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Verborgen unter Wasser: Forscher finden gigantischen Vulkan im Pazifik

Das Tamu-Massiv wäre ein imposanter Anblick - wenn man es denn sehen könnte. Doch statt auf der Erdoberfläche liegt der Vulkan am Meeresgrund. Neue Analysen zeigen, dass der Gigant nicht nur auf der Erde, sondern im ganzen Sonnensystem seinesgleichen sucht.

Tamu-Massiv: Versteckter Gigant Fotos
Will Sager

Vom Tamu-Massiv hat bisher kaum jemand gehört. Tief unter der Meeresoberfläche liegt der Vulkan im Nordwestpazifik östlich von Japan. Doch eine neue Studie im Fachmagazin "Nature Geoscience" zeigt nun, wie gigantisch der Einzelvulkan wirklich ist: Seine Ausmaße ähnelten denen des Olympus Mons auf dem Mars, des größten bekannten Vulkans des Sonnensystems. Der ist mit gut 20 Kilometern zwar deutlich höher als das Tamu-Massiv, nimmt nach Ansicht der Forscher aber nur rund 25 Prozent mehr Volumen ein.

Die rund 145 Millionen Jahre alte Formation liegt am südwestlichen Ende des Shatsky-Rise-Plateaus, dessen Fläche etwa der Japans entspricht. Viele Geologen gehen davon aus, dass solche Plateaus - große, flache Gebiete des Ozeanbodens, die sich deutlich über das umgebende Gelände erheben - auf massive Eruptionen zurückgehen.

Bisher sei angenommen worden, dass die Ausbrüche jeweils an mehreren Stellen stattfanden, die Gesteinsmassive also Vulkanketten sind, schreiben Studienautor William Sager von der University of Houston (US-Bundesstaat Texas) und seine Kollegen. Doch anders als etwa bei der Schildvulkan-Kette Hawaiis habe es am Tamu-Massiv offenbar vor allem Ausbrüche an einer einzelnen Stelle gegeben. Es handle sich somit wahrscheinlich um einen Einzelvulkan von 650 Kilometern Länge und 450 Kilometern Breite.

Er unterscheide sich auch von Zehntausenden anderen unterseeischen Erhebungen am Grunde der Ozeane. Wegen der immensen Ausmaße fielen die Flanken des Vulkans nur sehr sanft ab. Könnte man auf ihnen spazieren gehen, so Sager, dann wäre es wohl schwierig, bergauf und bergab zu unterscheiden. Die durchschnittliche Neigung des Geländes liege bei ungefähr einem Grad.

Inaktiv nach einigen Millionen Jahren

Die Wissenschaftler hatten Gesteinsproben des Tamu-Massivs analysiert. Diese waren 2009 im Rahmen des Integrated Ocean Drilling Program an Bord des Bohrschiffs "Joides Resolution" gesammelt worden. Es zeigte sich, dass die gefundenen Basalte allesamt aus einer einzigen Quelle nahe dem Zentrum stammen. Allerdings erbohrten die Wissenschaftler Kerne von maximal 175 Metern Länge - und das Massiv misst vom Ozeanboden aus gesehen bis zu vier Kilometer.

Also werteten die Forscher auch seismische Daten aus, die das Forschungsschiff "Marcus G. Langseth" 2010 und 2012 aufgezeichnet hatte. Die Bilder sehen faszinierend aus; der unterseeische Vulkan ist selbst für Laien einfach zu erkennen. Demnach könnte der schildförmige unterseeische Berg entstanden sein, als die immensen Lavamengen austraten und beim Abkühlen die flachen, weit reichenden Hänge schufen. Schon wenige Millionen Jahre danach sei der Vulkan erloschen.

Womöglich gibt es auf der Erde sogar noch größere Vulkane am Meeresgrund. Interessant könnte zum Beispiel das Ontong-Java-Plateau sein. Das liegt ebenfalls im Pazifik, nördlich der Inselgruppe der Salomonen. Hier wissen die Forscher aber noch nicht, ob es vor rund 120 Millionen Jahren womöglich auch nur durch einen Vulkan entstand - oder ob zahlreiche Magmaschlote für die Bildung des Plateaus sorgten.

chs/dpa

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