Farbenfrohe Vogel-Fotos Sie denken, alle Tauben sind grau? Dann schauen Sie mal hier

Wie aus einer anderen Welt: Mit farbenfrohen Porträts poliert die Fotografin Leila Jeffreys den schlechten Ruf der Taube auf.

Leila Jeffreys

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Die Federhaube der Prachfruchttaube erstrahlt lilafarben, das grünblaue Gefieder der Kragentaube schimmert im Licht, auf der Brust der Dolchstichtaube prangt ein roter Tupfer: Sie alle haben nichts mit den grauen Vögeln gemein, die wir aus unseren Fußgängerzonen kennen. Die australische Fotografin Leila Jeffreys zeigt stattdessen Tauben in großer Farbvielfalt und Schönheit.

Mit ihrem prächtigen Federkleid und quietschbuntem Kopfschmuck wirken die Tiere fast wie aus einer anderen Welt, doch sie existieren tatsächlich in manchen Teilen der Erde - nicht in Europa, sondern in Australien und Neuguinea.

Als Jeffreys auf der Weihnachtsinsel Vögel beobachtete, sah sie eine Smaragdtaube und war tief von ihr beeindruckt: "Sie war einfach so schön, dass ich darüber nachdachte, wie toll es wäre, den Leuten zu zeigen, wie vielfältig Tauben sein können."

Vögel zu fotografieren war für Jeffreys kein unbekanntes Terrain: In ihren vorherigen Serien widmete sie sich bereits Wellensittichen, Kakadus und Raubvögeln. Dank ihrer Eltern - Fotokünstler, Tierbeobachter und Umweltschützer - wuchs Leila Jeffreys von Wildtieren umgeben auf und entwickelte eine Leidenschaft für Vögel.

In ihrer aktuellen Fotoserie zeigt sie, wie viel Persönlichkeit in Tauben steckt, jedes ihrer Bilder ist ein charaktervolles Porträt der gefiederten Wesen: Die Hauben-Fruchttaube blickt stolz in die Kamera, das Friedenstäubchen wirkt ängstlich und schüchtern, die Wompoo-Fruchttaube scheint neugierig auf etwas zu warten. "Jeder der Vögel hat etwas Faszinierendes an sich hat. Wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu beobachten, kann man das erkennen", sagt Jeffrey.

Die Fotografin arbeitete eng mit Zoos und Tierschutzorganisationen zusammen und lichtete die Tiere direkt in den Einrichtungen, außerhalb ihres natürlichen Kontextes, ab. Sie setzte sie vor einen weißen Hintergrund und leuchtete sie bis ins letzte Detail aus: Die Textur des Schnabels, die Feinheiten der Augen und jede einzelne Feder sind perfekt zu erkennen.

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16  Bilder
Von der Wonga- bis zur Buchstabentaube: Bunte Farbenpracht

Doch wie schaffte es die Fotografin, dass die Tauben bei den Aufnahmen still saßen? Das habe viel Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert, so Jeffreys. Die Tiere mussten ihr vertrauen - manchmal dauerte es nur 30 Minuten, manchmal besuchte sie einen Vogel über ein oder mehrere Jahre, bis er sich an sie gewöhnt hatte. "Sie sind schließlich wilde Tiere und keine Profis", sagt die Fotografin. Drei Jahre lang arbeitete Jeffreys insgesamt an ihrer Serie.

Für ihre Ausstellung "Ornithurae" in der Olsen Gruin Gallery in New York druckte Jeffreys die Fotos größer als lebensgroß aus: "Ich will, dass man die Vögel als gleichwertig erkennt." Ihre Arbeiten sollen uns daran erinnern, dass Vögel sich in vielen Bereichen nicht sehr von uns unterscheiden: "Sie versuchen, einen Partner zu finden, ihre Kinder aufzuziehen, Häuser zu bauen und nach Nahrung zu suchen", sagt die Fotografin.

Durch ihre Bilder sollen Menschen Tauben anders wahrnehmen und sich für ihren Schutz einsetzen: "Denn sobald man mit ihnen gefühlsmäßig verbunden ist, ist es unmöglich, die Augen zu verschließen und sie nicht erhalten zu wollen." Und das erreicht Jeffreys, indem sie erstaunliche Begegnungen mit einigen der wohl schönsten Vögeln der Welt schafft.



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