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Tal des Todes: Forscher erklärt Mysterium der streunenden Felsen

Aus San Francisco berichtet

Seit fast hundert Jahren rätseln Wissenschaftler über Schleifspuren im kalifornischen Tal des Todes: Mächtige Steine vagabundieren umher, teilweise schneller als Fußgänger. Niemand hat ihre Bewegungen je gesehen. Jetzt meint ein Nasa-Forscher, erklären zu können, was die Brocken antreibt.

Fotostrecke: Felsen streunen durchs Tal des Todes Fotos
Corbis

Ein Physiker der US-Weltraumagentur Nasa will ein geologisches Rätsel gelöst haben, das Hunderte Wissenschaftler und unzählige Laien seit Jahrzehnten beschäftigt: Über die Wüste Kaliforniens streunen Felsen - doch was die Steine im Tal des Todes antreibt, war bislang unklar. Zwar hat niemand die Brocken je in Bewegung gesehen, Aufnahmen mit fest installierten Kameras sind in dem Nationalpark verboten. Aber lange Furchen hinter den Steinen zeugen von ihren ausgiebigen Streifzügen über die "Racetrack-Playa", die "Rennbahn-Ebene" in der Sierra Nevada.

Auch Gunther Kletetschka von der Nasa hat die Felsen nicht beim Wandern ertappt. Aber seine Laborexperimente haben ihn überzeugt, das Rätsel gelöst zu haben. Das Ergebnis hat er nun auf der Jahrestagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (AGU) in San Francisco vorgestellt. Demnach bewegen Eisschollen und Wasser die Felsen - auf erstaunliche Weise.

Vor fast hundert Jahren wurde das Mysterium der wandernden Steine entdeckt. Bald erkannten Wissenschaftler, dass die Felsen ganz unterschiedlich unterwegs sind: Ein Stein, den Geologen "Diane" getauft haben, legte in einem Monat 880 Meter zurück. Schwergewicht "Karen" - sie ist mit 320 Kilogramm der dickste Brocken - schaffte in der gleichen Zeit nur 18 Meter.

Schneller als Fußgänger

Spaßvögel wollten schon Schilder aufstellen: "Achtung: Umherziehende Felsen!" Denn manche Steine sind offenbar schneller als Fußgänger: Sie treiben Bugwellen vor sich her, werfen kleine Sandhäufchen auf. Die Matschspritzer ließen darauf schließen, dass die Steine bis zu sieben Kilometer pro Stunde erreichten, meinen Geologen.

Normalerweise bestimmen weder Größe noch Gewicht eines Brockens seine Bewegung, haben Forscher ermittelt. Einige Felsen rutschen im Zickzack auf dem nicht ganz planen Lehmboden umher, andere wandern parallel. Manche streunen abwärts, die meisten aber bergauf. Vor manchen Spuren fehlen die Steine, viele Furchen werden immer breiter.

Die 4,5 Kilometer lange und 2,2 Kilometer breite Steinerennbahn hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt - trotz der Wetterextreme: Im Sommer schwitzen Touristen bei mehr als 50 Grad im Schatten, im Winter frieren sie in schneidenden Schneestürmen. Starkregen flutet ihre Zelte, Windböen fegen sie weg.

Spuren in alle Richtungen

Am Rand der Rennbahn verweisen Schilder auf das Phänomen: Wahrscheinlich seien Wind und regennasser Boden die treibenden Kräfte, steht darauf.

Doch so einfach kann es nicht sein.

Warum führen die Bahnen benachbarter Steine in gegensätzliche Richtungen, wo der Wind doch nur aus einer Richtung kommen kann? Und warum laufen viele Steinspuren parallel, als seien die Brocken im Verbund gewandert? Einige Furchen beschreiben gar Kreisbahnen, als wären die Steine in eine Windhose geraten.

Theorien gab es viele. Verdächtigt wurden:

  • Außerirdische,
  • Tiere,
  • Scherzbolde, die seit Jahrzehnten einen Streich spielen,
  • Erdbeben,
  • erhöhte Schwerkraft,
  • Wasserströme,
  • Eis,
  • Algenmatten.

Dutzende Experimente wurden durchgeführt, um die Felsen in Bewegung zu versetzen. Auch der Boden und die Steine selbst wurden untersucht. Doch alle seriösen Wissenschaftler beendeten ihre Untersuchungen wie die Geologin Paula Messina von der San Jose State University, die sich seit 1993 mit den wandernden Felsen beschäftigt. "Das Ergebnis ist faszinierend", schrieb sie in ihre Promotion: "Es gibt keines."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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1. Déjà vu?
DJ Doena 16.12.2010
Das Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
2. Hallo?
Thomas von und zu B. 16.12.2010
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
Und warum ist es verboten? Verletzung der Grundrechte der Besucher? :-)
3. Das sind nämlich garkeine Steine.
sic tacuisses 16.12.2010
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
"Das sind Sandkörnchen aus den Augen des Riesen Goliath" hat mir die US-Ikone Palin heute nacht im Traum vesichert.....
4. Ja, ja...
frank_lloyd_right 16.12.2010
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
...und die Begründung ist völliger Quatsch. Seit Ewigkeiten reisen ein paar Kumpels und ich im Winter für etliche Wochen nach L.A und ziehen nach der üblichen Sauf- und Drogentour in die Wüste, um dort (ha.ha !) Steine zu bewegen und dann sorgfältig Spuren (unsere) zu verwischen. Ich finde, das bißchen Presse für jahrzehntelangen Nonsens haben wir schon verdient... aber jetzt kommt tatsächlich eine Trittbrettfahrer daher und hat eine halbwegs glaubwürdige wissenschaftliche Erklärung gebastelt - dazu sag ich nein ! Solche Typen wollen sich doch nur wichtig machen und Forschungs gelder kassieren !
5. .
tubaner 16.12.2010
Zitat von DJ DoenaDas Thema hatten wir doch vor Monaten schon mal, wo es darum ging, warum es verboten sei, die blöden Dinger einfach zu filmen.
Ja, der Artikel vom 13.9.10 ist auch in dem aktuellen Artikel verlinkt. Und in der Diskussion zu dem alten Artikel findet man in Betrag #16 folgendes Youtube-Video von 2006: http://www.youtube.com/watch?v=u1hoiHvOeGc
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