Skurrile Spinnentarnung Ich bin mal Vogelkot

Lieber Kot als tot - so lautet offenbar das Motto einer asiatischen Spinnenart. Um sich vor tödlichen Wespenangriffen zu schützen, lassen die Tiere ihre Netze wie Vogelkot aussehen. Von den echten Exkrementen sind diese dann kaum mehr zu unterscheiden.

Min-Hui Liu/ National Chung-Hsin University

Viele Tiere tarnen sich in ihrer Umgebung, um sich vor ihren Feinden zu schützen. Bei einigen erinnern Farbe und Musterung des Körpers an ein giftiges Tier, was potenzielle Räuber abschreckt. Andere verschwimmen dank ihrer Körperfärbung regelrecht mit dem Untergrund und sind für ihre Feinde unsichtbar. Ein Beispiel dafür sind Blatt- oder Stabinsekten, die im Gestrüpp völlig untergehen. Bei einer dritten Gruppe ähnelt die Körperform leblosen Gegenständen.

Letztere Form der Tarnung hat offenbar auch die Spinnenart Cyclosa ginnaga gewählt. Heimisch ist sie in China, Korea, Taiwan und Japan.Ihr Körper schimmert silbrig. Zusätzlich dekorieren die Jungtiere ihre Netze mit weißlichen, scheibenförmigen Klecksen. Zumindest aus menschlicher Sicht erinnert die Spinne in ihrem Netz so erheblich an einen Klecks Vogelkot, schreiben Forscher um Min-Hui Liu von der National Chung-Hsin University in Taichung im Fachblatt "Scientific Reports".

Reflexionstest verrät Wespensicht

Um zu untersuchen, ob die Netze auch vor Wespenangriffen schützen, vermaßen die Wissenschaftler zunächst die Oberfläche von 125 Spinnennetzen und 21 Kotklecksen. In Sachen Größe fanden sie keinen Unterschied zwischen den beiden Proben. Anschließend bestimmten Liu und Kollegen die Reflexion von Spinnenkörper und Netz und verglichen sie mit der von Vogelkot.

Das Ergebnis: Für das Wespenauge seien Kot und Netz nicht zu unterscheiden, berichten die Wissenschaftler. Um ganz sicherzugehen, dass das dekorierte Netz vor Wespen schützt, stäubten sie die Netze der Spinnen schwarz ein. Tatsächlich nahmen Attacken durch Wespen daraufhin deutlich zu.

Auch wenn für eine endgültige Abklärung noch genauere Untersuchungen nötig seien, wiesen die Ergebnisse daraufhin, dass Körper und Netzdekoration der Spinnen darauf angelegt seien, Vogelkot zu imitieren, schreiben die Forscher.

jme/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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schmusel 03.06.2014
1.
Was mich ja immer am meisten wundert wenn solch kleine Tiere etwas immitieren, was schon alleine aufgrund ihrer Grösse und deswegen der Perspektive schwierig bis unmöglich erscheint: Wie können die das erfassen um es zu immitieren? Die Natur ist immer wieder für Überraschungen gut!
taglöhner 03.06.2014
2. Evolution
Zitat von schmuselWas mich ja immer am meisten wundert wenn solch kleine Tiere etwas immitieren, was schon alleine aufgrund ihrer Grösse und deswegen der Perspektive schwierig bis unmöglich erscheint: Wie können die das erfassen um es zu immitieren? Die Natur ist immer wieder für Überraschungen gut!
Sie selbst erfassen es gar nicht. Das Ganze ist das Ergebnis von (zufälliger) Variabilität und Selektion. Die besseren Täuscher haben mehr Nachkommen als die schlechteren.
achille2000 04.06.2014
3. Evolution
danke für den Hinweis. wollte auch gerade erklären.
darkbishop 19.06.2014
4. ...
Und wenn sie keine Erklärung haben, dann nehmen sie einfach den Faktor "Gott" ... Das ist natürlich ganz plötzlich auf einmal keine "Märchenwelt" mehr. Äußerst schlüssig argumentiert...:-) "Niemals nicht" ist übrigens eine doppelte Verneinung und hebt sich damit auf. Sie haben damit zum Ausdruck gebracht, das Flora und Fauna in ihren heutigen Erscheinungsformen mit Zufall zu erklären sind.
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