im Tal des Todes simulieren: Zunächst ließ er es regnen, Wasser strömte ein und stieg schnell an. Schon vor Jahrzehnten hatten Wissenschaftler entdeckt, dass die Rennbahn-Ebene nach starkem Regen zu einem flachen See wird. Der Forscher kühlte das Kupferdach des Aquariums unter den Gefrierpunkt ab. Nun herrschten darin Bedingungen wie so oft auf der Hochebene, wenn die Lufttemperatur unter null Grad sinkt.

Die Felsen nehmen Fahrt auf

Der "See" im Aquarium gefror: Von oben nach unten wandelte sich das Wasser zu Eis. Schließlich umschloss das Eis auch den Stein im Aquarium. Von den Seiten aber strömte weiterhin Wasser nach. "Von der Hochebene fließt nach Regenfällen massenhaft Grundwasser ins Tal", überträgt Kletetschka das Phänomen auf die Vorgänge in der kalifornischen Wüste.

Und nun geschah es: Das Wasser ließ das Eis "aufschwimmen" - damit hob sich auch der Stein. Sobald es nun wieder etwas wärmer werde, könne der Stein sich in Bewegung setzen, erklärt Kletetschka. Denn Wärme lässt das Eis bersten. "Das Eis auf der Ebene zerbricht in einzelne Schollen", erläutert der Forscher. Eingeschlossen in unterschiedlichen Schollen nähmen die Felsen schließlich Fahrt auf, glaubt er.

Drei Kräfte treiben die Eisschollen an, meint Kletetschka:

  • Wind,
  • nachströmendes Regenwasser
  • und Strömungen, die durch Temperaturunterschiede zwischen den kühlen Gebieten im Schatten der Berge und den sonnenbeheizten Stellen hervorgerufen würden.

Diese drei Faktoren sorgen dem Forscher zufolge dafür, dass sich Wasser und Eis in Bewegung setzen. Im Eis eingefroren, könnten sich nun sogar große Felsen bewegen, sagt Kletetschka.

Schilder sollen umgeschrieben werden

Seine Theorie bringt verschiedene Beobachtungen in Einklang:

  • Die Spuren ohne Steine werden demnach von Dellen im Eis und von Lehmbrocken erzeugt, die am Boden kratzen.
  • Die breiter werdenden Furchen erklären sich dadurch, dass die Felsen allmählich einsinken, wenn das Eis taut.
  • Breite Spuren hinter schmaleren Steinen entstehen, wenn Eis am Stein haftet.

Fachkollegen auf der Tagung in San Francisco zeigten sich angetan von der neuen Theorie, die in Kürze in einem Fachjournal veröffentlicht werden soll. Eine Diskussionsteilnehmerin forderte gar, umgehend die Hinweisschilder an der Steinerennbahn im Tal des Todes umzuschreiben.

Doch Kletetschka ist noch nicht zufrieden, er will die Steine diesen Winter endlich wandern sehen, wenigstens anhand seiner Messungen auf der Rennebene. Zusätzliche Sensoren im Innern eines Steins sollen zeigen, ob sich der Fels in Wasser oder Eis befindet.

Ein großes Rätsel über eine vermeintlich kleine Frage könnte also unmittelbar vor der endgültigen Aufklärung stehen.

insgesamt 63 Beiträge
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DJ Doena 16.12.2010
1. Déjà vu?
Das Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
Thomas von und zu B. 16.12.2010
2. Hallo?
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
Und warum ist es verboten? Verletzung der Grundrechte der Besucher? :-)
sic tacuisses 16.12.2010
3. Das sind nämlich garkeine Steine.
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
"Das sind Sandkörnchen aus den Augen des Riesen Goliath" hat mir die US-Ikone Palin heute nacht im Traum vesichert.....
frank_lloyd_right 16.12.2010
4. Ja, ja...
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
...und die Begründung ist völliger Quatsch. Seit Ewigkeiten reisen ein paar Kumpels und ich im Winter für etliche Wochen nach L.A und ziehen nach der üblichen Sauf- und Drogentour in die Wüste, um dort (ha.ha !) Steine zu bewegen und dann sorgfältig Spuren (unsere) zu verwischen. Ich finde, das bißchen Presse für jahrzehntelangen Nonsens haben wir schon verdient... aber jetzt kommt tatsächlich eine Trittbrettfahrer daher und hat eine halbwegs glaubwürdige wissenschaftliche Erklärung gebastelt - dazu sag ich nein ! Solche Typen wollen sich doch nur wichtig machen und Forschungs gelder kassieren !
tubaner 16.12.2010
5. .
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
Ja, der Artikel vom 13.9.10 ist auch in dem aktuellen Artikel verlinkt. Und in der Diskussion zu dem alten Artikel findet man in Betrag #16 folgendes Youtube-Video von 2006: http://www.youtube.com/watch?v=u1hoiHvOeGc
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