Vom Aussterben bedroht Letzte Rettung für den Tasmanischen Teufel

Eine ansteckende Krebserkrankung hat einen Großteil der Tasmanischen Teufel in Australien getötet. Nun sollen Zuchtprogramme, Schutzgebiete und ein Impfstoff die Tiere retten.

Tasmanischer Teufel im Naturschutzgebiet Currumbin Sanctuary in der Nähe von Brisbane (Archiv)
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Tasmanischer Teufel im Naturschutzgebiet Currumbin Sanctuary in der Nähe von Brisbane (Archiv)


Man muss sich nicht wundern, wie der Tasmanische Teufel (Sarcophilus harrisii) zu seinem Namen kam. Regt er sich auf, werden die Ohren rot. Er fängt an zu stinken. Dazu kreischt er wild und reißt das Maul mit den großen Zähnen auf, so weit es nur geht. Kein Wunder also, dass der Vierbeiner mit dem wackligen Gang nicht unbedingt zu den großen Sympathieträgern gehört. Zumal das auch Beutelteufel genannte Tier zudem noch Aasfresser ist.

Doch in den vergangenen Jahren hat sich das Image des Beuteltieres, das seit mehr als vier Jahrhunderten nur noch auf Tasmanien - einer Insel im Süden Australiens - vorkommt, ziemlich gewandelt.

Aus Abscheu ist bei vielen Mitleid geworden. Grund ist eine hochansteckende Krebserkrankung, die 1996 entdeckt wurde. Mehr als 80 Prozent der Teufel starben schon daran. Manche Experten schätzen sogar, dass es von ehemals 200.000 "Tassie-Devils" Mitte der Neunzigerjahre heute nur noch 10.000 gibt.

Tasmanischer Teufel in Aktion (Archiv)
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Tasmanischer Teufel in Aktion (Archiv)

Durch den Gesichtskrebs (DFTD, Devil Facial Tumour Disease) werden die bis zu 70 Zentimeter langen und zwölf Kilogramm schweren Tiere grässlich entstellt. Viele verenden qualvoll, weil sie wegen der Geschwüre in Mund und Rachen nicht mehr fressen können. Wenn es nicht gelingt, die Krankheit in den Griff zu bekommen, könnte der Tasmanische Teufel in ein paar Jahren ausgerottet sein. So wie der verwandte Tasmanische Tiger, von dem das letzte Exemplar 1936 starb.

Ansteckende Krebsarten sind extrem selten

Übertragen wird DFTD durch Bisse, die in der Paarungszeit oder bei Kämpfen um Nahrung recht häufig vorkommen. Dabei gelangen einzelne Krebszellen auf den Partner oder Gegner und können sich ansiedeln. Solche durch direkten Kontakt von einem Tier auf ein anderes übertragbare Krebsarten gibt es weltweit extrem selten. Ursache der schnellen Ausbreitung bei den Beutelteufeln ist nach aktuellem Kenntnisstand die geringe genetische Vielfalt der Population. Damit fehlt es auch an Vielfalt bei den Immunreaktionen.

"Die meisten Teufel sind weitgehend immunologische Klone", erklärt die Genforscherin Katherine Belov von der Universität Sydney. "Die Zellen der anderen sind den eigenen sehr ähnlich. Deshalb sind die Tiere sehr anfällig für DFTD."

Abgesehen vom Krebs gibt es noch eine andere große Gefahr: Autos. Jedes Jahr werden Dutzende Beutelteufel auf Tasmaniens Straßen überfahren. Zudem werden die Tiere normalerweise ohnehin nicht älter als fünf Jahre.

Tasmanischer Teufel am 20.9.2017 auf Tasmanien
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Tasmanischer Teufel am 20.9.2017 auf Tasmanien

Zucht und Schutz als letzte Rettung

Mit dem Programm "Save the Tasmanian Devil" ("Rettet den Tasmanischen Teufel") wird nun versucht, das Wappentier der Insel zu bewahren. Eine Halbinsel im Südosten, die nur über einen schmalen Übergang zu erreichen ist, wurde zum Schutzgebiet erklärt. Dort, auf dem Weg ins alte Gefängnis von Port Arthur, gibt es auch einen privaten "Un-Zoo", in dem die Tiere praktisch frei kommen und gehen können. Verkehrsschilder mahnen Autofahrer überall zur Rücksicht.

Inzwischen gibt es tatsächlich einige Hoffnung, dass der Tassie-Teufel gerettet werden kann. In mehreren Anlagen - auf Tasmanien, aber auch auf dem australischen Festland - werden sicherheitshalber Ersatzpopulationen gezüchtet. Mittlerweile gibt es dort mehr als 500 gesunde Tiere. Zudem haben auf Tasmanien trotz der Krebsepidemie einige Populationen überlebt.

Hoffnung durch Impfstoff

Experten erklären das damit, dass manche Teufel inzwischen Antikörper zur Abwehr des Krebses entwickelt haben. Zudem schreitet die Entwicklung eines Impfstoffs voran. Mehr als hundert gezüchtete und geimpfte Teufel, die in den vergangenen beiden Jahren ausgesetzt wurden, leben noch. Jetzt kommt es darauf an, dass sie sich mit den wilden Tieren kreuzen und für ordentlich Nachwuchs sorgen.

Allerdings gibt es auch Rückschläge. Vor ein paar Monaten wurde eine neue Form des Krebses entdeckt. Die meisten Experten bleiben dennoch zuversichtlich, dass der Tassie-Teufel gerettet werden kann. John Hamilton, Gründer des "Un-Zoos" und einer der Urheber der Rettungskampagne, hält den Kampf gar schon für gewonnen: "Wir haben hier auf unserer Halbinsel eine wilde Population gerettet. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Teufel überleben wird."

Klar ist aber auch, dass die Rettung - wenn überhaupt - nur mit menschlicher Hilfe gelingen wird. Genforscherin Belov sagt: "Ohne die aktive Unterstützung von Forschern, Regierungsstellen, Parks, Zoos und vielen anderen würden die Tasmanischen Teufel in der Wildnis nicht überleben."

jme/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
hermanngaul 12.10.2017
1. ich dachte es sei ein Virus
der zur Krebserkrankung führt. Ist es wirklich eine direkte Übertragung von Krebszellen? Auf jeden Fall gibt es das Programm nicht erst seit neuesten wie der Artikel suggeriert, sondern schon seit mindestens 7-8 Jahren, vielleicht schon länger.
hornochse 12.10.2017
2. @ Beitrag 1
Es ist tatsächlich eine Krebserkrankung die übertragen wird und richtig das Programm läuft seit 2011. Impfungen erfolgen mit lebenden Krebszellen. Die hohe Belastung durch Anreicherung von Chemikalien im Devil mindert zusätzlich deren Imunsystem + der schlechte Genpol.
schwester arno 12.10.2017
3.
Zitat von hermanngaulder zur Krebserkrankung führt. Ist es wirklich eine direkte Übertragung von Krebszellen? Auf jeden Fall gibt es das Programm nicht erst seit neuesten wie der Artikel suggeriert, sondern schon seit mindestens 7-8 Jahren, vielleicht schon länger.
Ja, es gibt infektiöse Tumore, um so einen handelt es sich hier auch.
permissiveactionlink 12.10.2017
4. #1, herrmanngaul
Nein, kein Tumorvirus, sondern ein Allotransplantat, das irgendwie die Immunsysteme der Tiere überlistet. Die transformierten Zellen gehen auf ein Weibchen zurück, das vor 1996 im Nordosten Tasmaniens gelebt haben muss. Der Tumorzelle fehlen fünf von vierzehn der originalen Chromosomen (Das Paar Nr.1 sowie ein Chromosom des Paares 5 und beide Geschlechtschromosomen) dafür treten vier neue, veränderte Chromosomen auf, die man als M1 bis M4 bezeichnet. Bei dem ersten befallenen Tier, dem Weibchen, entstand der Tumor aus einer transformierten Schwann'schen Zelle des Nervensystems, wie man aus dem Expressionsmuster der Tumorzellen schließen konnte. Schwannzellen sind spezielle Formen der Gliazellen, die als Hüll- und Stützzellen das Axon einer Nervenzelle im peripheren Verlauf umhüllt und bei markhaltigen Fasern durch eine Myelinhülle elektrisch isoliert (saltatorische Erregungsleitung). Näheres findet man unter : dancelikeamonkey.wordpress.com
stanislaw 12.10.2017
5. Ja,...
Zitat von hermanngaulder zur Krebserkrankung führt. Ist es wirklich eine direkte Übertragung von Krebszellen? Auf jeden Fall gibt es das Programm nicht erst seit neuesten wie der Artikel suggeriert, sondern schon seit mindestens 7-8 Jahren, vielleicht schon länger.
... es ist eine direkte Uebertragung von Krebszellen. Zumindest ist das die zur Zeit gaengige Theorie, da Viren bisher nicht festgestellt werden konnten. MfG Stefan Froehlich 42 ;-)
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